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Leben wir wirklich im Anthropozän? Im Erdzeitalter des Menschen?

Leben wir wirklich im Anthropozän? Im Erdzeitalter des Menschen?
Holozän oder Anthropozän? Sollte man die Jetztzeit zum Zeitalter des Menschen machen? Oder ist es dafür viel zu früh? Die Forscher sind sich da nicht einig.
Symbolbild
WILLKOMMEN IN DER MENSCHZEIT Vor 11.700 Jahren endete die letzte Eiszeit und mit ihr das Erdzeitalter des Pleistozän. Die Zeit danach, also die Jetztzeit, wurde von der Wissenschaft bislang als Holozän bezeichnet - als warmes Zeitalter zwischen zwei Eiszeiten. Doch seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen, das Holozän umzubenennen - in Anthropozän, in das Erdzeitalter des Menschen.
Die Forscher, die das fordern, haben durchaus ihre Argumente. Sie sagen: In den letzten 11.700 Jahren haben nicht das Klima oder die Geologie unseren Planeten geprägt, sondern der Mensch. Sein Einfluss war deutlich stärker als die Kräfte der Natur. Doch es gibt auch Wissenschaftler, die das strikt ablehnen.

Der Mensch gestaltet die Erde

In der Populärwissenschaft ist der Begriff Anthropozän längst angekommen. Ausstellungen und Bücher tragen den Titel "Anthropozän". Im Haus der Kulturen in Berlin gab es vor einigen Jahren ein "Anthropozän-Observatorium". Sogar eine Studie der Vereinten Nationen trägt den Titel "Nachhaltige Entwicklung im Anthropozän".
Viele Wissenschaftler unterstützen das Anthropozän-Modell. Sie argumentieren, dass der Klimawandel, das Ansteigen des Meeresspiegels, das Artensterben, das Verschwinden der natürlichen Ressourcen auf unserem Planeten, die Umgestaltung riesiger Landflächen zur Nahrungsgewinnung und die Umweltverschmutzung ausschließlich auf das Konto des Menschen gehen. Kein geologisches Ereignis hat die Erde in den letzten 11.700 Jahren so verändert wie der Mensch.

Viel zu früh für eine Umbenennung

Die Gegner des Begriffs Anthropozän führen ins Feld, dass es keinen global definierbaren Zeitpunkt gibt, an dem das Zeitalter des Menschen begonnen haben soll. Auf allen Kontinenten hätten sich die Menschen unterschiedlich entwickelt und die Natur zu verschiedenen Zeitpunkten verändert. Die Entwicklung in Asien, Europa, Australien und Amerika sei völlig anders verlaufen.
Außerdem kritisieren sie, dass sich der Mensch mit dem Begriff Anthropozän selbst zum Schöpfer einer geologischen Epoche macht. Doch den Homo sapiens gibt es erst seit 200.000 Jahren und Erdzeitalter dauern normalerweise Millionen Jahre. Niemand weiß, wie groß der Einfluss des Menschen tatsächlich ist und welche Auswirkungen seine Aktivitäten in zwei Millionen Jahren haben werden.
Zudem sei völlig unklar, woran künftige Forscher, die irgendwann nach Belegen für das heutige Erdzeitalter suchen, das Zeitalter des Anthropozän festmachen sollen. An der atomaren Belastung durch die Atombombentests der 50er und 60er Jahre? Am Plastikmüll in den Ozeanen? Am Artensterben? Oder an den Milliarden Hühnerknochen, die der heutige Mensch hinterlässt? Diesen Vorschlag haben britische Forscher gemacht.

Die Geologische Union hat entschieden

Holozän oder Anthropozän? Im letzten Jahr trafen sich die Mitglieder der "International Union for Geological Science", um über diese Frage zu entscheiden. Und die Wissenschaftler aus 121 Nationen beschlossen, es beim Holozän zu belassen. Es wird - vorerst - kein Erdzeitalter des Anthropozän geben.
Allerdings waren die Geologen - offenbar unter dem Einfluss des öffentlichen Drucks - zu Zugeständnissen bereit. Sie unterteilten das bis dato homogene Holozän in drei Perioden.
Die erste dieser Perioden nennt sich jetzt "Greenlandian". Damit ist die Zeit vor 11.700 bis 8.200 Jahren gemeint, als es auf der Erde deutlich wärmer wurde. Die zweite Periode trägt den Namen "Northgrippian", als es vorübergehend wieder abkühlte. Und aktuell leben wir in der Periode des "Meghalayan", das vor 4.200 Jahren begann und dessen markanteste Merkmale das immer häufigere Ausbleiben des Monsunregens und ausgedehnte Dürreperioden sind.

Kein Einfluss auf Archäologie und Urgeschichte

Das Anthropozän ist damit erst mal vom Tisch. Es wird kein Erdzeitalter des Menschen geben. Schließlich legt die International Union for Geological Science offiziell fest, welche Erdzeitalter es in den letzten 4,5 Milliarden Jahren gab und welche Namen sie tragen.
Auf die Ärchäologie und Urgeschichte dürfte der Anthropozän-Streit übrigens nur wenig Einfluss haben. Diese Forschungszweige arbeiten mit einer ganz anderen Terminologie. Sie bezeichnen die Steinzeit, die vor 2,6 Millionen Jahren mit den ersten Werkzeugen begann, als Paläolithikum. Vor 11.500 Jahren folgte das Neolithikum (Ackerbau und Viehzucht) und vor 3.500 Jahren die Frühgeschichte (erste schriftliche Aufzeichnungen durch Keilschrift).
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