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Madagaskar's Megafauna fiel der Landwirtschaft zum Opfer

Madagaskar's Megafauna fiel der Landwirtschaft zum Opfer
Vor 1.000 Jahren starben alle großen Säugetiere auf der Insel Madagaskar aus. Gab es einen Overkill durch menschliche Jäger? Nein, sagen US-Forscher. Es war die Landwirtschaft.
Grafiken: Monnier / Daniel Burch Caballe, CC BY-SA 3.0 Lizenz
VERHEERENDE FEUERRODUNG Jahrtausendelang gab es auf der afrikanischen Insel Madagaskar eine beeindruckende Megafauna - mächtige Riesenfaultiere, drei Meter große Elefantenvögel, Riesenlemuren und den Riesenfossa, ein leopardengroßes Raubtier, das auch dem Menschen gefährlich werden konnte.
All diese beeindruckenden Säugetiere sind vor etwa 1000 Jahren schlagartig ausgestorben. Und es gibt mehrere Theorien darüber, warum das geschah. Eine lautet: Der Mensch hat die Insel kurz zuvor besiedelt. Und als er dort auftauchte, hat er all diese Tiere gejagt, gegessen und ausgerottet. Doch ist das plausibel?

Es gab definitiv keine lange Dürreperiode

Nick Scroxton, Laurie Godfrey und Stephen Burns von der University of Massachusetts im Amherst haben mehrere Theorien, die das Aussterben der Megafauna auf Madagaskar erklären sollen, noch einmal auf den Prüfstand gestellt und nach geologischen, paläontologischen und archäologischen Hinweisen gesucht, die diese Theorien stützen oder widerlegen.
Die Theorie, dass die großen Säugetiere einer langen Dürreperiode zum Opfer gefallen sein sollen, können die Forscher nicht bestätigen. Isotopenuntersuchungen von Stalagmiten und Fossilien haben ergeben, dass es zu der Zeit, als die Megafauna auf Madagaskar verschwand, sehr feucht und fruchtbar war. Es gab keinen Nahrungsmangel.

Jagd ja. Aber kein menschlicher Overkill

Auch die Theorie, dass der Mensch die Riesensäuger durch Jagd ausgerottet haben soll (die sogenannte Overkill-Theorie), scheint den Forschern wenig plausibel. Nach ihren Analysen wurde die Insel erstmals vor 3.000 Jahren besiedelt. Eine zweite Einwanderungswelle gab es vor 1.500 Jahren.
Zwar belegen zahlreiche Schlachtspuren auf Fossilien, dass die Menschen die großen Säuger gejagt und gegessen haben, doch weil das über mehrere tausend Jahre geschah, ohne dass es negative Auswirkungen auf die Populationsgröße dieser Tiere hatte, nehmen die Forscher an, dass die Bejagung durch den Menschen kein entscheidender Faktor war.

Feuerrodung und offene Steppen

Nick Scroxton, Laurie Godfrey und Stephen Burns haben bei ihren Untersuchungen eine neue Entdeckung gemacht. Durch die Analyse von Gestein, Pflanzenpollen und Wasser-Sedimenten haben sie herausgefunden, dass sich das Ökosystem auf Madagaskar vor etwa 1.000 Jahren gravierend veränderte. Die dichten Wälder verschwanden und wurden durch offene Graslandschaften ersetzt. Außerdem haben die Forscher Hinweise darauf gefunden, dass es damals zahlreiche große Waldbrände gab.
Wie passt das zusammen? Scroxton und sein Team vermuten, dass die Menschen damals ihre Lebensweise änderten. Sie wurden von Jägern und Sammlern zu Bauern. Und um Platz für Reisfelder und Viehweiden zu schaffen, wurden riesige Waldgebiete niedergebrannt.
Die heutigen Madagassen bezeichnen diese landwirtschaftliche Technik als "Tavy". Doch sie hat einen gravierenden Nachteil. Die brandgerodeten Flächen bleiben nicht lange fruchtbar und lassen sich nur kurz landwirtschaftlich nutzen. Danach müssen neue Walder niedergebrannt werden. Zurück bleiben ausgelaugte offene Landschaften, in denen nicht viel wächst.

Tödliche Form von Landwirtschaft

Nick Scroxton, Laurie Godfrey und Stephen Burns schreiben im Fachmagazin Journal of Human Evolution, dass es wahrscheinlich eine Kombination aus Feuerrodung und Bejagung war, die zum Aussterben der großen Säugetiere auf Madagaskar geführt hat. Der Mensch nahm diesen großen Tieren ihren Lebensraum und machte parallel dazu Jagd auf die schrumpfenden Bestände.
Es war also doch der Mensch, der die Megafauna auf Madagaskar in die ewigen Jagdgründe befördert hat. Allerdings anders, als man bislang dachte. Es war kein "Overkill" durch extensive Jagd, sondern hauptsächlich eine nicht nachhaltige Form von Landwirtschaft, die das gesamte Ökosystem auf der Insel veränderte. Und so dauerte es nur wenige Jahrhunderte, bis alle großen Säugetiere auf der Insel verschwunden waren.
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EVOLUTION & MEINUNG

Es gibt vielleicht wissenschaftliche Gesetze über die Evolution, aber Darwins Theorie, eine Evolution durch natürliche Auslese betreffend, ist hoffnungslos metaphysisch.
Richard Lewontin

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