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Hände und Füße, die man eigentlich nur vom Australopithecus kennt

Hände und Füße, die man eigentlich nur vom Australopithecus kennt
Die Zehenknochen von Homo luzonensis (rechts) und Australopithecus (links) sind praktisch identisch. Stammen die Zwergmenschen von uralten afrikanischen Vorfahren ab?
Foto: © Callao Cave Archaeology
VERWIRRENDE EVOLUTION Die Besiedlung Asiens durch den Menschen wird immer rätselhafter. Während auf dem asiatischen Festland und auf der Insel Java Menschen gelebt haben, die man zweifelsfrei dem Homo erectus zuordnen konnte, scheint die Inselwelt der Region von kleinwüchsigen Menschen dominiert worden zu sein, die zu einer ganz anderen Entwicklungslinie der Gattung Homo gehörten.
Der Homo floresiensis (Indonesien) und der neuentdeckte Homo luzonensis (Philippinen) belegen, dass es sich um kleinwüchsige Zwergmenschen handelte, die kaum größer als einen Meter wurden und noch anatomische Merkmale besaßen, die an den Australopithecus erinnern, der vor 4,2 bis 2,0 Millionen Jahren in Afrika lebte.

Lebte der Homo luzonensis noch auf Bäumen?

Schaut man sich zum Beispiel die Zehenknochen des Homo luzonensis an, dann fällt sofort auf, dass sie noch leicht gekrümmt sind, während die Zehen von Homo erectus und Homo sapiens nahezu gerade verlaufen. Diese Zehenform findet man sonst nur noch beim Australopithecus.
Ähnlich verhält es sich mit den Füßen von Homo floresiensis. Sie sind im Verhältnis zur geringen Körpermasse außergewöhnlich groß und ähneln ebenfalls Fuß-Fossilien, die man bislang nur in Ost- und Südafrika gefunden hat. Und die afrikanischen Funde sind allesamt mindestens zwei Millionen Jahre älter als die Fossilien aus Südostasien.
Einige Forscher deuten diese sehr ursprüngliche Anatomie dahingehend, dass die asiatischen Zwergmenschen nicht ausschließlich auf dem Boden lebten, sondern sich zumindest zeitweise noch auf Bäumen aufhielten. Für Vertreter der Gattung Homo ein sehr außergewöhnliches Verhalten. Allerdings gibt es auf der Insel Borneo heute noch einen Eingeborenenstamm, der seine Häuser fünfzig Meter über dem Erdboden in Baumwipfeln errichtet.

Der Homo erectus war nicht der erste Asiate

Der großwüchsige Homo erectus und die zwergwüchsigen Inselmenschen müssen nach heutigem Wissensstand von unterschiedlichen Vorfahren abstammen. Denn die sehr ursprüngliche Anatomie von Homo luzonensis und Homo floresiensis lässt vermuten, dass deren Vorfahren Afrika verlassen haben, bevor sich dort der Homo erectus entwickelte.
Mit anderen Worten: Als der Homo erectus in Asien aufkreuzte, gab es dort bereits sehr ursprüngliche Menschen, die noch eng mit dem afrikanischen Australopithecus verwandt waren. Und so wie in Afrika vor 2 Millionen Jahren der Australopithecus ausstarb, als sich der Homo erectus ausbreitete, könnte der Homo erectus die asiatischen Zwergmenschen auf die umliegenden Inseln verdrängt haben.

Stammen chinesische Werkzeugfunde von Zwergmenschen?

Das Ganze ist zurzeit natürlich reine Spekulation. Denn um diese Theorie beweisen zu können, bräuchte man Zwergmenschen-Fossilien vom asiatischen Festland. Und die hat man bislang nicht gefunden. Es ist völlig unklar, wann und auf welchem Weg Homo luzonensis und Homo floresiensis von Afrika nach Südostasien gelangt sind.
In diese Theorie passen würden allerdings Werkzeugfunde aus China, die man auf ein Alter von 2,1 Millionen Jahren datiert hat. Sie können eigentlich nicht vom Homo erectus stammen, denn der hatte Afrika zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht verlassen. Stammen sie von Vorfahren von Homo luzonensis oder Homo floresiensis?
Fest steht nur eins: Vor 200.000 Jahren verliert sich die Spur des Homo erectus auf dem asiatischen Festland und vor 50.000 Jahren sind auch die Inselmenschen Homo luzonensis und Homo floresiensis ausgestorben. Zumindest für die "Hobbits" darf man annehmen, dass der moderne Mensch Homo sapiens seine Finger im Spiel hatte. Denn der breitete sich just zu dieser Zeit in Südostasien aus.

Es gab mehrere frühe Globetrotter

Die neuen Fossilfunde auf der philipinnischen Insel Luzon machen deutlich, dass die Entwicklung des Menschen in Asien deutlich komplexer verlief, als man bislang dachte. Homo erectus und Homo sapiens (und evtl. der Denisova-Mensch) waren nicht die einzigen Zuwanderer, die sich in Asien niederließen.
In einem Kommentar für das Fachmagazin Nature schreibt der kanadische Paläoanthropologe Matthew Tocheri: "Mit dem Homo luzonensis verdichten sich die Hinweise, dass der Homo erectus nicht der einzige Globetrotter unter den frühen Homininen war. Unser Bild von der Homininen-Evolution in Asien wird zunehmend unübersichtlicher, komplizierter - und natürlich interessanter."
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