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In der sibirischen Arktis gab es schon vor 9.000 Jahren ein Handelsnetz

In der sibirischen Arktis gab es schon vor 9.000 Jahren ein Handelsnetz
Werkzeugklingen aus Obsidian und der Schädel eines Schlittenhundes belegen, dass es im arktischen Teil Sibiriens schon vor 9000 Jahren so etwas wie ein Handelsnetz gab.
Foto: © Vladimir V. Pitulko et al.
MOBILITÄT IN DER STEINZEIT Im arktischen Teil Sibiriens haben schon vor 9000 Jahren Menschen gelebt. Und wie es aussieht, verfügten sie über ein weitverzweigtes Handelsnetz, das es ihnen ermöglichte, an seltene Rohstoffe zu gelangen, mit denen sie Waffen und Werkzeuge herstellten.
Archäologen der Russischen Akademie der Wissenschaften haben auf der heutigen Schochow Insel, die damals noch zum sibirischen Festland gehörte, eine kleine Siedlung entdeckt, in der wahrscheinlich 25 bis 50 Menschen lebten. Und Datierungen haben ergeben, dass diese Siedlung in der Zeit vor 9.300 bis 8.600 Jahren bewohnt war.

Obsidian-Klingen aus 2000 Kilometer Entfernung

Das russische Forscherteam unter der Leitung von Vladimir Pitulko hat zahlreiche Werkzeuge, Waffen und Haushaltsgeräte aus Stein, Knochen, Hörnern, Stoßzähnen und Holz ausgegraben. Und darunter befanden sich 79 Artefakte aus Obsidian und Vulkanglas, die in der Region nicht vorkommen.
Untersuchungen des Materials haben ergeben, dass sie aus der Nähe des Krasnoje-Sees am Unterlauf des Flusses Anadyr stammen. Und von dort bis zur heutigen Schochow Insel sind es 2000 Kilometer Fußmarsch. Eine Strecke, die die Menschen damals unmöglich zurückgelegt haben können, so die Forscher.
Vladimir Pitulko und seine Kollegen vermuten, dass es damals schon ein primitimes Handelsnetz gegeben haben muss. Obsidian und Vulkanglas, die in der Steinzeit wegen ihrer scharfen Klingen ein begehrter Rohstoff für Werkzeuge und Pfeilspitzen waren, müssen über mehrere Stationen zur kleinen Siedlung auf der Schochow Insel gelangt sein.

Wahrscheinlich gab es damals schon Hundeschlitten

Wie die damaligen Arktis-Bewohner zu anderen Siedlungen gelangt sind, um Handel zu treiben, belegen ein Hundeschädel und mehrere Teile eines Schlittens, die die russischen Forscher freigelegt haben. Die Schlittenteile zeigen eindeutig Kufen und der Hund ähnelt frappierend heutigen Schlittenhunden.
"Diese Menschen hatten ein gut entwickeltes Transportsystem", schreiben die russischen Forscher in ihrer Studie. "Die Einwohner von Schochow (russisch Zhokhov) reisten in die umliegenden Gebiete und pflegten Beziehungen zu den dort lebenden Menschen."
Bei diesen Reisen gelangten sie dann mittels Tauschhandel auch an das begehrte Obisidian und Vulkanglas, mit dem sich hochwertigere Schneidegeräte und Waffen herstellen ließen als mit dem vor Ort vorhandenen Gestein.
Anzumerken ist noch, dass das Klima im arktischen Teil Sibiriens vor 9.000 Jahren noch nicht so beinhart kalt war wie heute. Es herrschte zwar kein gemäßigtes Klima, aber die Temperaturen waren etwas milder als heute.
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