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Der asiatische Homo erectus bleibt eine rätselhafte Menschenart

Der asiatische Homo erectus bleibt eine rätselhafte Menschenart
Zähne eines Pekingmenschen, die im Naturkundemuseum von Uppsala aufbewahrt werden. Sie unterscheiden sich deutlich von gleichaltrigen Funden aus Indonesien.
Foto: © University of Uppsala
AUF DEN ZAHN GEFÜHLT Die Entwicklung des Homo erectus in Asien und Indonesien gibt den Forschern nach wie vor Rätsel auf. Gleichaltrige Fossilien unterscheiden sich deutlich voneinander, während Funde, zwischen denen fast 1,0 Millionen Jahre liegen, sich erstaunlich ähneln.
Das bestätigt auch eine Studie, die ein internationales Forscherteam (Frankreich, China, Deutschland) durchgeführt hat. Studienleiter Clement Zanolli und seine Kollegen haben Zähne des sogenannten Pekingmenschen (Zhoukoudian, China) mit Zahnfossilien aus Indonesien (Ngandong, Sangiran) verglichen und festgestellt, dass die chinesischen Zähne viel mehr Ähnlichkeit mit sehr alten indonesischen Funden haben als mit nahezu gleichaltrigen Fossilien.

Mehrere Entwicklungslinien

Die Forscher haben Mikrofocus-Röntgenaufnahmen mehrerer fossiler Zähne aus China und Indonesien erstellt und miteinander verglichen. Dabei stellten sie fest, dass die Funde aus Zhoukoudian (600.000 Jahre) deutlich mehr Übereinstimmungen mit 1,5 Millionen Jahre alten Zähnen aus Sangiran aufweisen als mit 300.000 bis 500.000 Jahre alten Zähnen aus Ngandong.
"Unsere Ergebnisse deuten auf zeitliche Unterschiede zwischen kontinentalen und insularen südostasiatischen Zahn-Zusammenstellungen hin", schreiben die Forscher. "Die Zähne des mittleren Pleistozäns in China haben anscheinend eine innere Signatur beibehalten, die dem frühen Pleistozän auf der Insel Java entspricht."

Der Pekingmensch war ein "primitiver" Homo erectus

Sprechen wir Klartext: Der chinesische Pekingmensch war ein noch sehr ursprünglicher Homo erectus, der sich über hunderttausende von Jahren wenig verändert hat, während zur gleichen Zeit auf den indonesischen Inseln schon deutlich moderne Modelle der Marke Urmensch herumgelaufen sind.
Dies deckt sich mit Schädel- und Werkzeugfunden, die man in China ausgegraben hat. Wie es aussieht, besaß der Pekingmensch noch einen massiven ursprünglichen Schädel, nutzte primitive Steinwerkzeuge der Oldowan-Kultur, wie sie in Afrika vor 2,0 Millionen Jahren üblich waren, und er konnte kein Feuer machen. Außerdem wird der Pekingmensch verdächtigt, ein Kannibale gewesen zu sein. Ein Oldtimer der menschlichen Evolution, wenn man so will.

Der indonesische Hobbit als dritte Evolutionslinie

Für den Paläoanthropologen John Hawks von der Universität Wisconsin-Madison, der nicht an der Studie beteiligt war, sind die Ergebnisse der Zahnanalyse keine Überraschung. Auf seinem Weblog schreibt er: "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der chinesische Homo erectus möglicherweise einen anderen evolutionären Weg eingeschlagen hat als der Homo erectus in Indonesien."
Hawks führt als weiteres Beispiel den Homo floresiensis an. Obwohl der "Hobbit" vor etwa 700.000 bis 60.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores lebte, scheint er nicht eng mit dem indonesischen Homo erectus verwandt gewesen zu sein. Ein weiterer Ast der asiatischen Evolution.
Abgerundet wird das menschliche Potpourri in Asien von mehreren Schädelfunden, die niemand so recht einzuordnen weiß. Sie könnten vom Homo heidelbergensis oder frühen Denisova-Menschen stammen.

Unterschiedliche afrikanische und westeurasische Vorfahren

Die frühe Entwicklung des Menschen in Asien und Indonesien bleibt rätselhaft. Dort scheinen zur gleichen Zeit sehr unterschiedliche Menschenformen gelebt zu haben. Und so gibt es inzwischen viele Forscher, die glauben, dass diese Menschen von unterschiedlichen Vorfahren abstammen, die in mehreren Wellen nach Asien und Südostasien eingewandert sind.
Zu diesem Ergebnis kommen auch indonesische und US-amerikanische Forscher (Zaim, Ciochon et al.), die bereits im Jahr 2011 Backenzähne aus Sangiran, Zhoukoudian, Afrika und Georgien miteinander verglichen haben.
Sie schreiben in ihrer Studie: "Die zahnmedizinischen Muster deuten auf einen unterschiedlichen Ursprung für die frühen Homo erectus-Populationen in Sangiran und Zhoukoudian hin. Diese beiden ostasiatischen Bevölkerungen haben möglicherweise eine unterschiedliche Herkunft aus verschiedenen afrikanischen oder westeurasischen Populationen."
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