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Die Landwirtschaft ist aus dem Überfluss heraus entstanden

Die Landwirtschaft ist aus dem Überfluss heraus entstanden
Kopf einer Steinaxt, mit der die ersten Bauern ihre Felder bearbeitet haben. Warum sie damit anfingen, Landwirtschaft zu betreiben, ist unklar und umstritten.
Foto: © John Eisele, Colorado State University
GELANGWEILTE INNOVATION Vor ungefähr 10.000 Jahren gaben die ersten Menschen ihr traditionelles Leben als Jäger und Sammler auf. Sie wurden Bauern. Allerdings geschah das völlig unabhängig voneinander in mehreren Regionen dieser Welt - im Vorderen Orient, in Zentralafrika, in Mittelamerika, in China, in Neuguinea ...
Glaubt man Forschern der Colorado State University, der Universität St. Louis und des Max Planck Instituts für Menschheitsgeschichte, dann gab es zwölf solcher landwirtschaftlichen Ursprungszentren. Und die Forscher haben eine neue Theorie entwickelt, warum die Menschen damals völlig unabhängig voneinander damit anfingen, Ackerbau zu betreiben.

Die Landwirtschaft ist nicht aus der Not heraus entstanden

Lange dachte man, dass die Erfindung der Landwirtschaft eine "Notgeburt" war. Das Klima verschlecherte sich, es gab nur noch wenig Nahrung, die Menschen hungerten. Also fingen sie an, selbst Nahrung zu erzeugen. Sie legten die ersten Felder an und pflanzten Getreide.
Falsch, sagt das Forscherteam unter der Leitung von Michael Gavin und Bruno Vilela. Die Experten haben die Klimadaten und die Bevölkerungsentwicklung aller zwölf landwirtschaftlichen Hotspots in den letzten 21.000 Jahren analysiert und sind dabei auf ein einheitliches Muster gestoßen.
Als die Landwirtschaft entstand, herrschte in allen zwölf Ursprungszentren ein angenehmes und fruchtbares Klima, sagen die Forscher. Es gab Pflanzen und Tiere im Überfluss. Niemand musste hungern. Jäger und Sammler konnten ein angenehmes und sorgenfreies Leben führen. Die Theorie, dass die Erfindung der Landwirtschaft aus der Not heraus geboren wurde, lässt sich nicht halten.

Überfluss und Freizeit führten zu neuen Ideen

Aber warum haben die Menschen an so vielen Orten auf der Welt beinahe gleichzeitig ihr Jäger und Sammler-Leben aufgegeben, um Bauern zu werden? Dafür muss es doch einen Grund geben.
Den gab es auch, sagen Gavin und Vilela. Es war der Überfluss. Weil Nahrung in Hülle und Fülle zur Verfügung stand, mussten die Jäger und Sammler in diesen Regionen nicht mehr den ganzen Tag damit verbringen, Wild aufzustöbern und Früchte zu suchen. Sie hatten Zeit für Müßiggang. Außerdem nahm die Bevölkerungdichte stark zu. Und wo viele Menschen zusammenhocken und viel Zeit haben, da entwickeln sich neue Ideen.

Statististische Korrelation muss noch bewiesen werden

"Wir haben überall das gleiche Muster gefunden", schreiben die Forscher im Fachmagazin Nature Human Behaviour. "In allen Regionen, in denen sich damals die Landwirtschaft entwickelte, gab es eine deutliche Verbesserung der Umweltbedingungen und eine starke Zunahme der Bevölkerungsdichte."
Die Forscher glauben, dass die Verbesserung der Umweltbedingungen den Menschen möglicherweise den Luxus verschafft hat, neue Ideen zu entwickeln. Und wenn viele Menschen an einem Ort leben, können neue Gedanken geteilt und verfeinert werden, "woraufhin ein Innovationsschub folgt".
Bislang ist der Zusammenhang zwischen fruchtbarem Klima und starker Bevölkerungszunahme auf der einen Seite und der Entstehung der Landwirtschaft auf der anderen Seite nur eine statistische Korrelation. Ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang besteht, wie die Forscher glauben, muss erst noch bewiesen werden. Aber die neue Theorie klingt durchaus interessant und vielverprechend.
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Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat.
Winston Churchill

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