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Forscher sicher: Die Neandertaler waren Jäger und keine Fischer

Forscher sicher: Die Neandertaler waren Jäger und keine Fischer
Die Neandertaler haben sich fast ausschließlich von Großwild ernährt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Die Theorie vom Fisch-Esser scheint damit vom Tisch.
Symbolfoto
DER STEINZEIT-PREDATOR In den letzten Jahren sind mehrere Zahn- und Knochenanalysen veröffentlicht worden, die zu dem Ergebnis kamen, dass die Neandertaler nicht nur Fleisch gegessen, sondern sich zu einem Großteil von Pflanzen und Fisch ernährt haben. Doch das scheint nicht zu stimmen.
Ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Max Planck Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat die Zähne von zwei späten Neandertalern aus Frankreich analysiert und dabei festgestellt, dass die Stickstoff-Isotope im Knochen- und Zahnkollagen zwar auf den ersten Blick auf eine fischreiche Ernährung hindeuten, doch als sich die Forscher die Isotopenwerte einzelner Aminosäuren anschauten, ergab sich ein ganz anderes Bild.

Extrem einseitige Ernährung

Die Fossilien der untersuchten Neandertaler stammen aus Les Cottes und der Grotte du Renne in Frankreich. Doch obwohl die Stickstoff-Isotope in den Zähnen und Knochen dieser Neandertaler vermuten ließen, dass sie viel Fisch gegessen haben, hat man an keiner der beiden Ausgrabungsstätten archäologische Überreste von Fischen gefunden.
Um diesen Widerspruch zu klären, haben Studienleiterin Klervia Jaouen und ihre Kollegen die Isotopenwerte einzelner Aminosäuren analysiert. Und dabei stellten sie fest, dass die Isotope nicht von Fischen stammen, sondern von großen Pflanzenfressern.
Die Zusammensetzung der Isotope entspricht etwa der bei heutigen Top-Predatoren wie Wölfen, sagen die Forscher. Wie es aussieht, haben sich die Neandertaler fast ausschließlich von Fleisch ernährt. Und zwar vom Fleisch großer Pflanzenfresser. Es war eine sehr einseitige Ernährung, die sich auch nicht veränderte, als der Homo sapiens in Europa auftauchte.

Teilweise bizarre Interpretationen

"In jüngster Zeit gab es einige, man könnte fast sagen bizarre Interpretationen von Isotopendaten, denen zufolge Neandertaler sich hauptsächlich von Wasserpflanzen ernährt oder sich gegenseitig aufgegessen haben, was aber beides im direkten Widerspruch zu den archäologischen Belegen steht", sagt Michael P. Richards von der Simon Fraser Universität in Kanada. "Die neue Isotopenmessungen bestätigen aber frühere Interpretationen, denen zufolge Neandertaler sich hauptsächlich von großen Pflanzenfressern ernährten."
Jean-Jacques Hublin, Direktor der Abteilung für Humanevolution am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, ergänzt: "Diese Studie bestätigt, dass Homo sapiens, als er nach Europa kam und auf den Neandertaler traf, in direkter Konkurrenz zu diesem um die großen Säugetiere als Nahrungsquelle stand."

Übereinstimmende Forschungsergebnisse

Die neue Studie belegt einmal mehr, dass man chemische Analysen oder genetische Studien, die im krassen Widerspruch zum Fossilbestand oder zu den archäologischen Funden stehen, mit einer gesunden Portion Skepsis zur Kenntnis nehmen sollte.
Wie es aussieht, waren die Neandertaler keine Vegetarier oder Fischfreunde, sondern vor allem Liebhaber saftiger Steaks. Und die verschafften sie sich, indem sie große Pflanzenfresser wie Mammuts und Hirsche zur Strecke brachten und verspeisten. Das belegen die fossilen Überreste an vielen Neandertaler-Fundstellen - und jetzt auch die Isotopen-Analysen.
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EVOLUTION & MEINUNG

Die darwinistische Erklärung dafür, warum Lebewesen das, was sie tun, so gut können, ist sehr einfach. Sie sind gut durch die angehäufte Klugheit ihrer Vorfahren.
Richard Dawkins

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