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Bis heute ist nebulös, wann der moderne Mensch entstanden ist

Bis heute ist nebulös, wann der moderne Mensch entstanden ist
War der Herto-Mann aus Äthiopien der erste moderne Mensch? Oder reichen die Wurzeln des Homo sapiens viel weiter zurück? Die Forscher sind sich da nicht einig.
Grafik: © J. Matternes
MENSCH OHNE GEBURTSURKUNDE Wann ist eigentlich der moderne Mensch entstanden? Einige Forscher glauben, dass es bereits vor 500.000 - 250.000 Jahren Menschen gab, die dem heutigen Menschen sehr ähnlich waren. Sie bezeichnen diese Fossilien aus Sambia, Südafrika, Tunesien, Äthiopien, Tansania, Israel und China als archaischer Homo sapiens oder früher moderner Mensch.
Andere Forscher lehnen diese Interpretation rundweg ab. Sie ordnen diese Funde noch dem Urmenschen Homo erectus zu und bezeichnen diese Fossilien als Homo rhodesiensis, Homo heidelbergensis, Dali-Mensch oder Homo helmei.

Ältestes Fossil ist nur 160.000 Jahre alt

Wann der erste "richtig" moderne Mensch auftauchte, ist nach wie vor ein Rätsel, denn die verschiedenen Wissenschaftszweige kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Das älteste Fossil, das man zweifelsfrei dem Homo sapiens zuordnet, ist nur 160.000 Jahre alt. Ein Forscherteam unter der Leitung von Tim White von der Universität Berkeley hat den Schädel 1997 in Äthiopien ausgegraben. Man bezeichnet diesen Fund als Homo sapiens idaltu oder Herto-Mann (Foto oben).
Nach Ansicht der Genetiker ist der Homo sapiens etwas älter. Mehrere Erbgutanalysen kommen zu dem Ergebnis, dass die Linie des heutigen Menschen bis in die Zeit vor 200.000 Jahren zurückreicht. Dazu würden Fossilfunde passen, die man ebenfalls in Äthiopien gefunden hat. Man bezeichnet diese 195.000 Jahre alten Schädel als Omo 1 und Omo 2. Allerdings ist unter den Fachleuten umstritten, ob es sich wirklich schon um moderne Menschen handelte.

Umstrittene Fossilien aus Nordafrika

Für dicke Schlagzeilen sorgte ein internationales Forscherteam im Jahr 2017, als es die Geburtsstunde des Homo sapiens in die Zeit vor 300.000 Jahren vorverlegte. Jean-Jacques Hublin und seine Kollegen hatten einige neu entdeckte und mehrere bereits bekannte Fossilien aus Marokko noch einmal analysiert und kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um "Die ersten unserer Art" handelt.
Aber auch diese Studie konnte nicht alle Experten überzeugen. Zwar weisen die Gesichtsschädel anatomische Ähnlichkeit mit heutigen Menschen auf, doch der Gehirnschädel war noch flach und langgezogen wie beim Homo erectus. Außerdem wurde die Methodik der Studie in Zweifel gezogen. Denn für die virtuelle Rekonstruktion der Schädelform hatten die Forscher tausende fragmentierte Knochenteile "zusammengepuzzelt".
Nichtsdestotrotz hatte die Studie große mediale Wirkung. Schlagzeilen wie "Der moderne Mensch ist 100.000 Jahre älter als gedacht" gingen weltweit durch die Presse. Dass die Interpretation der Funde höchst umstritten ist, wurde dabei weitestgehend ignoriert.

Es gab keine kleine Ursprungspopulation

Fakt ist: Zurzeit gibt es kein konkretes Geburtsdatum, das man der Spezies Homo sapiens zuordnen kann. Der Zeitpunkt, wann der Urmensch Homo erectus seine archaischen Merkmale ablegte und zum modernen Menschen wurde, ist nebulös. Und so liest man immer häufiger - auch in wissenschaftlichen Studien - dass der Homo sapiens irgendwann in der Zeit vor 300.000 bis 200.000 entstanden ist.
Sogar die Theorie, dass es sich um eine kleine Menschengruppe handelte, die isoliert von ihren Artgenossen in Ostafrika zum modernen Menschen "mutierte", ist inzwischen strittig. Im Jahr 2018 veröffentlichten Eleanor Scerri von der Universität Oxford und ihr Team eine Studie, nach der der moderne Mensch nicht von einer einzigen Gründerpopulation abstammt, sondern durch die Vermischung mehrerer afrikanischer "Stämme" entstanden ist, die jeder für sich bereits einige anatomisch moderne Merkmale entwickelt hatten.

Langer Stammbaum, aber keine Geburtsurkunde

Wer sind wir? Woher kommen wir? Zurzeit gibt es keine allgemein akzeptierte Antwort auf diese Fragen. Fest steht nur, dass der Urmensch Homo erectus irgendwann in der Zeit vor 500.000 bis 200.000 Jahren Merkmale entwickelte, die wir heute als "modern" bezeichnen. Und wie es aussieht, gab es (mindestens) zwei evolutionäre Linien, die zu neuen Menschenarten führten.
Eine entwickelte sich in Afrika. Wir bezeichnen sie als Homo sapiens. Die andere entstand in Europa. Man nennt sie Neandertaler (Homo neanderthalensis). Beide verdrängten den Homo erectus und wurden vor 200.000 Jahren auf ihren Kontinenten zur dominierenden menschlichen Spezies. Und als der Homo sapiens vor etwa 60.000 Jahren Afrika verließ und sich nach Europa und Asien ausbreitete, starb der Neandertaler aus. Übrig blieben wir - die Menschenart ohne offizielle Geburtsurkunde.
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Wir alle sind nur eine weiterentwickelte Art von Affen, auf einem unbedeutenden Planeten eines sehr durchschnittlichen Sterns.
Stephen Hawking

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