Startseite Antropus
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton

Starb der Homo floresiensis aus, weil er keine Wälder mochte?

Starb der Homo floresiensis aus, weil er keine Wälder mochte?
Forscher haben den sich wandelnden Lebenraum von Homo floresiensis anhand von Rattenfossilien rekonstruiert. Fiel der Zwergmensch von Flores einem Klimawandel zum Opfer?
Rekonstruktion: Peter Schouten
AUSKUNFTSFREUDIGE RATTEN In der Liang Bua Höhle auf der indonesischen Insel Flores hat man nicht nur Überreste des Zwergmenschen Homo floresiensis gefunden, sondern auch tausende Fossilien von Ratten. Und die geben nun Aufschluss darüber, in welchem Lebensraum sich die geheimnisvollen "Hobbits" vorzugsweise aufgehalten haben.
Ratten gibt es überall auf der Welt. Doch wie bei allen Lebenwesen auf der Erde haben sich die verschiedenen Arten unterschiedlichen Habitaten angepasst. Die Kommodo-Ratte zum Beispiel findet man nur im offenen Grasland. Die Hainald's Ratte und die Riesenratte dagegen bevorzugen dichte Waldgebiete.

Graslandschaft weicht dichtem Dschungel

Elizabeth Grace Veatch von der Emory Universität hat sich dieses Ratten-Wissen zunutze gemacht, um den Lebensraum zu bestimmen, in dem die kleinen Floresmenschen in der Zeit vor 100.000 bis 60.000 Jahren gelebt haben. Veatch und ihre Kollegen haben dazu 10.000 Rattenknochen analysiert, konnten sie fünf verschiedenen Arten zugeordnen und haben das Alter der Fossilien bestimmt.
Die Forscher kommen im Journal of Human Evolution zu dem Ergebnis, dass die Region rund um die Liang Bua Höhle, in der man im Jahr 2003 die ersten Fossilien von Homo floresiensis ausgegraben hat, vor 100.000 Jahren eine offene Graslandschaft gewesen sein muss. Doch danach nahm der Baumbestand ständig zu und vor 60.000 Jahren gab es dort ein geschlossenes Waldgebiet. Der Lebensraum der Hobbits hatte sich grundlegend verändert.

Der Homo floresiensis folgte seinen Beutetieren

Der ökologische Befund deckt sich mit dem Fossilbestand auf der Insel Flores, argumentieren die Forscher. Vor 60.000 Jahren verschwanden nämlich nicht nur die geheimnisvollen Zwergmenschen, sondern auch alle Zwergelefanten, Riesenstörche, Geier und Komodo-Warane. Der dichte Dschungel war offenbar kein Lebensraum, mit dem sie gut klar kamen.
Studienleiterin Elizabeth Grace Veatch: "Unsere Beweise deuten darauf hin, dass der Homo floresiensis offene Lebensräume bevorzugte, wo er mit all diesen Tieren lebte, die auch seine Nahrungsgrundlage bildeten. Als sich dieser Lebensraum veränderte und immer bewaldeteter wurde, folgte der Homo floresiensis seinen Beutetieren, um sie in offeneren Graslandschaften aufzuspüren."

Fiel der Hobbit einem Klimawandel zum Opfer?

Der Homo floresiensis (auch Floresmensch oder Hobbit genannt) gehört zu den geheimnisvollsten Menschenarten, die man bislang entdeckt hat. Diese Menschen wurden nur einen Meter groß, hatten winzige Gehirne und waren weder Homo erectus noch Homo sapiens. Man betrachtet sie heute als eigenständige Evolutionslinie, die sich abseits der anderen Menschenarten entwickelt hat.
Wer die Vorfahren des Homo floresiensis waren und wie sie auf die Insel Flores gelangt sind, ist ebenso rätselhaft wie ihr Verschwinden vor 60.000 Jahren. Einige Forscher glauben, dass sie einem Vulkanausbruch zum Opfer fielen. Andere vermuten, dass sie vom Homo sapiens ausgerottet wurden, der damals in der Region auftauchte.
Die neue Studie deutet in eine andere Richtung. Der Homo floresiensis könnte - wie schon so viele Menschenarten vor ihm - an einem Klimawandel zugrunde gegangen sein. Als sich der Lebensraum dieser ungewöhnlichen Zwergmenschen veränderte, waren sie offenbar nicht in der Lage, sich diesem ökologischen Wandel anzupassen.
Ernährung und Gebiss haben die Sprache des Menschen verändert
Die Fußknochen verraten, wie groß und schwer dieser Neandertaler war
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
PALÄO UPDATE
Was wir ganz dringend brauchen, sind Fossilien von Affe X

EVOLUTION & MEINUNG

Es besteht eine konstante Tendenz allen beseelten Lebens, sich so weit zu vermehren, dass die verfügbare Nahrung nicht ausreicht.
Charles Darwin

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Zwei Urmenschen. Doch wer war der Vorfahre des Neandertalers?
PALÄO NEWS
Schlachtung oder Raubtierbiss? Computer soll Fossilien analysieren
Litt Charles Darwin schon in jungen Jahren unter einer Zecken-Borreliose?
Hybriden: (Un)Heimliche Begegnung mit einer vierten Menschenart
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »