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Forscher entdecken Kill Site von europäischen Jägern und Sammlern

Forscher entdecken Kill Site von europäischen Jägern und Sammlern
In Österreich haben Forscher Mammutstoßzähne, Überreste von Beutieren und Steinwerkzeuge ausgegraben, die von eiszeitlichen Jägern hinterlassen wurden.
Foto: © ASFiNAG
Eine Autobahn-Baustelle im österreichischen Drasenhofen entwickelt sich zu einer hochinteressanten archäologischen und paläoanthropologischen Fundstelle. Nachdem man dort bereits eine Siedlung aus der Bronzezeit freigelegt hat, sind nun Mammutknochen und Stoßzähne sowie Steinwerkzeuge aufgetaucht, die zu einer sogenannten Kill Site gehören.
Als Kill Site bezeichnet man einen Ort, an dem frühe Jäger und Sammler ihre Beutetiere zerlegt und geschlachtet haben. Anstatt sie komplett in ihr Lager zu schaffen, wurden die Extremitäten und Köpfe der Tiere entfernt. Wahrscheinlich wurden sie auch ausgenommen - aber das lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei belegen. Erst danach wurde das Fleisch zum Lager der Sippe geschafft, gebraten und gegessen.

Funde sind bis zu 28.000 Jahre alt

Zurzeit befinden sich die Grabungen in der "finalen Phase", so die Forscher. Bedeutet: Die Funde - Langknochen, Mammutstoßzähne (Foto oben) und Steinwerkzeuge - werden erst noch analysiert und interpretiert. Aber die Wissenschaftler gehen nach einer ersten Einschätzung davon aus, dass die Funde aus der Zeit vor 18.000 bis 28.000 Jahren stammen.
Dr. Martin Krenn vom österreichischen Bundesdenkmalamt: "Diese paläolithische Kill Site ist die erste in Österreich, die nach modernsten Methoden ausgegraben und analysiert wurde. Sie gibt uns einen sensationellen Blick auf die Lebensweise der altsteinzeitlichen Menschen."

Die Jäger und Sammler kehren zurück

Die Fossilien und Artefakte sind für die Paläoanthropologie interessant, weil sie aus einer Zeit stammen, als der Neandertaler gerade ausgestorben war und der Homo sapiens begann, sich (wieder) in Europa auszubreiten. Die Eiszeit schwächte sich damals etwas ab und die Region entlang der Donauschiene wurde wieder bewohnbar. Man nimmt an, dass damals neue Jäger und Sammler-Gruppen nach Europa strömten und die entvölkerten Gebiete besiedelten.
Obwohl man am Fundort Drasenhofen bislang keine menschlichen Fossilien gefunden hat, könnte die österreichische Fundstätte mit ihren Beutetieren und Steinwerkzeugen eine zeitliche Lücke schließen, die bislang zwischen Homo sapiens-Funden aus Osteuropa (32.000 Jahre, Tschechien) und Deutschland (14.000 Jahre, Eiszeitjäger von Oberkassel) klafft.

Dorf aus der frühen Bronzezeit

Bevor die steinzeitlichen Beutetiere und Werkzeug-Artefakte das Tageslicht erblickten, haben die österreichischen Forscher bereits eine Siedlung aus der frühen Bronzezeit freigelegt, die vor etwa 4300 Jahren erbaut wurde. Zu den archäologischen Funden gehören ein Friedhof, mehrere Speichergruben und Überreste von Häusern. Die Archäologen nehmen an, dass die Menschen, die damals dort lebten, zur Glockenbecherkultur gehörten.
Bemerkenswert: Das staatliche österreichische Autobahnbau-Unternehmen ASFiNAG fördert die Grabungen entlang ihrer Baustelle mit 2,4 Millionen Euro. Geschäftsführer Andreas Fromm: "Derartige Fundstellen geben einen interessanten Einblick in die Vergangenheit. Für uns ist wichtig, dass solche Zeugnisse der menschlichen Kultur erhalten bleiben."
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Es ist absurd und absolut unsinnig zu glauben, dass eine lebendige Zelle von selbst entsteht. Aber dennoch glaube ich es, denn ich kann es mir nicht anders vorstellen.
Ernest Kahane

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