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Eiszeit-Klima: Ähnliche Mutationen bei Neandertaler und Mammut

Eiszeit-Klima: Ähnliche Mutationen bei Neandertaler und Mammut
Sowohl die Neandertaler als auch das Mammut haben afrikanische Vorfahren. Doch als sie sich nach Europa ausbreiteten, mussten sie sich dem extremen Klima der Eiszeit anpassen.
Fotomontage: © Public Domain / Wikimedia, CC BY-SA 3.0 Lizenz
ANPASSUNG AN DIE KÄLTE Als sich die Neandertaler und das Wollhaarmammut an das kalte Klima der Eiszeit in Europa angepasst haben, kam es zu sehr ähnlichen genetischen Veränderungen im Erbgut beider Arten, sagen Forscher der Universität Tel Aviv. Es ist das erste Mal, dass man so etwas bei zwei nicht verwandten Spezies nachweisen konnte.
Die Neandertaler und das Wollhaarmammut haben beide afrikanische Wurzeln, schreiben die Forscher in ihrer Studie, die im Fachmagazin Human Biology erschienen ist. Das Mammut gelangte vor etwa 600.000 Jahren nach Europa, die Vorfahren der Neandertaler vor etwa 400.000 Jahren. Und beide mussten sich anatomisch anpassen, als das Klima deutlich abkühlte und die Eiszeit begann.

Mehr Körperfett und dichtere Behaarung

Prof. Ran Barkai and Meidad Kislev von der Universität Tel Aviv haben mehrere genetische Fallstudien über die Neandertaler und das Mammut verglichen und sich dabei vor allem auf Gene und Allele (Mutationen auf Chromosomen) konzentriert, die Einfluss auf die Klimaanpassung haben. Und dabei sind sie auf überraschende Parallelen gestoßen.
In mehreren DNA-Bereichen, die für die Speicherung von Körperfett, die Produktion von Keratin, die Steuerung von Proteinen und für die Beschaffenheit von Haut und Haaren zuständig sind, haben die israelischen Forscher bei Wollhaarmammut und Neandertaler sehr ähnliche Mutationen und neue Gen-Variationen gefunden, die nahezu identisch sind.

Erstaunliche genetische Parallelen

Meidad Kislev erklärt: "Unsere Untersuchungen zeigen eine Ähnlichkeit zwischen zahlreichen molekularen Varianten bei beiden Spezies, die zu epigenetischen Veränderungen führten, die alle etwas mit Kälteanpassung zu tun haben."
Oder anders formuliert: Die Neandertaler und die Wollhaarmammuts haben genetisch sehr ähnlich auf das neue ungewohnte Klima der Eiszeit reagiert. Im Gegensatz zu ihren afrikanischen Vorfahren waren sie in der Lage, mehr Körperfett zu speichern, um sich warm zu halten, und auch ihre Körperbehaarung sowie die Hornsubstanz veränderten sich.

Neuer interessanter Forschungsansatz

Prof. Ran Barkai and Meidad Kislev kommen zu dem Ergebnis, dass bei sehr unterschiedlichen Spezies offenbar die gleichen genetischen und epigenetischen Mechanismen (Steuerung der Gene) ablaufen, wenn sie sich einem neuen Klima anpassen. Es entstehen nahezu identische molekulare Varianten, die Einfluss auf die Anatomie haben und den Körperbau verändern.
Meidad Kislev: "Wir glauben, dass die Erforschung dieser Art von Verbindungen für die künftige evolutionäre Forschung sehr wertvoll sein kann. Sie sind vor allem interessant, wenn es um großhirnige Säugetiere mit langer Lebensdauer und komplexem Sozialverhalten geht, die in einem gemeinsamen Lebensraum mit frühen Menschen interagiert haben."
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