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Der Homo sapiens hat auch das Riesenfaultier ausgerottet

Der Homo sapiens hat auch das Riesenfaultier ausgerottet
Fossilien von Riesenfaultieren aus Argentinien. Und mittendrin ein Werkzeug-Artefakt, das von menschlichen Jägern genutzt wurde, um die getöteten Tiere zu zerlegen.
Foto: © Gustavo Politis, Pablo Messineo
HUMAN OVERKILL Bislang dachte man, dass die Riesenfaultiere (Megatherium), die in der argentinischen Pamparegion lebten, das Massenaussterben der großen Säugetiere am Ende des Pleistozän überstanden haben. Sie sollen erst im Holozän verschwunden sein. Doch das scheint nicht zu stimmen.
Argentinische Paläontologen haben Megatherium-Fossilien der Fundstelle Campo Laborde mit neuester Technik datiert. Und die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich von den bisherigen Altersbestimmungen. Außerdem haben die Forscher Hinweise darauf gefunden, dass der moderne Mensch Homo sapiens die riesigen Pflanzenfresser ausgerottet hat.

Später überlebender der quartären Aussterbewelle

Das Megatherium americanum war ein riesiges am Boden lebendes Faultier, das bis zu sechs Meter lang und mehrere hundert Kilo schwer werden konnte. Ein gewaltiger Pflanzenfresser, der vor allem im heutigen Argentinien verbreitet war.
Bislang gingen die Paläontologen davon aus, dass das Riesenfaultier erst vor 8.000 Jahren, also im Holozän, ausgestorben ist. Damit wäre es der einzige große Pflanzenfresser Südamerikas, der die quartäre Aussterbewelle vor 11.000 Jahren überlebt hat.

Neue Datierung kommt zu einem anderen Ergebnis

Die Megatherium-Funde aus Campo Laborde wurden bislang auf ein Alter von 9.700 Jahren datiert. Damit fielen sie ins Holozän, in die Jetztzeit. Doch Gustavo G. Politis und seine Kollegen haben in einem Fossil Knochenkollagen gefunden, das eines präzisere Datierung erlaubt. Und die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die versteinerten Faultier-Knochen mindestens 10.600 Jahre alt sind.
Damit stammen die Fossilien aus Campo Laborde aus dem Spätpleistozän, also ungefähr aus der Zeit, als weltweit 80 Prozent aller großen Säugetiere ausstarben. Deshalb glauben die argentinischen Forscher, dass auch das südamerikanische Riesenfaultier ein Opfer der quartären Aussterbewelle geworden ist.

Der Mensch hat die Riesenfaultiere ausgerottet

Bislang wird kontrovers darüber diskutiert, warum am Ende des Pleistozän so viele große Säugetiere ausgestorben sind. Damals verschwanden alle Riesensäuger mit einem Gewicht über 1000 Kilogramm und 80 Prozent aller Arten mit 100 bis 1000 Kilogramm Körpergewicht.
Einige Forscher vermuten, dass es zu einer dramatischen Klimaveränderung kam. Andere tippen auf einen Asteroiden-Einschlag. Doch die zurzeit plausibelste Theorie lautet, dass der moderne Mensch Homo sapiens die großen Säugetiere gejagt und ausgerottet hat. Man bezeichnet das als Overkill-Hypothese.

Menschliche Schlacht-Werkzeuge

Gustavo Politis und sein Team unterstützen die Idee vom Overkill, denn in Campo Laborde haben sie nicht nur Megatherium-Fossilien, sondern auch 11.800 bis 10.000 Jahre alte Werkzeug-Artefakte gefunden. Und Schlachtspuren auf einigen Faultier-Knochen deuten darauf hin, dass die riesigen Tiere von menschlichen Jägern getötet, zerlegt und gegessen wurden.
Politis und seine Kollegen gehen davon aus, dass der Homo sapiens den amerikanischen Kontinent vor etwa 14.800 Jahren erreicht hat. Und er brauchte offenbar nur 4000 Jahre, um die gesamte Magafauna auszurotten.
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