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Skandinavische Forscher entdecken menschliche DNA in Birkenpech

Skandinavische Forscher entdecken menschliche DNA in Birkenpech
Eine Speerspitze, die mit Birkenpech an einem Holzschaft befestigt wurde. Allerdings haben Neandertaler und Homo sapiens Birkenpech auch gekaut - und dabei DNA-Spuren hinterlassen.
Archivfoto: © Kozowyk et al.
GEKLEBT UND GEKAUT Die Neandertaler haben schon vor 200.000 Jahren Birkenpech hergestellt, um damit steinerne Speerspitzen an Holzschäften zu befestigen. Dass es funktioniert und wie das geht, haben Wissenschaftler der Universität Leiden bereits im Jahr 2007 nachgewiesen (Foto oben).
Doch Birkenpech diente nicht nur als Steinzeit-Klebstoff, sondern wurde auch gekaut. Wahrscheinlich als antiseptische Medizin, um Mundverletzungen zu behandeln. Das belegen mehrere Funde mit Zahnabdrücken.
Nun ist es einem Forscherteam der Universität Oslo erstmals gelungen, menschliche DNA aus solchen Birkenpech-Kaugummis zu isolieren und zu sequenzieren. Es handelt sich um drei 11.980 Jahre alte Funde aus Westschweden, die vom Homo sapiens hinterlassen wurden.

Birkenpech als Klebstoff und Antiseptikum

Birkenpech war das Pattex der Steinzeit. Sowohl die Neandertaler als auch der frühe Homo sapiens nutzten es, um damit Speer- oder Pfeilspitzen an Holzschäften zu befestigen. Auch zerbrochene Keramik ließ sich damit reparieren. Doch mehrere Birkenpechklumpen, die man gefunden hat, weisen Zahnabdrücke auf. Sie belegen, dass die Menschen der Steinzeit Birkenpech auch gekaut haben.
Lange dachte man, dass das geschah, um das Birkenpech für die Verarbeitung weich zu machen. Doch inzwischen weiß man, dass Birkenpech Phenole enthält, die eine antiseptische Wirkung haben. Daher nimmt man heute an, dass Birkenpech auch als Kaugummi genutzt wurde, um Entzündungen im Mundraum zu behandeln.

Menschliche DNA im Birkenpech

Wo gekaut wird, da muss es DNA geben, dachten sich Forscher der Universität Oslo. Also haben sie drei fast 12.000 Jahre alte Birkenpechklumpen aus der archäologischen Fundstätte Huseby Klev in Schweden untersucht. Und tatsächlich wurde das Forscherteam unter der Leitung von Natalija Kashuba fündig.
Eigentlich wollten die Forscher nur herauszufinden, woher die ersten Menschen kamen, die Skandinavien am Ende der letzten Eiszeit besiedelt haben (wahrscheinlich aus Osteuropa). Doch viel bedeutender als dieser Befund ist die Tatsache, dass es nun neben fossilen Knochen und Höhlensand eine dritte Quelle gibt, in der man nach menschlichem Erbgut suchen kann.
Die Sache hat allerdings einen Haken. Die Studie der skandinavischen Forscher wurde bislang in keinem peer-reviewten Fachmagazin veröffentlicht, sondern nur auf dem Reprint-Server BioRxiv. Das heißt, die Forschungsergebnisse wurden noch nicht von unabhängigen Gutachtern geprüft und bewertet. Insofern muss man abwarten, was andere Experten zu den Resultaten sagen.

Rätselhafter Herstellungsprozess

Bis heute ist rätselhaft, wie es den Neandertalern und dem frühen Homo sapiens möglich war, Birkenpech herzustellen. Denn um den Klebstoff der Steinzeit zu erhalten, muss man Birkenrinde auf 360 bis 400 Grad erhitzen und dafür sorgen, dass kein Sauerstoff an die klebrige Masse gerät. Dazu bräuchte man eigentlich einen luftdichten Behälter.
Experimental-Archäologen der Universität Leiden ist es inzwischen gelungen, auch ohne luftdichten Behälter zumindest kleinere Mengen Birkenpech herzustellen. Die Menschen der Steinzeit scheinen also relativ simple Techniken beherrscht zu haben, um Klebstoff und medizinische Kaugummis aus gekochter Birkenrinde zu gewinnen. Allerdings ist noch nicht so ganz klar, wie sie das in großem Stile hinbekommen haben.
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