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Die Begegnung mit Schlangen hat das Gehirn des Menschen verändert

Die Begegnung mit Schlangen hat das Gehirn des Menschen verändert
Gefährliche Schlangen haben einen enormen Selektionsdruck auf die visuelle Wahrnehmung des Menschen ausgeübt, sagt die US-Anthropologin Lynne Isbell.
Symbolbild: Pixabay, CC0
SCHLANGENALARM Der Mensch und andere Primaten verfügen über ein visuelles Wahrnehmungssystem, das sich deutlich von anderen Säugetieren unterscheidet. Das Pulvinar-System im Gehirn, mit dem Menschen sich bewegende Objekte "orten" und wahrnehmen, ist überproportional groß und arbeitet viel effektiver als bei anderen Spezies.
Diese hochentwickelte Methode, die Umgebung zu "scannen", ermöglicht es dem Menschen, Schlangen, Spinnen und andere gefährliche Tiere früh zu erkennen und ihnen auszuweichen. Und diese außergewöhnliche Fähigkeit entwickelte sich, als die frühen Vorfahren des Menschen erstmals die Bäume verließen und auf tödliche Schlangen trafen.

Die Snake Detection Theory

Besonders stark sind die Reize im Gehirn, wenn Menschen Schlangen wahrnehmen. Wissenschaftliche Tests haben gezeigt, dass das menschliche Gehirn viel stärker auf Schlangen reagiert als zum Beispiel auf Spinnen. Und Gehirn-Scans legen nahe, dass der Mensch eine sich bewegende Schlange schon unbewusst wahrnimmt, lange bevor sein Gehirn sie bewusst registriert.
Die Anthropologin Lynne Isbell von der University of California in Davis hat aus diesen Beobachtungen eine interessante Theorie entwickelt - die Snake Detection Theory. Sie glaubt, dass giftige oder anderweitig gefährliche Schlangen einen enorm starken selektiven Druck auf die Vorfahren des Menschen ausgeübt haben, so dass sich über Millionen Jahre eine Art Frühwarnsystem für Schlangen in unserem Gehirn entwickelt hat.
Ihre Argumentation ist simpel. Primaten oder frühe Hominiden, die gefährliche Schlangen frühzeitig erkannt haben, lebten länger und hatten mehr Nachkommen. Dadurch verbreiteten sich ihre Gene und die Fähigkeit, Schlangen früh zu erkennen.

Schangenphobie und Schlangenträume

Die Theorie von Lynne Isbell wird noch diskutiert. Allerdings gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass da etwas dran sein könnte. So haben Studien gezeigt, dass Menschen Schlangen viel früher erkennen als zum Beispiel Spinnen. Außerdem lassen sich Menschen viel schneller von einer gestellten Aufgabe ablenken, wenn man ihnen Bilder von Schlangen zeigt, als wenn es sich um Bilder von Spinnen oder anderen Tieren handelt.
Hinzu kommt, dass viele Menschen unter einer Schlagenphobie leiden, die zu den intensivsten Phobien gehört. Außerdem hat man herausgefunden, dass etwa 50 Prozent aller Menschen Träume haben, in denen Schlangen vorkommen.
Last but not least haben EEG-Versuche gezeigt, dass die Bereiche des menschlichen Gehirns, die für die visuelle Wahrnehmung zuständig sind, außergewöhnlich intensiv reagieren, wenn sie Bilder von Schlangen verarbeiten müssen.

Die Evolution der Schlangen-Erkennung

Schlangen haben unser Gehirn verändert, sagt Lynne Isbell. Als die frühen Vorfahren des Menschen die Bäume verließen und sich im Grasland fortbewegen mussten, war es von entscheidender Bedeutung, ungewöhnliche Bewegungen früh erkennen. Wer das nicht konnte, führte ein kurzes Leben. Dadurch haben sich Gehirne, die diese "Snake Detection" besaßen, verbreitet.
Das Bewusstsein, dass Schlangen gefährlich sind und dass man ihnen besser aus dem Wege geht, scheint sich damals in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt zu haben. Der Mensch scheint es irgendwo in seinen Genen gespeichert zu haben. Denn schon Kleinkinder, die noch nie eine Schlange gesehen haben, reagieren panisch, wenn man ihnen Bilder von Schlangen zeigt.
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EVOLUTION & MEINUNG

Der Nachweis der Evolution ist nach wie vor erstaunlich lückenhaft. Ironischerweise haben wir im Hinblick auf evolutionäre Zwischenstufen heute sogar weniger vorzuweisen als zu Darwins Zeiten.
David M. Raup

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