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Ernährung und Gebiss haben die Sprache des Menschen verändert

Ernährung und Gebiss haben die Sprache des Menschen verändert
Das "f" und das "v" sind relativ junge Laute, sagen Forscher. Der Mensch kann sie erst aussprechen, seit er weiche Nahrung kaut. Dadurch hat sich sein Gebiss verändert.
Symbolbild
ESSEN MACHEN SPRACHE Dass es heute so hübsch-hässliche Worte wie "Fuck" und "Verdammt" gibt, verdanken wir unserer Ernährung. Denn die Lippenlaute "f" und "v" - sogenannte Labiodentale - sind relativ jung. Sie sind erst entstanden, als der Mensch anfing, weichere Nahrung zu kauen, wodurch sich sein Gebiss veränderte.
Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam, das von Wissenschaftlern der Universität Zurich geleitet wurde. "Ernährungsbedingte Gebissveränderungen führten in verschiedenen Sprachen der Welt zu neuen Lauten wie dem f und dem v", sagen die Forscher.

Das F und das V sind erst sehr spät entstanden

Bislang nahm man an, dass sich das Lautspektrum der menschlichen Sprache vor 300.000 Jahren bildete, als der Homo sapiens entstand. Und seither soll sich unser Sprachbild nicht großartig verändert haben. Schon frühe moderne Menschen nutzten das "m" und das "a", wie wir es heute tun.
Falsch, sagen nun Forscher der Universität Zürich, zweier Max-Planck-Institute, der Universität Lyon und der Nanyang Technological University in Singapur, das gilt nicht für alle Laute. Die Wissenschaftler konnten in einer interdisziplinären Studie nachweisen, dass Laute wie "f" und "v", die heute in zahlreichen Sprachen vorkommen, erst vor relativ kurzer Zeit entstanden sind.

Neue Zahnstellung ermöglichte neue Laute

Frühe moderne Menschen konnten noch kein f und kein v aussprechen, sagen Projektleiter Balthasar Bickel und seine Kollegen. Und das lag an ihrem Gebiss. Weil sie sehr harte Nahrung kauten, verfügten sie über einen sogenannten Kopfbiss, bei dem die Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers Kante auf Kante stossen.
Das änderte sich erst, als der Homo sapiens anfing, weichere Nahrung zu essen. Ab diesem Zeitpunkt setzte sich eine neue Gebissform durch, bei der die oberen Schneidezähne leicht über die unteren hinausragen. Umgangssprachlich würde man das wohl als "Überbiss" bezeichnen.
Erst die neue Zahnstellung ermöglichte die Bildung neuer Laute wie f und v, bei denen die oberen Schneidezähne die Unterlippe berühren müssen, sagen die Forscher.

Wie hat Sprache früher geklungen?

"Unsere Resultate geben einen Einblick in die ursächlichen Zusammenhänge zwischen kulturellem Verhalten, menschlicher Biologie und Sprache", resümiert Projektleiter und UZH-Professor Balthasar Bickel. "Und sie lassen Zweifel daran aufkommen, dass sich Sprache heute immer noch gleich anhört wie in grauer Vorzeit."
Die Forscher wollen ihre Ergebnisse und Methoden nun nutzen, um weitere ungelöste Probleme der Sprachentwicklung zu lösen. "Zum Beispiel, wie Sprachen früher tönten und wie Cäsaer 'veni, vidi, vici' aussprach", schreiben sie in einer Pressemitteilung zu ihrer Studie.
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Richard Lewontin

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