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Soziale Kommunikation hat den Schädel des Homo sapiens verändert

Soziale Kommunikation hat den Schädel des Homo sapiens verändert
Anatomie-Professor Paul O'Higgins von der Universität York hat zusammen mit einem internationalen Expertenteam die Entwicklung des menschlichen Gesichts analysiert.
Foto: © University of York
MIMIK, MUSKELN UND KNOCHEN Das Gesicht des modernen Menschen unterscheidet sich deutlich von dem seiner evolutionären Vorfahren (Australopithecus, Homo erectus, Neandertaler) und von den Gesichtern der heutigen Menschenaffen. Im Verhältnis zur Gehirngröße haben wir sehr kurze Gesichter und die Überaugenwulst ist komplett verschwunden. Sie wurde durch bewegliche Augenbrauen ersetzt.
Es wurde bereits viel darüber diskutiert, warum der Homo sapiens ein solches Gesicht entwickelt hat. Doch ein Faktor wurde bislang total unterschätzt, sagen Prof. Paul O'Higgins von der Universität York und seine Kollegen - die soziale Kommunikation.

Anderes Gesicht durch nonverbale Kommunikation

Die meisten Forscher gehen bislang davon aus, dass das Gesicht des Homo sapiens vor allem von der Ernährung geprägt wurde. Gekochte Nahrung und der Verzehr von Getreide hat im Laufe der Jahrtausende das Gebiss verändert. Und die Form des Gebisses hat Einfluss auf die Schädelform.
Auch die Atmungsphysiologie spielte wahrscheinlich eine Rolle. Seit der moderne Mensch nicht mehr als Jäger seinen Beutetieren hinterherhetzt, hat sich sein Atmungsapparat verändert. Auch das hatte Einfluss auf den Gesichtsschädel.
Paul O'Higgins und seine Kollegen vermuten allerdings, dass Mimik und nonverbale Kommunikation ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt haben. Denn sie erlaubten es dem Homo sapiens, soziale Netzwerke zu bilden und anderen Menschenarten wie dem Neandertaler (zahlenmäßig) überlegen zu sein.

Andere Gesichtsform und andere Muskeln

"Wir wissen natürlich, dass Faktoren wie Ernährung, Atmung und auch das Klima zur Gestaltung des modernen menschlichen Gesichts beigetragen haben", sagt O'Higgins. "Aber wenn man seine Entwicklung nur im Hinblick auf diese Faktoren interpretiert, dann ist das zu simpel."
Die Forscher haben sich die Entwicklung des menschlichen Gesichts von den frühen afrikanischen Homininen bis zum Auftreten moderner menschlicher Anatomie noch einmal genau angeschaut. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass das heutige menschliche Gesicht auch von nonverbaler Kommunikation geprägt wurde.
"Wir können heute mit unseren Gesichtern durch Kontraktion und Entspannung 20 verschiedene Kategorien von Emotionen ausdrücken", erklärt Professor O'Higgins. "Bei unseren frühen Vorfahren waren die Gesichtsform und die Position der Muskeln ganz anders. Sie konnten das nicht."

Bewegliche Augenbrauen ersetzen den knöchernen Stirnkamm

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der modernen menschlichen Mimik spielte nach Ansicht der Forscher die glatte Stirn mit sichtbaren, behaarten Augenbrauen, die den knöchernen Stirnkamm (Überaugenwulst) ersetzt haben - ein Merkmal, das den Homo sapiens sogar von seinem nächsten Verwandten, dem Neandertaler, unterscheidet.
"Diese Veränderungen ermöglichten es uns, neben immer schlankeren Gesichtern, eine Vielzahl subtiler Emotionen auszudrücken - einschließlich Anerkennung und Sympathie", sagen O'Higgins und seine Kollegen.
Wahrscheinlich war es die Fähigkeit, nonverbal zu kommunizieren, die dem Homo sapiens dabei half, alle anderen Menschenarten zu überleben. Er war in der Lage, Kontakte zu anderen Homo sapiens-Gruppen aufzubauen, auch wenn er nicht deren Sprache sprach.

Anatomischer Umbau hat seine Grenzen

O'Higgins und sein Team gehen übrigens davon aus, dass der menschliche Gesichtsschädel weiter schrumpfen wird. Denn seit der Erfindung der Landwirtschaft und der damit verbundenen Nahrungsumstellung hat dieser Prozess noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen.
Allerdings gibt es natürliche Grenzen, so die Forscher. Um atmen zu können, braucht der Mensch eine ausreichend große Nasenhöhle. Und die wird dafür sorgen, dass die Verkleinerung unseres Gesichtsschädels nicht endlos fortschreitet.
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