Startseite Antropus
Menschen. Urmenschen. Hominiden
Forscher. Fossilien. Artefakte
Menübutton
PALÄO NEWS
Schlachtung oder Raubtierbiss? Computer soll Fossilien analysieren
Symbolbild

Schlachtung oder Raubtierbiss? Computer soll Fossilien analysieren

Viele Tierfossilien weisen Kerben, Bruchspuren und Splitterstellen auf. Doch es ist unheimlich schwer zu bestimmen, ob diese Beschädigungen von Raubtieren stammen oder von Menschen hinterlassen wurden, die diese Tiere geschlachtet haben. Spanische Forscher wollen dieses Problem nun gelöst haben.
Im Jahr 2010 sorgten die Paläoanthropologen Shannon McPherron und Zeresenay Alemseged für viel Wirbel, als sie behaupteten, schon der Vormensch Australopithecus afarensis habe Fleisch gegessen. Als Beweis dienten ihnen zwei 3,4 Millionen Jahre alte Tierknochen aus Äthiopien, die mit Steinwerkzeugen zerlegt worden sein sollen.
Ebenfalls dicke Schlagzeilen bekamen Thomas Demere und Richard Fullagar, die im Jahr 2017 der Fachwelt einen Mastodon-Knochen präsentierten, den sie in der Nähe von San Diego gefunden hatten. Weil der Knochen "Schlachtspuren" aufwies, kamen sie zu dem Ergebnis, dass es schon vor 130.000 Jahren in Amerika Menschen gegeben haben muss.

Schlachtung, Raubtier oder Huftritt?

Die Presse feierte die beiden Funde als Sensation. Doch sofort meldeten sich Kollegen der Forscher zu Wort, die anzweifelten, dass es sich wirklich um "Cutting Marks" einer Schlachtung handelt, sondern wohl eher um Bissspuren von Raubtieren.
Tim White von der Universität Berkeley wies zum Beispiel darauf hin, dass es praktisch unmöglich ist, Krokodilsbisse von Werkzeuggebrauch zu unterscheiden. Andere Forscher glauben, dass die vermeintlichen Schlachtspuren von Hyänen, Löwen oder anderen Raubtieren stammen, die ihre messerscharfen Zähne in die Beute geschlagen haben.
Eine weitere mögliche Erklärung für solche beschädigten Knochen ist Huftritt. Das heißt, das Fossil lag schon lange in der Erde, ist durch Erdbewegungen wieder an die Oberfläche gelangt und wurde von Huftieren zertrampelt - was ähnliche Schäden hinterlässt.

Künstliche Intelligenz soll entscheiden

Obwohl sich die technischen Möglichkeiten der Archäologen und Paläoanthropologen in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, ist es nach wie vor schwierig, Werkzeuggebrauch und Raubtierbisse voneinander zu unterscheiden. Doch Forscher des spanischen Forschungszentrums CENIEH (Centro Nacional de Investigacion sobre la Evolucion Humana) wollen das Problem nun gelöst haben - mit künstlicher Intelligenz.
Abel Moclan und sein Team haben ein Computerprogramm entwickelt, das mittels selbstlernender künstlicher Intelligenz in der Lage ist, Bissspuren zuverlässig von Schlachtspuren zu unterscheiden. Die Forscher haben den Algorithmus mit allen bekannten Fällen solcher Fossilien gefüttert und dann eigenständig Kritierien entwickeln lassen, die Auskunft darüber geben, ob es sich um Menschenwerk handelt oder um das Mittagessen einer Meute Hyänen.

Trefferquote liegt bei über 95 Prozent

Die spanischen Forscher sind sehr zufrieden mit ihrem Computer-Helferlein. "Die Trefferquote liegt bei über 95 Prozent", sagt Abel Moclan. Das haben Tests ergeben.
Doch es bleiben Fragen. Zum Beispiel die, ob die Fossilien, mit deren Daten man den Computer gefüttert hat, zuvor korrekt analysiert wurden. Schon wenige Fehleinschätzungen können die Ergebnisse verfälschen. Außerdem bleibt eine Fehlerquote von 5 Prozent. Man kann sich also nie ganz sicher sein.
Dennoch sind die spanischen Forscher überzeugt, einen neues nützliches Instrument entwickelt zu haben, mit dem sich Schnitt- und Zahnmarken zuverlässig voneinander trennen lassen.
Abel Moclan: "Die Zukunft der Taphonomie (Fossilisationslehre) erfordert immer leistungsfähigere statistische Werkzeuge. Und die setzen wir hier ein."
Soziale Kommunikation hat den Schädel des Homo sapiens verändert
Stammen diese Zähne aus China von einem Denisova-Menschen?
Button Über Charles Darwin und die Evolutionstheorie
Button Wie funktioniert eigentlich Evolution?
Button Fossilien sind seltener als Diamanten
Button Menschen und Hominiden nach Gattung und Art
PALÄO UPDATE
Frühes Massacker in Kenia. Wer Vorräte anlegte, lebte gefährlich

EVOLUTION & MEINUNG

Die meisten Arten zeigen keine gerichteten Veränderungen während ihrer Existenz auf Erden. Von ihrer Erscheinungsform im Fossilbericht her sehen sie fast genauso aus wie zum Zeitpunkt ihres Verschwindens.
Stephen Jay Gould

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren

Früh übt sich, was ein richtiger Neandertaler werden will
PALÄO NEWS
BIOMEX-Experiment: Stammt alles Leben auf der Erde vom Mars?
Der asiatische Homo erectus bleibt eine rätselhafte Menschenart
Wann knacken die Genetiker endlich den Paläo-Jackpot der DNA?
Übersicht: Alle neuen Beiträge in chronologischer Reihenfolge »