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Der Sediba war ein junger Hominide, der überraschend alt aussah

Der Sediba war ein junger Hominide, der überraschend alt aussah
Der Australopithecus sediba war für seine Zeit ein erstaunlich primitiver Hominide. Ein Beleg dafür, wie unterschiedlich sich die frühen Vorfahren des Menschen entwickelt haben.
Grafik: © S. Broadley, A. Zhang, J. DeSilva
Happy Birthday, Australopithecus sediba! Zehn Jahre nach der Entdeckung der Malapa-Hominiden in einer südafrikanischen Höhle sind in einer Spezialausgabe des Fachjournals PaleoAnthropology mehrere neue Studien über den ungewöhnlichen Vorfahren des Menschen erschienen.
Nachdem die Daten und das Rohmaterial des Fossilfundes von der Universität Witwatersrand zur allgemeinen Erforschung freigegeben wurden, haben sich mehrere Wissenschaftler noch einmal mit den Überresten dieses seltsamen Hominiden beschäftigt, der für sein relativ junges Alter von etwa 2,0 Millionen Jahren überraschend viele "primitive" Merkmale aufweist.

Ein Mix aus alter und moderner Anatomie

"Die Anatomie, die wir bei Australopithecus sediba sehen, zwingt uns, den Weg, auf dem sich der Mensch entwickelt hat, noch einmal neu zu bewerten", sagt Professor Jeremy DeSilva vom Dartmouth College, einer der Mitherausgeber der neuen Studien. "Bislang dachte man, dass eine fossile Spezies, die eine Million Jahre nach der berühmten Lucy gelebt hat, deutlich menschenähnlicher aussehen müsste. Aber hier ist das nicht der Fall."
Für einige Anatomien des Australopithecus sediba, wie das Knie, trifft dies zu, sagt DeSilva, aber für andere, wie die Füße, trifft dies nicht zu. Seiner Meinung nach ist der Australopithecus sediba ein anschauliches Beispiel dafür, wie unterschiedlich sich die verschiedenen Zweige der frühen menschlichen Evolution entwickelt haben.
Während in Südafrika schon der deutlich modernere Australopithecus africanus und sogar Frühformen des Menschen wie Homo habilis herumliefen, existierten weiterhin ursprüngliche Hominiden, die sich Merkmale mit der berühmten Lucy (Australopithecus afarensis) teilten, die eine Million Jahre früher gelebt hat.

Alle Fossilien stammen von einer Art

Eine weitere wichtige Erkenntnis der neuen Studien lautet: Alle Fossilien, die Lee Berger und sein Team in der Malapa-Höhle gefunden haben, stammen tatsächlich von einer einzigen Spezies. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, die fossilen Knochen könnten angesichts so vieler unterschiedlicher Merkmale von mehreren Arten stammen.
"Die Unterschiede bei den Wirbelsäulen können einfach auf ihre Altersunterschiede zurückgeführt werden", sagt Scott A. Williams von der Universität New York. "Die Wirbel der jungen Hominiden waren noch nicht vollständig entwickelt, während das Wachstum bei den Erwachsenen abgeschlossen war."
Außerdem hat man festgestellt, dass der Australopithecus sediba zwar schon recht gut aufrecht gehen konnte, aber noch viel Zeit auf Bäumen verbracht hat. Ein weiteres Merkmal, das man normalerweise nur bei deutlich älteren Hominiden findet.

Mehrere unterschiedliche Evolutionslinien

Was sollten wir uns merken? Nun ja, der "Sediba" war ein später Australopithecus, der noch erstaunlich viele ursprüngliche Merkmale besaß, während sich zur gleichen Zeit bereits der Urmensch Homo erectus entwickelte. In Afrika liefen vor 2,0 Millionen Jahren sehr unterschiedliche Hominiden herum. Einige waren bereits menschenähnlich, andere standen noch ihren affigen Vorfahren nahe.
Professor Jeremy DeSilva: "Was wir hier sehen, sind parallele Entwicklungslinien, die zeigen, wie unterschiedlich sich die Hominiden entwickelt haben und wie komplex die Evolutionsgeschichte des Menschen war."
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