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Im asiatischen Regenwald jagte und aß der Homo sapiens Affen

Im asiatischen Regenwald jagte und aß der Homo sapiens Affen
Der Knochen eines Baumaffen, der vor 45.000 Jahren von einem Homo sapiens gegessen wurde. Außerdem haben die Forscher fein gearbeitete Werkzeuge aus Affenknochen gefunden.
Foto: © MPI f. Menschheitsgeschichte
AFFENJAGD IM REGENWALD Der frühe moderne Mensch war viel anpassungsfähiger als die Neandertaler und der Urmensch Homo erectus. Er schaffte es, Lebensräume zu besiedeln, die seine Vorfahren und Vettern nie erobert haben. Und dabei half ihm eine einzigartige Fähigkeit - sich immer wieder neue Nahrungsquellen zu erschließen.
Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte, das im Regenwald Sri Lankas nicht nur 45.000 Jahre alte hochentwickelte Knochen- und Steinwerkzeuge gefunden hat, sondern auch zerlegte und verbrannte Überreste von Baumaffen und anderen Kleinsäugern.

Sogar Werkzeuge aus Affenknochen

Die multidisziplinäre Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die Besiedlung des südasiatischen Regenwaldes mit der Jagd auf Affen einher ging. Die modernen Menschen, die damals Asien besiedelten, erweiterten ihre Speisekarte um Affen. Die Forscher werten das als Beispiel für die einzigartige Anpassungsfähigkeit, die es dem Homo sapiens ermöglichte, rasch eine Reihe extremer Umgebungen zu kolonisieren.
"Die Ergebnisse unserer Studie belegen eine anspruchsvolle und spezialisierte Jagd auf Baumaffen und andere Primaten sowie auf Eichhörnchen bereits vor 45.000 Jahren", sagt Erstautor Oshan Wedage vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.
Und sein Kollege Dr. Noel Amano fügt hinzu: "Dies bestätigen auch die gefundenen Werkzeuge aus Affenknochen, die mit ausgefeilten Techniken bearbeitet wurden."

Die Besiedlung extremer Lebensräume

Die Jagd auf Kleinsäuger gilt seit langem als ein Merkmal der technologischen und verhaltensbedingten Komplexität, die für unsere Spezies einzigartig ist. Dort wo Neandertaler und Homo erectus nie Fuß fassen konnten, schaffte es der Homo sapiens, sich schwierigen und extremen Lebensräumen anzupassen, indem er neue Überlebens- und Ernährungsstrategien entwickelte.
Co-Autor Dr. Patrick Roberts: "In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Forschung gezeigt, dass die menschliche Besiedlung der tropischen Regenwälder in Südasien, Südostasien und Melanesien vor mindestens 45.000 Jahren begann. Damit ist es wahrscheinlich, dass der Mensch in dieser Umgebung bereits zu diesem frühen Zeitpunkt auf Kleinsäuger als Nahrungsquelle zurückgriff."

Kleine Beutetiere zu jagen, erfordert viel Geschick

Die Paläoanthropologen vermuten schon seit längerem, dass der Homo sapiens den Neandertaler überlebt hat, weil er nicht nur Großwild jagte, sondern auch kleinere Beutetiere, was ausgefeilte Jagdtechniken voraussetzt, über die andere Menschenarten offenbar nicht verfügt haben.
Dass Menschen Affen essen, also im Grunde ihre Verwandten, ist bislang nur für den Homo sapiens belegt. Und in einigen asiatischen und afrikanischen Staaten stehen Affen nach wie vor auf der (illegalen) Speisekarte. Allerdings weiß man auch von den Schimpansen, dass sie hin und wieder Jagd auf kleinere Affen machen, um an nahrhaftes Fleisch zu gelangen.
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Die darwinistische Erklärung dafür, warum Lebewesen das, was sie tun, so gut können, ist sehr einfach. Sie sind gut durch die angehäufte Klugheit ihrer Vorfahren.
Richard Dawkins

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