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Forscher entdecken Gene einer afrikanischen Geisterspezies

Forscher entdecken Gene einer afrikanischen Geisterspezies
Die Vorfahren der heutigen Afrikaner haben sich mit einer bislang total unbekannten Geisterspezies vermischt, sagen spanische Genetiker.
Symbolbild
AFRIKANISCHE BETTGESCHICHTE Als der moderne Mensch Europa und Asien besiedelte, hat er sich mit den Neandertalern und den Denisovas vermischt. Das belegen Gen-Analysen. Die heutigen Afrikaner südlich der Sahara galten bislang als "sapiens pur". Doch das scheint nicht zu stimmen.
Ein spanisches Forscherteam unter der Leitung von Prof. David Comas von der Universität Pompeu Fabra in Barzelona hat im Fachmagazin Genome Biology eine neue Gen-Studie veröffentlicht, nach der sich die heutigen Afrikaner mit einer "total unbekannten archaischen Population" vermischt haben.

Mysteriöse Menschen ohne Fossilien

"Die Vorfahren einiger afrikanischer Völker haben sich mit dieser bislang unbekannten Menschenart vermischt. Und deren Gene findet man bis heute in ihrem Erbgut", sagt Professor David Comas.
Belen Lorente-Galdos, eine Mitautorin der Studie, erklärt: "Das Szenario, das wir kennen, nämlich dass sich in Afrika frühe Menschenformen komplex vermischt haben, ist nur die Spitze des Eisbergs."
Die spanischen Forscher vermuten, dass die Fremd-DNA, die sie bei einigen heutigen afrikanischen Völkern gefunden haben, von einer "ausgestorbenen archaischen Population" stammt, von der man bislang keine Fossilien gefunden hat.

Trennung vor etwa 600.000 Jahren

Was das für Menschen waren und wann diese Vermischung stattfand, ist nicht so ganz klar. Die spanischen Forscher vermuten, dass das in den letzten 70.000 Jahren geschah, denn die unbekannten Gene besitzen nur Afrikaner südlich der Sahara. Bei Nordafrikanern, Europäern und Asiaten ist sie nicht nachweisbar.
Das heißt, die Vermischung muss stattgefunden haben, nachdem bereits eine Teilpopulation des Homo sapiens Afrika verlassen und sich auf anderen Kontinenten ausgebreitet hatte. Und das begann vor etwa 70.000 Jahren.
Es gab also nicht nur den Homo sapiens, die Neandertaler und die Denisovas, sondern auch noch eine bislang unbekannte afrikanische Geisterspezies.
Die Forscher schätzen, dass sich die Linien des anatomisch modernen Menschen und der unbekannten Menschenart schon vor etwa 600.000 Jahren getrennt haben. Doch dann liefen sie sich wieder über den Weg und zeugten gemeinsamen Nachwuchs. Und der besaß fortan die Gene beider Menschenarten.

Mehrere Hinweise auf weitere Menschenarten

Die Idee, dass es in den letzten 100.000 Jahren in Afrika nicht nur den Homo sapiens gab, ist nicht ganz neu. In den letzten zehn Jahren sind Genforscher im Erbgut heutiger Afrikaner immer wieder auf DNA-Sequenzen gestoßen, die allem Anschein nach nicht vom Homo sapiens stammen, sondern durch Vermischung mit anderen Menschenformen ins Erbgut des anatomisch modernen Menschen eingeschleust worden sind.
Was ist aus diesen afrikanischen Geisterspezies geworden? Nun ja, wahrscheinlich sind sie den gleichen Weg gegangen wie der Neandertaler und die Denisovas. Sie sind ausgestorben. Letzte Überreste ihrer Existenz findet man heute nur noch im Erbgut einiger afrikanischer Völker.

Mehr Neandertaler-DNA als vermutet

Die spanischen Genetiker haben bei ihren computergestützten Analysen mehrere interessante "Beifunde" gemacht. So haben sie festgestellt, dass Menschen in Nordafrika Gene von Neandertalern und Denisovas besitzen. Das deutet darauf hin, dass sie sich regelmäßig mit Europäern vermischt haben.
Afrikaner südlich der Sahara besitzen diese "europäischen" Gene nicht. Dies lässt darauf schließen, dass die Sahara schon seit langer Zeit eine natürlich Barriere darstellt, die einen Genaustausch von Süd nach Nord und umgekehrt verhindert.
Last but not least kommen die spanischen Forscher zu dem Ergebnis, dass die heutigen Europäer wahrscheinlich mehr Neandertaler-DNA besitzen als bislang angenommen. Sie schätzen den Anteil auf knapp 4 Prozent.
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Es ist absurd und absolut unsinnig zu glauben, dass eine lebendige Zelle von selbst entsteht. Aber dennoch glaube ich es, denn ich kann es mir nicht anders vorstellen.
Ernest Kahane

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