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Steinwerkzeuge sagen nicht viel über die Größe einer Population aus

Steinwerkzeuge sagen nicht viel über die Größe einer Population aus
Ein Experimental-Archäologe bei der Herstellung von Steinwerkzeugen. Gab es schon vor 800.000 Jahren Spezialisten für diesen Job?
Symbolbild: Tonto National Monument, CC BY 2.0 Lizenz
Um die Größe einer Population einschätzen zu können, orientieren sich Archäologen und Paläoanthropologen oft an den Abschlagtechniken, mit denen Steinwerkzeuge hergestellt wurden. Die simple Regel lautet: Viele verschiedene Abschlagtechniken, viele Menschen - wenige unterschiedliche Muster, eine kleine Menschengruppe.
Damit sollte man vorsichtig sein, schreiben Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem im Fachmagazin Journal of Human Evolution. Sie haben Hinweise darauf gefunden, dass es schon vor 800.000 Jahren Arbeitsteilung und Experten gab, die sich darauf spezialisiert hatten, Steinwerkzeuge herzustellen.

Faustkeile mit identischer Handschrift

Gadi Herzlinger und Naama Goren-Inbar von der Hebräische Universität Jerusalem haben Faustkeile aus der israelischen Höhle Gesher Benot Ya'aqov untersucht. Die Steinartefakte sind etwa 800.000 Jahre alt und wurden der Kulturstufe des Acheuleen zugeordnet, stammen also höchstwahrscheinlich vom Urmenschen Homo erectus.
Herzlinger und Goren-Inbar haben sich Steinwerkzeuge aus unterschiedlich alten Fundhorizonten angeschaut und nach individuell unterscheidbaren Arbeitstechniken gesucht. Um Vergleichsmaterial zu haben, ließen sie einen Experimental-Archäologen, der sich auf die Herstellung von Faustkeilen spezialisiert hat, mehrere vergleichbare Faustkeile herstellen.
Dabei fiel den Forschern auf, dass viele der in der Höhle entdeckten Werkzeug-Artefakte nahezu identische Schlagmuster aufweisen - was ihrer Meinung nach darauf hindeutet, dass es schon vor 800.000 Jahren Spezialisten gab, die Werkzeuge für die gesamte Gruppe hergestellt haben.

Gab es schon beim Homo erectus Arbeitsteilung?

Bislang ging man davon aus, dass alle Steinzeit-Menschen ihre Werkzeuge selbst produziert haben. Jeder konnte alles und hinterließ dabei seine typische Handschrift. Doch die Funde aus der Höhle im nördlichen Jordantal deuten darauf hin, dass dem nicht so war. Es gab bereits Experten, die sich auf die Herstellung von Faustkeilen spezialisiert hatten.
Die israelischen Forscher glauben, dass die Anzahl unterschiedlicher "Handschriften" bei der Werkzeugherstellung nur bedingt Rückschlüsse darauf zulässt, wie große eine Menschengruppe war. Identische Muster könnten auch ein Beleg dafür sein, dass es bereits Spezialisten gab, die die gesamte Population mit Steinwerkzeugen versorgt haben.

Viel mehr Individuen als gedacht

Sollte das stimmen, dann praktizierte schon der Urmenschen Homo erectus so etwas wie Arbeitsteilung. Und Arbeitsteilung findet man normalerweise nur in großen Menschengruppen.
Bisherige Schätzungen gehen davon aus, dass alle archaischen Menschenformen in relativ kleinen Sippen mit 20 bis 30 Individuen lebten. Selbst beim frühen Homo sapiens sollen es maximal nur 100 Menschen gewesen sein. Doch Gadi Herzlinger und Naama Goren-Inbar glauben, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist - nämlich die Anzahl der spezialisierten Handwerker.
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Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet.
Mark Twain

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