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UNGEWÖHNLICHE FUNDE AUS SÜDAFRIKA

Funkenzauber: Tools aus Kristallquarz dienten übersinnlichen Ritualen

Funkenzauber: Tools aus Kristallquarz dienten übersinnlichen Ritualen
Warum fingen Menschen im südafrikanischen Lesotho vor 14.000 Jahren damit an, ungewöhnlich kleine Werkzeug-Tools aus Kristallquarz herzustellen?
Symbolbild
Drogenrituale und Funkenflug Vor 14.000 Jahren fingen mehrere Stämme in Südafrika damit an, kleine Werkzeug-Tools nicht mehr aus Feuerstein, sondern aus Kristallquarz herzustellen. Das haben amerikanische und britische Archäologen herausgefunden. Und das taten sie nicht, weil es sich um einen besseren Werkstoff handelte, sondern wahrscheinlich aus rituellen Gründen.
Justin Pargeter von der US-amerikanischen Emory Universität und Jamie Hampson von der britischen Universität Exeter haben in den beiden archäologischen Fundstätten Sehonghong and Ntloana Tsoana im heutigen Lesotho zahlreiche solcher meist nur 1 Zentimeter kleinen Werkzeug-Tools ausgegraben. Und sie deuten die Verwendung von Kristallquarz als Hinweis darauf, dass die südafrikanischen Jäger und Sammler damals geistig einen Schritt nach vorne gemacht hatten.

Ein sehr zerbrechlicher Rohstoff für Werkzeuge

Kristallquarz liefert zwar scharfe Klingen, ist aber alles andere als einfach zu bearbeiten, argumentieren die beiden Forscher. Es ist spröde und zerbricht leicht, wenn man einen Abschlag herstellt. Es bedarf ausgefeilter handwerklicher Techniken, um Klingen und Schaber aus Kristallquarz zu produzieren. Und oft endet das mit einer beschädigten Klinge, die nicht zu gebrauchen ist.
Feuerstein war damals ein weit verbreitetes Rohmaterial für Werkzeuge, leichter zu bearbeiten und stand an beiden Fundstellen reichlich zur Verfügung, so Pargeter und Hampson. Dennoch fingen die südafrikanischen Jäger und Sammler vor 14.000 Jahren damit an, immer mehr Klingen aus Kristallquarz zu produzieren. Das belegen die Ausgrabungen der beiden Forscher.

Funkenschlag und pflanzliche Drogen

Warum haben die frühen Südafrikaner das getan? Warum nahmen sie diesen Mehraufwand ohne offensichtlichen Nutzen auf sich?
Justin Pargeter und Jamie Hampson haben dazu eine interessante Theorie entwickelt. Sie glauben, dass die Menschen vor 14.000 Jahren eine "halluzinogene Phase" durchliefen, zu der erste pflanzliche Drogen und Kristallquarze gehörten, mit denen sich beeindruckende Funken schlagen ließen.
"Wir haben in ethnographischen Texten und auf Felszeichnungen Hinweise darauf gefunden, dass es damals solche Rituale gab. Halluzinogene Pflanzen und die Funken, die entstehen, wenn man Kristallquarz gegeneinander schlägt, könnten den Menschen dabei geholfen haben, einen erweiterten Bewusstseinszustand zu erreichen und Zugang zur Geisterwelt zu erhalten", schreiben die Forscher.

Erweiterter geistiger Horizont

Jamie Hampson: "Wir können nicht sicher sagen, warum diese Völker plötzlich Kristallquarz verwendet haben, aber wir nehmen an, dass es etwas mit seinen einzigartigen symbolischen Eigenschaften zu tun hatte. Und das zeigt, dass die damaligen Gemeinschaften einen erweiterten geistigen Horizont erlangt hatten."
Haben sich die frühen Südafrikaner also ordentlich zugedröhnt und mit Lichterspielen in Stimmung gebracht, um mit dem Jenseits und ihren Ahnen zu kommunizieren? War das Kristallquarz Bestandteil übersinnlicher Zeremonien? Eine interessante Theorie, die allerdings erst noch bewiesen werden muss.
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