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Dieser Kiefer aus Tibet stammt von einem Denisova-Menschen

Dieser Kiefer aus Tibet stammt von einem Denisova-Menschen
Dieser Unterkiefer, von dem nur die rechte Hälfte erhalten ist, wurde 1980 in einer tibetischen Höhle gefunden. Er stammt von einem Denisova-Menschen, sagen Forscher.
Foto: © Jean-Jacques Hublin, MPI-EVA, Leipzig
MUSEUMSFUND Experten vermuten schon seit geraumer Zeit, dass in chinesischen Museen und Universitätsbeständen Knochen herumliegen könnten, die vom Denisova-Menschen stammen, aber bislang nicht als solche erkannt wurden. Und ein solches Fossil scheint man nun gefunden zu haben.
Wie die chinesischen Forscher Fahu Chen und Dongju Zhang sowie Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig berichten, könnte ein bereits 1980 entdecktes Kieferfragment mit zwei Zähnen, das bislang in der Lanzhou Universität aufbewahrt wurde, zu einem Denisova-Menschen gehören.

Der Kiefer und die Zähne sind 160.000 Jahre alt

Das Fossil stammt aus einer Höhle aus dem tibetischen Hochland und wurde vor fast vierzig Jahren von einem buddhistischen Mönch entdeckt. Über Umwege landete es in den Beständen der Universität Lanzhou, wo man es im Jahr 2016 noch einmal ans Tageslicht beförderte, um es neu zu untersuchen.
Durch neue Grabungen in der Baishiya-Höhle und eine Kalkkruste auf den Zähnen weiß man inzwischen, dass das Fossil mindestens 160.000 Jahre alt ist. Damit handelt es sich um den ältesten Fossilfund eines Menschen im tibetischen Hochland. Und die Forscher sind davon überzeugt, dass der archaisch-robuste Kiefer und die ungewöhnlich großen Zähne von einem Denisova-Menschen stammen.
Sollte sich das bestätigen, dann handelt es sich um den ersten Denisova-Fund, den man außerhalb der berühmten Denisova-Höhle im russischen Sibirien gemacht hat.

Alte Proteine ähneln denen der sibirischen Denisovas

DNA, um das Fossil zweifelsfrei den Denisovas zuordnen zu können, hat man nicht gefunden. Allerdings ist es den Forschern gelungen, aus einem der Backenzähne Proteine zu isolieren. Und deren Zusammensetzung deutet darauf hin, dass es sich um einen Denisova-Menschen handelt.
Frido Welker vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie erklärt: "Diese alten Proteine sind stark zersetzt und klar von modernen Proteinen zu unterscheiden, die eine Probe verunreinigen können. Unsere Proteinanalyse hat ergeben, dass der Unterkiefer zu einer Population gehörte, die eng mit den Denisova-Menschen aus der Denisova-Höhle verwandt war."

Suche nach weiteren Denisova-Fossilien

Das Alter des Kieferfossils lässt vermuten, dass im Hochland von Tibet, das sich in 3.000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel befindet, schon archaische Menschen gelebt haben, lange bevor der moderne Mensch dort auftauchte. Und Gen-Analysen haben ergeben, dass sich die Vorfahren der heutigen Tibeter mit dieser Urmenschen-Population vermischt haben.
Die Gene, die die heutigen Himalaya-Bewohner dabei geerbt haben, halfen ihnen wahrscheinlich dabei, sich relativ schnell an die sauerstoffarme Atmosphäre im Hochgebirge anzupassen. Und wie es aussieht, stammen diese Gene vom Denisova-Menschen.
Laut Jean-Jacques Hublin ähneln der Kiefer und die zwei Zähne aus der tibetischen Höhle mehreren anderen Fossilfunden aus China. Nun soll geklärt werden, ob auch diese Funde von Denisova-Menschen stammen.
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Die größte Tragödie in der Wissenschaft überhaupt ist der Tod einer wunderschönen Hypothese durch die Hand einer hässlichen Tatsache.
Thomas Henry Huxley

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