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Der Paranthropus robustus hatte genetisch schlechte Zähne

Der Paranthropus robustus hatte genetisch schlechte Zähne
Der Paranthropus war kein direkter Vorfahre des Menschen, aber definitiv ein aufrecht gehener Hominide, der in unseren Stammbaum gehört. Und er hatte extrem schlechte Zähne.
Foto: © Nachosan, CC BY-SA 3.0 Lizenz
GENETISCH KRANKE ZÄHNE Wie gut, dass sich (höchstwahrscheinlich) ein Australopithecus zum Menschen weiterentwickelt hat und nicht sein gorillaähnlicher Vetter Paranthropus. Denn dann hätten unsere Zahnärzte heute noch viel mehr Arbeit, als sie ohnehin schon haben.
Forscher der John Moores Universität in Liverpool haben festgestellt, dass auffällig viele Vertreter von Paranthropus robustus, der vor 1,8 bis 1,2 Millionen Jahren in Südafrika lebte, extrem schlechte Zähne hatten. Und als Ursache haben sie einen heute seltenen Gen-Defekt ausgemacht.

Ein Nebenmensch mit kranken Zähnen

Der Paranthropus war ein aufrecht gehender Hominide, dessen Linie sich vor etwa 2,8 Millionen Jahren vom Australopithecus abgespalten hat. Es gab drei Arten - P. aethiopicus, P. boisei und P. robustus. Und alle drei Arten waren reine Pflanzenfresser, die in einer ökologischen Nische lebten, die offenbar weder Homo erectus noch Homo habilis noch der Australopithecus für sich beanspruchten.
Der Paranthropus war kein Vorfahre des Menschen, allenfalls ein Vetter. Deshalb bezeichnet man ihn auch als "Nebenmenschen". Und bislang ging man davon aus, dass der Paranthropus als reiner Pflanzenfresser nicht nur ein enorm kräftiges Gebiss besaß, sondern auch massive, widerstandsfähige Zähne. Doch die Sache hat einen Haken.

Zähne, die wie Golfbälle aussehen

Ian Towle und Joel Irish von der John Moores University in Liverpool haben bei der Analyse von Paranthropus robustus-Zähnen aus Südafrika eine überraschende Entdeckung gemacht. Sie stießen bei ihren makroskopischen Untersuchungen auf auffällig viele Zähne, die wie Golfbälle aussahen. Sie waren mit unzähligen kleinen Dellen übersäht. Und diese Dellen sind typisch für einen seltenen Gen-Defekt, den man auch beim heutigen Menschen findet - die Zahnschmelzhypoplasie.
Es handelt sich um eine erbliche Gen-Mutation, die den Zahnschmelz aufweicht und empfänglich für alle möglichen Zahnkrankheiten macht. Karies hat leichtes Spiel und die betroffenen Zähne sind außergewöhnlich temperaturempfindlich.

Erstaunlich weitverbreiteter Gen-Defekt

Bei ihren Untersuchungen stellten Towle und Irish fest, dass 47 Prozent aller Milchzähne und 14 Prozent aller Erwachsenenzähne von Paranthropus robustus betroffen waren. Bei anderen Hominiden, die damals in Südafrika lebten (z.B. Australopithecus africanus und Australopithecus sediba), lag die Quote nur bei 6,7 bzw. 4,3 Prozent.
In ihrer Studie, die im Fachmagazin Journal of Human Evolution veröffentlicht wurde, kommen die britischen Forscher zu dem Ergebnis, dass viele Paranthropen unter dieser Erbkrankheit litten und wahrscheinlich enorme Zahnprobleme hatten. Dass Zähne verrotteten und abbrachen, war keine Seltenheit.
Da kann man sich nur wiederholen: Wie gut, dass wir vom Australopithecus abstammen und nicht vom Paranthropus. Denn an diesem Erbe hätten wir schwer zu beißen. Zum Vergleich: Beim heutigen Menschen ist die Zahnschmelzhypoplasie (auch Amelogenesis imperfecta) ziemlich selten. Nur 1 von 1000 Menschen leidet weltweit unter diesem Gen-Defekt.
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