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Schon in der Steinzeit schützte Körperbemalung vor Blutsaugern

Schon in der Steinzeit schützte Körperbemalung vor Blutsaugern
Drei Puppen - dunkle Haut, helle Haut, weiße Körperbemalung. Die Puppe mit der Körperbemalung wurde 10-mal weniger von blutsaugenden Insekten angegriffen.
Foto: © Horvath et al.
VERWIRRENDE LINIEN Die schwarz-weißen Streifen von Zebras irritieren Raubtiere bei der Jagd und halten Stechmücken ab. Das haben mehrere Studien gezeigt. Ungarische und schwedische Forscher haben nun durch experimentelle Archäologie herausgefunden, dass die "Kriegsbemalung" früher Menschenarten wahrscheinlich einen ähnlichen Effekt hatte.
Wie Gabor Horvath von der Eötvös-Lorand-Universität in Budapest und seine Kollegen im Fachmagazin "The Royal Society Publishing" berichten, schützt helle Körperbemalung auf dunkler Haut, wie sie heute noch bei den Ureinwohnern Afrikas, Australiens und Papua-Neuguineas praktiziert wird, vor lästigen Blutsaugern.

Weiße Streifen bieten einen effektiven Schutz vor Blutsaugern

Die Forscher, zu denen auch Susanne Akesson von der Lund Universität in Schweden gehörte, haben mit menschlichen Puppen - eine dunkelhäutig, eine hellhäutig, eine mit Körperbemalung - nachgewiesen, dass dunkle Haut extrem anziehend auf Mücken, Mosquitos und Bremsen wirkt.
Die dunkelhäutigen Puppen wurden bei diesem Experiment 5-mal häufiger von Insekten attackiert als die hellhäutigen Puppen. Am effektivsten erwies sich allerdings eine dunkle Haut mit weißer Körperbemalung. Die Insekten stachen 10-mal seltener zu als bei der braunen Hautfarbe und nur halb so oft wie bei einer hellen Hautfarbe.

Schon die Neandertaler haben sich bemalt

Laut Susanne Akesson entwickelte sich die Körperbemalung unabhängig voneinander auf mehreren Kontinenten. Und fast überall besteht sie hauptsächlich aus weißen Streifen. Das kann nach Ansicht der Forscher kein Zufall sein.
"Die Menschen haben ihre Körper bemalt, lange bevor sie damit anfinden, Kleidung zu tragen", sagt Akesson. "Und man weiß von den Neandertalern, dass sie helle Erd-Pigmente wie Ocker genutzt haben. Dies lässt zumindest vermuten, dass sie bereits eine Form von Körperbemalung kannten."

Streifen irritieren gefährliche Raubkatzen

Das Forscherteam geht nicht so weit zu behaupten, dass die Körperbemalung gezielt dafür erfunden wurde, um blutsaugende Insekten abzuschrecken. "Aber es war ganz sicher ein nützlicher Nebeneffekt", sagt Studienleiter Gabor Horvath. Denn je seltener ein Mensch von einem Insekt gestochen wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Tropenkrankheit zu sterben. Ein enormer evolutionärer Vorteil.
Ob die Körperbemalung frühe Menschenformen auch davor schützte, das Opfer von Raubtieren zu werden (und davon gab es in der Steinzeit reichlich - Bären, Hyänen, Höhlenlöwen, Säbelzahnkatzen), muss noch erforscht werden. Allerdings weiß man von Zebras, dass ihre schwarz-weißen Streifen Löwen und Leoparden bei der Jagd ernorm irritieren. Möglicherweise ein weiterer Schutzfaktor der menschlichen Körperbemalung.
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EVOLUTION & MEINUNG

Je unwahrscheinlicher, aus statistischer Sicht, ein Vorgang ist, desto weniger können wir annehmen, dass er durch blinden Zufall geschah.
Richard Dawkins

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