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Schon prähistorische Perlentaucher litten unter Surfer Ohren

Schon prähistorische Perlentaucher litten unter Surfer Ohren
Nicole Smith-Guzman auf der Suche nach prähistorischen Surfer Ohren. Sie hat 125 Schädel untersucht und 8 Surfer Ohren gefunden. Wahrscheinlich stammen sie von Perlentauchern.
Foto: © Sean Mattson, STRI
INS OHR GEBLICKT Nicole Smith-Guzman vom Smithsonian Tropical Research Institute ist bei der Untersuchung prähistorischer menschlicher Fossilien aus Panama auf mehrere Surfer Ohren gestoßen. Sie vermutet, dass es sich bei den Besitzern dieser ungewöhnlichen Ohren um frühe Perlen- und Muscheltaucher handelte.
Surfer Ohren sind Knochenveränderungen im Gehörgang, die man heute vor allem bei Surfern, Kajakfahrern und Jet Ski Piloten findet. Der medizinische Fachbegriff lautet Gehörgangsexostose. Die Knochen im Ohr beginnen zu wachsen und verkleinern die Ohröffnung - wahrscheinlich um das Innenohr vor kaltem Wasser und starkem Wind zu schützen.

Acht menschliche Schädel mit Surfer Ohren

"Knochen sind ein dynamisches Gewebe, das auf äußere Reize reagiert. Änderungen in der Knochenstruktur geben Aufschluss darüber, wo und wie eine Person gelebt hat", sagte Nicole Smith-Guzman. "Als ich 125 Schädel aus neun Begräbnisstätten in Panama untersucht habe, fand ich sieben Fälle von Surfer Ohren bei Männern und einen bei einem weiblichen Schädel. Und alle Fossilien hat man in der Nähe des Golfs von Panama gefunden."
Die Bio-Archäologin vermutet, dass die Surfer Ohren von Menschen stammen, die regelmäßig im kalten Wasser des Golfs von Panama getaucht sind - wahrscheinlich um nach Perlen und Muschelschalen zu suchen, die für Schmuck verwendet wurden oder als Grabbeigaben dienten.

Von Kindheit an aufs Tauchen trainiert

Dass die Prä-Kolumbianer mit Booten vor ihren Küsten gefischt haben, weiß man schon seit längerem. Allerdings glaubt Nicole Smith-Guzman nicht, dass die Surfer Ohren dadurch entstanden sind. Denn wenn dem so wäre, dann müssten viel mehr Menschen dieses seltsame Knochenwachstum aufweisen.
"Wir glauben, dass es wahrscheinlicher ist, dass das Tauchen in den kalten Gewässern des Golfs diese Fälle von Surfer Ohren verursacht hat", sagt die Forscherin.
Das belegen auch alte Dokumente der spanischen Eroberer, die Nicole Smith-Guzman aufgestöbert hat. Sie berichten von Menschen im heutigen Panama, die von Kindheit an darauf trainiert wurden, in vier Faden Tiefe (ungefähr 7,5 Meter) zu tauchen, um nach großen Perlen-Austern zu suchen."

Rätselhafte Knochenbildung im Ohr

Warum es Surfer Ohren gibt, ist noch nicht abschließend erforscht. Man vermutet, dass es sich um eine Stress-Reaktion der Ohrknochen handelt. Sie beginnen zu wachsen, wenn sie regelmäßig mit kaltem Wasser oder starkem Wind in Berührung kommen. Dadurch verengen sie den Gehörgang um bis zu 50 Prozent - wahrscheinlich um Entzündungen zu vermeiden.
Laut Smith-Guzman ist die Gehörgangsexostose mit einem Überbein vergleichbar, das an Händen oder Füßen entstehen kann, wenn es zu einer Überbeanspruchung kommt. Der Knochen bildet eine zusätzliche Schicht, um sich zu schützen.
Dass die Muschel- und Perlentaucher im prähistorischen Panama unter Surfer Ohren litten, liegt wahrscheinlich an den Besonderheiten des Golfs von Panama, sagt Nicole Smith-Guzman. Starke Passatwinde treiben im Frühjahr das warme Oberflächenwasser in den Pazifik, wodurch sehr kaltes Wasser aufsteigt. Und das hat den Ohren der frühen Perlentaucher offenbar schwer zu schaffen gemacht.
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Wir sind, um es einmal so zu formulieren, eigentlich nur die Neandertaler von morgen.
Hoimar von Ditfurth

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