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Schneller Klimawechsel machte die Neandertaler zu Kannibalen

Schneller Klimawechsel machte die Neandertaler zu Kannibalen
Schädel eines Neandertalers. Mehrere Funde aus verschiedenen Ländern weisen Spuren von Kannibalismus auf. Fossilien aus Frankreich liefern nun einen plausible Erklärung für dieses Verhalten.
KEINE RITUALE. ES WAR DER HUNGER Vor etwa 120.000 Jahren wurden viele Neandertaler zu Kannibalen. Sie verspeisten ihre Artgenossen. Davon zeugen archäologische Fundstellen in Kroatien, Belgien, Spanien und Frankreich. Doch warum taten sie das? Es war Hungerkannibalismus, sagen Alban Defleur und Emmanuel Desclaux von der ENS Hochschule in Lyon.
Die französischen Forscher haben noch einmal die Fossilien von sechs Neandertalern untersucht, die man 1990 in der Baume Höhle im Süden Frankreichs gefunden hat. Zusätzlich haben sie noch einmal die Fundschichten dieser Zeit und die darin befindlichen Tier-Fossilien analysiert.

Klimawandel, Hunger und Kannibalismus

Es war ein schneller Klimawandel, der die Neandertaler zu Kannibalen machte, schreiben Defleur und Desclaux im Fachmagazin Journal of Archaeological Science. Innerhalb kurzer Zeit stieg die Temperatur stark an. Dadurch verschwanden die Mammuts, die Bisons und das Rotwild, das die Neandertaler zuvor gejagt und gegessen hatten.
Die Neandertaler litten Hunger und ihre Zahl nahm stark ab. Und die, die es noch gab, standen vor der Wahl, kleine Nagetiere, Schildkröten und Schlangen zu essen - die nur wenig Nährstoffe bieten - oder ihre Artgenossen zu verspeisen. Und zumindest die Neandertaler aus der französischen Baume Höhle aßen auch Neandertaler. Das belegen Schnitt- und Bisspuren auf mehreren Fossilien.

Kleiner Temperaturanstieg mit gravierenden Folgen

Der Klimawandel vor 120.000 Jahren war in globalen Maßstäben betrachtet nicht sehr groß und dauerte nicht sehr lange, sagen Defleur und Desclaux. Die Durchschnittstemperatur stieg "nur" um wenige Grad an. Doch das ging sehr schnell und hatte für Mensch und Tier dramatische Folgen.
Das Ökosystem im Rohnetal, wo die Gaume Höhle liegt, veränderte sich vollkommen, sagen die Forscher. Die offene Graslandschaft mit den großen Pflanzenfressern verschwand und es entstanden dichte Wälder, in denen nur sehr kleine Tiere lebten. Den Neandertalern ging die Nahrung aus. Und so griffen sie zum letzten Mittel - Kannibalismus.
Alban Defleur und Emmanuel Desclaux sind sich sicher: Der Kannibalismus, den die Neandertaler vor 120.000 Jahren praktizierten, war Hungerkannibalismus und hatte nichts mit Bestattungsritualen oder kriegerischen Auseinandersetzungen zu tun. Neandertaler aßen Neandertaler, um zu überleben.
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Charles Darwin

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