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Zwei Urmenschen. Doch wer war der Vorfahre des Neandertalers?

Zwei Urmenschen. Doch wer war der Vorfahre des Neandertalers?
Gab es in Europa mehrere frühe Menschenarten? Und welche davon könnte der Vorfahre des Neandertalers gewesen sein? Eine neue Zahnanalyse wirft viele Fragen auf.
Fotomontage: Jose Luis Filpo Cabana, CC BY-SA 4.0 / Tim Evanson, CC BY-SA 2.0 Lizenz
UNTERSCHIEDLICHE ZÄHNE Vor 600.000 Jahren breitete sich in Europa eine neue Menschenart aus - der Homo heidelbergensis. Und bislang ging man davon aus, dass sich diese Menschen vor 200.000 Jahren zum Neandertaler weiterentwickelt haben. Doch spanische Forscher der "Dental Anthropology Group" melden nun Zweifel an. "Es war deutlich komplizierter", sagen Jose M. Bermudez de Castro und sein Team.
Die spanischen Forscher haben Zahnfossilien aus zwei der bedeutendsten Homo heidelbergensis-Fundstellen in Europa analysiert. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass sich die gleichaltrigen Funde aus Spanien und Frankreich deutlich unterscheiden.
"Wir können die Hypothese einer linearen Evolution, die in einer 'Neanderthalisierung' des Homo heidelbergensis mündete, nicht unterstützen", sagen die spanischen Zahnexperten.

Sehr unterschiedliche Zahnformen

In der Höhle Sima de los Huesos in Nordspanien und in der französischen Arago Höhle hat man zahlreiche Fossilien von Homo heidelbergensis gefunden. Und da alle Fossilien aus der Zeit vor 450.000 bis 430.000 Jahren stammen, sollte man annehmen, dass sie sich sehr ähnlich sind. Doch das sind sie nicht.
Jose M. Bermudez de Castro und sein Team haben Zähne aus beiden Höhlen analysiert und verglichen. Und wie sie im Fachjournal "Quaternary Science Reviews" berichten, unterscheiden sie sich deutlich. Die Zähne aus Frankreich besitzen noch viele archaisch-ursprüngliche Merkmale, die an den Urmenschen Homo erectus erinnern, während die Zähne aus Spanien bereits "bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit den Neandertalern aufweisen".

Keine lineare Enwicklung zum Neandertaler

Die spanischen Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass es möglicherweise voreilig war, alle Menschen, die vor 600.000 bis 200.000 Jahren in Europa gelebt haben, einer einzigen Menschenart - nämlich dem Homo heidelbergensis - zuzuordnen und von einer flächendeckenden linearen Entwicklung zum Neandertaler auszugehen.
"Wäre diese Theorie korrekt, dann müssten sich die Zähne aus der Sima de los Huesos und aus der Arago Höhle sehr ähnlich sein", schreiben die Forscher. "Aber das sind sie nicht. Es scheint sich um Menschen zu handeln, die von unterschiedlichen Vorfahren abstammen. Und die können nicht beide der Vorfahre des Neandertalers sein."
Jose M. Bermudez de Castro (ein wenig pathetisch): "Wir haben schon vor einigen Jahren vorgeschlagen, dass sich die Tore Europas mehrmals geöffnet haben müssen, um menschliche Gruppen aus dem Südwesten Asiens hineinzulassen. Unsere Forschungsergebnisse unterstreichen, dass wir vor einer neuen Herausforderung stehen - nämlich die menschliche Evolution auf dem alten Kontinent neu zu überdenken. Möglicherweise haben sich die Neandertaler außerhalb Europas entwickelt."

Homo heidelbergensis nur ein Mülleimer-Taxon?

Die neue Studie rüttelt an zwei Eckpfeilern der menschlichen Evolution in Europa. Zum einen an der Theorie, dass alle Menschen, die im Mittelpleistozän in Europa gelebt haben, zur gleichen Menschenart gehörten. Zum anderen an der Hypothese, dass sich diese Menschen vor 200.000 Jahren in direkter Linie zum Neandertaler weiterentwickelt haben.
Sollten die spanischen Forscher recht haben, dann handelt es sich beim Homo heidelbergensis um ein sogenanntes Mülleimer-Taxon. Die metrischen und morphologischen Unterschiede zwischen den Fossilien, die man in Spanien, Frankreich, Griechenland, Ungarn, England und Deutschland entdeckt hat, sind viel zu groß, um sie einer einzigen Menschenart zuzuordnen. Und sollte das stimmen, dann ist völlig unklar, welche dieser Menschengruppen der Vorfahre des Neandertalers war - und was aus den anderen geworden ist.
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Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat.
Winston Churchill

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