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Waren das rituelle Kultobjekte oder einfach nur Kinderspielzeuge?

Waren das rituelle Kultobjekte oder einfach nur Kinderspielzeuge?
Jagdkult oder Kinderspielzeug? Diese Tierfigur hat man 1930 in den USA entdeckt. Sie ist 4.500 Jahre alt und wurde von den amerikanischen Ureinwohnern hinterlassen.
Foto: © Coats, University of Utah
KINDERARTEFAKTE Die Männer der Steinzeit müssen wahre Allround-Genies gewesen zu sein. Sie haben uns nicht nur Faustkeile und Speerspitzen hinterlassen, sondern auch kleine Figuren aus Elfenbein und schicke Höhlenmalereien. Doch stimmt das überhaupt? Oder denken wir da zu eindimensional?
Der Mann war der Jäger, die Frau die Sammlerin. So die Theorie. Und über die Kinder sagen uns die Artefakte aus der Steinzeit rein gar nichts. Doch dabei könnte es sich um einen schwerwiegenden Irrtum handeln, sagen einige Anthropologen. Steinzeit junior und seine kleine Schwester könnten mehr archäologische Spuren hinterlassen haben, als man bislang dachte.

Spirituelle Figur oder Spielzeug?

Im Denver Museum of Nature & Science kann man eine kleine Figur bewundern, die 4.500 Jahre alt ist und ein vierbeiniges Säugetier zeigt - wahrscheinlich einen Hirsch oder ein Langhorn-Schaf. Und wie immer bei solchen Funden lautet die Interpretation, dass es sich um eine rituelle Figur handelte, die das Jagdglück beschwören sollte. Doch der Archäologe Stephen E. Nash sieht das anders. Er glaubt, dass es sich um ein Kinderspielzeug handelte.
Im US-Magazin "Sapiens" schreibt er: "Obwohl das mit dem rituellen Hintergrund plausibel klingt, sollte man auch andere Erklärungen in Betracht ziehen. Und eine davon ist, dass es sich um ein Spielzeug handelte."

Spielzeugladen der Eiszeit

Schaut man genau hin, dann gibt es einige archäologische Funde, die sich nur schwer mit Spiritualität und Jagdkult in Einklang bringen lassen. So hat man in einer jungsteinzeitlichen Siedlung winzig kleine Tongefäße gefunden. An anderer Stelle ist ein nur 19 Zentimeter langer Einbaum aufgetaucht. Und wieder woanders hat man Miniatur-Ausgaben von Werkzeugen gefunden, mit denen Erwachsene nur sehr mühsam arbeiten konnten. Für Kinderhände wären sie allerdings ideal gewesen.
Forscher wie Stephen E. Nash halten es sogar für möglich, dass einige der bis zu 40.000 Jahre alten Funde aus den Höhlen in der Schwäbischen Alb - ein Mammut, ein Wildpferd, ein Höhlenlöwe und ein Vogel aus Elfenbein - gar keine spirituellen Objekte waren, sondern schlicht als Kinderspielzeug dienten.

Kinderhände auf Höhlenmalereien

Interessant dürfte in diesem Zusammenhang auch eine Untersuchung des amerikanischen Archäologen Dean Snow von der Pennsylvania State University sein. Snow hat die Handabdrücke auf französischen und spanischen Wandmalereien analysiert und herausgefunden, dass drei Viertel von Frauen und Kindern stammen. Zum gleichen Ergebnis kommt auch sein britischer Kollege Paul Pettitt von der Durham Universität.
Ist also unser Bild vom zottelbärtigen Steinzeitjäger, der sich in seiner Freizeit als Künstler betätigt und seine Jagd-Abenteuer auf Höhlenwände malt, völlig falsch? Handelte es sich in Wahrheit um eiszeitliche Kindergärten?

Bislang keine überzeugende Theorie

Die Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Es gibt bislang keine allgemein anerkannte Theorie, warum Menschen Höhlen bemalt, kleine Statuetten hergestellt und ungewöhnlich kleine Werkzeuge hergestellt haben. Vielleicht gab es einen spirituellen Hintergrund. Vielleicht handelte es sich um Kinderspielzeug. Vielleicht um beides. Das eine schließt das andere ja nicht aus.
Schaut man sich heutige Kinderzimmer und all das Spielzeug an, das dort herumlungert, dann scheint es ziemlich unwahrscheinlich, dass die Kinder der Steinzeit kein Spielzeug besessen haben sollen. Das meiste bestand wahrscheinlich aus Holz und ist verrottet. Aber die Eiszeit-Papis waren geübte Handwerker und wussten, wie man mit Stein und Elfenbein umgeht. Und da liegt es doch nahe, dass sie für ihren Nachwuchs auch Spielzeug hergestellt haben, das aus robusterem Material als Holz bestand.
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EVOLUTION & MEINUNG

Es wäre eine Illusion, anzunehmen, dass das, was wir zurzeit wissen, mehr ist als ein winziger Bruchteil der gesamten biologischen Realität.
Michael Denton

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