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Wenn Arten aussterben, spielen häufig invasive Spezies eine Rolle
Foto: © Emily, CC BY-SA 2.0 Lizenz

Wenn Arten aussterben, spielen häufig invasive Spezies eine Rolle

Forscher des University College London haben eine erstaunliche Beobachtung gemacht. 42 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten, die seit dem Jahr 1500 ausgestorben sind, sind zumindest teilweise invasiven Arten - sogenannten Neobiota - zum Opfer gefallen. In 13 Prozent aller Fälle waren die unerwünschten Eindringlinge sogar allein für das Verschwinden von Arten verantwortlich.
Neobiota sind Tiere und Pflanzen, die sich entweder durch Klimaveränderungen oder durch die Einschleppung durch den Menschen außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes ausbreiten und sich dort mangels natürlicher Feinde unkontrolliert vermehren. Und das hat oft tödliche Folgen für die heimische Flora und Fauna.
Die EU listet zurzeit 23 invasive Tierarten (Neozoen) auf, die einheimische Arten verdrängen und gefährden. Darunter befinden sich der sibirische Marderhund (Foto oben), das amerikanische Grauhörnchen, der Waschbär und der Ochsenfrosch.

Ursprung einer Art ist von Bedeutung

Professor Tim Blackburn und seine Kollegen vom University College in London haben alle Aussterbeszenarien der letzten 500 Jahre analysiert. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass invasive Arten in 42 Prozent aller Fälle beteiligt waren, wenn einheimische Arten ausgestorben sind. In 13 Prozent aller Fälle waren sie sogar der alleinige Auslöser.
Die britischen Forscher schreiben in ihrer Studie, dass invasive Tierarten damit deutlich gefährlicher für einheimische Arten waren und sind als die Bejagung durch den Menschen oder die moderne Landwirtschaft.
Professor Blackburn: "Unsere Studie liefert eine neue Beweislinie, die zeigt, dass der biogeographische Ursprung einer Art für ihre Auswirkungen von Bedeutung ist. Die Invasion einer gebietsfremden Art reicht oft aus, um einheimische Arten aussterben zu lassen."

Der Mensch als invasive Spezies

Die neue Untersuchung könnte auch für die Paläoanthropologen von Interesse sein, denn sie liefert möglicherweise Hinweise darauf, warum so viele Menschenarten ausgestorben sind, als der moderne Mensch begann, sich über die Grenzen Afrikas hinaus auszubreiten. Denn überall dort, wo der Homo sapiens auftauchte, sind nicht nur die großen Säugetiere verschwunden, sondern auch der Homo erectus, der Neandertaler und die Denisovas.
Ein ähnliches Szenario scheint es bereits vor 2 Millionen Jahren gegeben zu haben. Damals entstand der Urmensch Homo erectus. Und es dauerte nur wenige hundertausend Jahre, bis der Australopithecus, der Paranthropus, der Homo rudolfensis und der Homo habilis ausgestorben waren.
Am Ende ihrer Studie empfehlen Professor Blackburn und seine Kollegen, die Ausbreitung invasiver Arten massiv zu bekämpfen. Die Forscher ziehen sogar die komplette Ausrottung gebietsfremder Arten in Betracht.
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