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Gab es schon bei den Neandertalern einen Steinadler-Kult?

Gab es schon bei den Neandertalern einen Steinadler-Kult?
Die Neandertaler haben schon vor 130.000 Jahren Steinadler gejagt. Hat sich der moderne Mensch das von seinen europäischen Vettern abgeschaut?
Symbolbild
HEILIGE FEDERN UND KRALLEN Schon seit Jahrtausenden jagt der Homo sapiens Steinadler. Aber nicht, um die Raubvögel zu essen, sondern um ihre Federn und Krallen für religiöse und rituelle Zwecke zu nutzen. Das reicht von frühen Jäger und Sammler-Kulturen bis hin zu den Griechen und Römern.
Britische Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass die Neandertaler das gleiche taten. Und zwar schon vor 130.000 Jahren. Sie halten es für möglich, dass sich der moderne Mensch dieses Verhalten bei seinen europäischen Vettern abgeschaut hat, als er vor 40.000 Jahren Europa besiedelte und dabei den Neandertalern begegnete.

Über 150 Forschungsberichte ausgewertet

Steinadler sind mit einer Spannweite von über zwei Metern die größten und eindrucksvollsten Raubvögel in Europa. Und in vielen alten Kulturen wurden sie mit Sonnengöttern in Verbindung gebracht. Die Menschen haben aus ihren Federn rituelle Kopfbedeckungen und aus ihren Krallen Schmuck hergestellt.
Stewart Finlayson vom Gibraltar National Museum und seine Kollegen haben sich gefragt, ob es diesen Steinadler-Kult auch schon bei den Neandertalern gab. Also haben sie sich Forschungsberichte über 154 archäologische Fundstellen in Europa angeschaut, die man den Neandertalern zuordnet.

Schnittmarken auf den Flügelknochen

"Obwohl die fossilen Überreste von Felsentauben und Raben am häufigsten vertreten waren, hat man in 26 archäologischen Fundstellen auch Überreste von Steinadlern gefunden", schreiben die Forscher in ihrer Studie, die im Fachmagazin Quaternary Science Reviews veröffentlicht wurde.
Schnittmarken auf den Flügelknochen belegen, dass die Federn sehr behutsam entfernt wurden, so die Forscher. Weitere Schnittmarken auf den Bein- und Fußknochen lassen vermuten, dass auch die Klauen und Krallen vom Rest des Körpers abgetrennt wurden.
Neandertaler-Schmuck mit Steinadler-Bestandteilen hat man nicht entdeckt. Allerdings hat ein Forscherteam im Jahr 2015 mehrere Krallen eines Seeadlers ausgegraben, von denen sie vermuten, dass sie Teil einer Neandertaler-Halskette waren.

Steinadler-Kult übernommen?

Stewart Finlayson und seine Kollegen sind sich sicher: Die Neandertaler haben schon tausende von Jahren, bevor der moderne Mensch Afrika verließ und sich nach Europa ausbreitete, Steinadler gefangen und ihre Federn und Krallen für rituelle Zwecke genutzt.
Dass die Steinadler als Nahrungsquelle dienten, halten die Forscher für unwahrscheinlich. Es ist schwierig, Greifvögel zu fangen, und ihre Körper enthalten nur wenig Fleisch, das man verwerten kann. Aufwand und Ertrag ständen in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander.
Da die ältesten Fundstellen mit Steinadler-Fossilien in Europa 130.000 Jahre alt sind, können sie nicht vom modernen Menschen stammen, so die Forscher. Ihre Theorie lautet: Als sich Homo sapiens und Neandertaler vor etwa 40.000 Jahren erstmals begegneten, hat der Homo sapiens den Steinadler-Kult von den Neandertalern übernommen.
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Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet.
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