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Wie der Mensch den Klimawandel in Südamerika überlebte

Wie der Mensch den Klimawandel in Südamerika überlebte
Vor 8.200 Jahren kam es in Südamerika zu einem dramatischen Klimawechsel. Es gab immer weniger Menschen und viele Siedlungen wurden aufgegeben.
Symbolbild
DÜRRE, DAUERREGEN UND HUNGER Was wir gerade erleben, ist der dramatischste Klimawandel seit Millionen Jahren. Doch die meisten Menschen - inklusive unserer geliebten Politiker - ignorieren das. Welche Folgen schon deutlich kleinere Klimaveränderungen in der Vergangenheit für den Menschen hatten, belegt eine neue Studie, die Forscher des University College London in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht haben.
Wie Dr. Philip Riris und seine Kollegen berichten, kam es in Südamerika vor etwa 8.200 Jahren zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Zahlreiche bewohnte Orte wurden komplett aufgegeben. Die Menschen verschwanden einfach. Und die Forscher sind sich sicher: Es lag am Wetter, das plötzlich unberechenbar wurde.

Weniger Menschen, verlassene Siedlungen

Philip Riris und sein Team haben für ihre Studie 1.500 archäologische Fundstätten aus Südamerika analysiert, um herauszufinden, warum es plötzlich zu diesem dramatischen Bevölkerungsrückgang kam. Und sie sind auf zahlreiche Hinweise gestoßen, die belegen, dass sich damals das Klima veränderte.
"Vor der Zeit des Bevölkerungsrückgangs gab es etwa alle 16 bis 20 Jahre ein ungewöhnlich trockenes oder nasses Jahr. Doch dieser Rythmus verkürzte sich plötzlich auf etwa alle 5 Jahre", erklärt Dr. Riris. "Die unberechenbaren Niederschlagsmengen wurden für die indigene Bevölkerung Südamerikas zu einem großen Problem."
Siedlungen, die vorher florierten und deren Bevölkerung ständig wuchs, wurden wieder kleiner. Und viele wurden komplett aufgegeben, so die britischen Archäologen. Die Menschen, die damals noch als Jäger und Sammler lebten, hatten offenbar kein Konzept, mit dem ständigen Wechsel aus Regenzeiten und Dürreperioden umzugehen.

2.000 Jahre Bevölkerungsrückgang

Diese kritische Phase dauerte etwa 2.000 Jahre und betraf die gesamte Region von den nördlichen Anden über das Amazonsgebiet bis hin zur Südspitze Patagoniens, so die Forscher. Doch vor etwa 6.000 Jahren veränderte sich etwas. Die Bevölkerungszahl stieg wieder an und es entstanden neue Siedlungen. Doch das hatte nichts mit dem Wetter zu tun.
Archäologische Spuren belegen, dass die Menschen damals damit begannen, erste einfache Landwirtschaft zu betreiben. Sie bauten einheimische Pflanzen an, die ihnen dabei halfen, längere Regen- oder Dürreperioden zu überstehen.
"Die Notwendigkeit, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, hat wahrscheinlich zur Erforschung alternativer Strategien und zur Entwicklung neuer Formen des Lebensunterhalts geführt", sagt der Archäologe Dr. Manuel Arroyo-Kalin.

Wir stehen heute vor den gleichen Herausforderungen

Die Archäologen des University College London sehen starke Parallelen zur aktuellen Klimaentwicklung. Unsere Sommer werden heißer und trockener, im Winter gibt es unwetterartige Ereignisse. Und das in immer kürzeren Intervallen. Die Landwirtschaft, die uns alle ernährt, ist gefährdet und steht vor großen Herausforderungen.
"Unsere Studie enthält eine demographische Dimension zum Verständnis solcher Klimaveränderungen", schreiben die Forscher. "Sie zeigt, wie die indigene Bevölkerung Südamerikas damit umgegangen ist. Solche Prozesse zu durchschauen, könnte uns dabei helfen, neue Strategien zu entwickeln, um den heutigen Klimawandel zu überstehen."
Die einfache Botschaft der britischen Archäologen lautet: Sollte es nicht gelingen, die Erderwärmung zu stoppen, und danach sieht es zurzeit nicht aus, dann müssen wir neue Strategien entwickeln, um Milliarden Menschen zu ernähren. Sonst wird es zu Hungerperioden und einem starken Bevölkerungsrückgang kommen.
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Richard Dawkins

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