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Die Jäger der Eiszeit haben Mammuts mit ihren Wurfspeeren erlegt

Die Jäger der Eiszeit haben Mammuts mit ihren Wurfspeeren erlegt
Eine Mammut-Rippe aus Polen, in der noch eine Speerspitze aus Feuerstein (kl. Bild) steckte. Es ist der erste Fund dieser Art in Europa, sagt Dr. Piotr Wojtal.
Fotos: © Dr. Piotr Wojtal
ARTEFAKT IM FOSSIL Archäologen des "Institute of Systematics and Evolution of Animals" an der Polnischen Akademie der Wissenschaften haben in der Nähe von Krakau einen Mammutknochen gefunden, in dem noch der zerbrochene Rest einer Speerspitze aus Feuerstein steckte.
Der Fund ist 25.000 Jahre alt und der erste direkte Beleg dafür, wie frühe moderne Menschen in Europa Mammuts gejagt haben, sagen Dr. Piotr Wojtal und Dr. Jaroslaw Wilczynski. Vergleichbare Funde gibt es bislang nur aus Sibirien.

Koordinierte Jagd mehrerer Eiszeit-Jäger

Das im Knochen erhaltene Klingenfragment ist nur 7 Millimeter lang. Es handelt sich nach Ansicht der Forscher um ein Bruchstück einer größeren Speerspitze, die beim Aufprall auf den Knochen zerbrochen ist.
"Der Speer wurde mit Sicherheit aus der Ferne und mit enormer Kraft auf das Mammut geworfen", sagt Dr. Piotr Wojtal im polnischen Fachmagazin Science in Poland. "Die Spitze aus Feuerstein musste eine zwei Zentimeter dicke Haut und eine acht Zentimeter dicke Fettschicht durchbohren, um den Knochen zu erreichen."
Der Speer, der die Rippe traf, war nicht tödlich, so die Forscher. Aber sie vermuten, dass es sich um einen koordinierten Angriff mehrerer Jäger handelte. Und ein anderer Speer muss das Mammut getötet haben, denn der Knochen ist nicht mehr verheilt.

Kontroverse Diskussion um Jagdmethoden

Laut Dr. Wojtal sind solche Funde aus der Altsteinzeit sehr selten. Überreste von steinernen Speerspitzen, die noch in den Knochen von Beutetieren steckten, hat man in Europa bislang nur bei Höhlenbären gefunden. Und es gibt nur zwei Belege aus Sibirien, dass die Steinzeitjäger Speere benutzt haben, um Mammuts zu erlegen.
Dr. Wojtal weist darauf hin, dass die Experten schon seit geraumer Zeit kontrovers darüber diskutieren, wie die frühen Europäer Mammuts gejagt haben. Einige Forscher glauben, dass die damaligen Speere nicht ausreichten, um die Kolosse der Eiszeit zur Strecke zu bringen. Sie vermuten, dass Fallgruben benutzt wurden oder dass es Treibjagden gab, bis die Mammuts in Panik in eine Schlucht stürzten.
"Nun haben wir endlich einen direkten Beweis dafür, wie man diese Tiere gejagt hat", sagt Dr. Wojtal.

Zuerst wurde der spektakuläre Fund übersehen

Die Mammut-Rippe wurde bereits im Jahr 2002 ausgegraben, so die Forscher. Allerdings fiel damals niemandem auf, dass in dem Knochen ein Stück Speerspitze steckte. Die Verletzung war sehr klein und man hatte in der archäologischen Fundstätte bei Krakau Fossilien von insgesamt 110 Mammuts gefunden.
Erst als sich das Forscherteam im Jahr 2018 zehntausende Knochen ein zweites Mal vornahm und archäozoologisch analysierte, fiel ihnen das kleine Stück Feuerstein auf, das in der Mammut-Rippe steckte.
Ob die Diskussion, wie die ersten Europäer der Menschart Homo sapiens Mammuts gejagt haben, damit beendet ist, muss man abwarten. Schließlich könnten sowohl die Jagd mit dem Wurfspeer als auch die Treibjagd zum Repertoir der eiszeitlichen Jäger gehört haben. Das eine schließt das andere ja nicht aus.
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Christian Morgenstern

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