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Genetiker bestätigen Existenz mehrerer Denisova-Linien

Genetiker bestätigen Existenz  mehrerer Denisova-Linien
Die Menschen aus Neuguinea und auf den nahegelegenen Inseln besitzen auffällig viele Denisova-Gene. Doch die scheinen von unterschiedlichen Denisova-Gruppen zu stammen.
Foto: © Mark Stoneking
BUNTES INSELLEBEN Ja, es gab tatsächlich drei verschiedene Denisova-Menschen, die sich genetisch deutlich voneinander unterscheiden, sagen Forscher eines internationalen Genetiker-Teams, dem auch Mark Stoneking vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig angehörte.
Neben den sibirischen Denisovas, die man bereits im Jahr 2010 entdeckt hat, gab es in Südostasien zwei weitere Denisova-Populationen. Und die hatten wahrscheinlich seit Hunderttausenden von Jahren keinen Kontakt mehr zueinander.
Damit bestätigen die Genetiker eine Studie, die neuseeländische und indonesische Forscher vor einigen Tagen im Fachjournal Science veröffentlicht haben.

Enorme genetische Unterschiede

Bei den untersuchten Gen-Proben handelt es sich um DNA-Fragmente, die Denisova-Menschen im Erbgut von modernen Menschen hinterlassen haben, die heute auf den Inseln Südostasiens und in Papua-Neuguinea leben. Doch diese Gene sind nicht identisch. Sie stammen von zwei unterschiedlichen Populationen.
"Eine der beiden Denisova-Linien unterscheidet sich von der anderen so sehr, dass es sich bei ihr sogar um eine völlig neue Urmenschen-Gruppe handeln könnte", heißt es in einer Pressemitteilung der Forscher.
Angeblich sind die Unterschiede zwischen den beiden südostasiatischen Denisova-Populationen so groß wie die Unterschiede zwischen den Denisovas und ihrem europäischen Vetter, dem Neandertaler.

Erstaunliche archaische Vielfalt

Bislang ging man davon aus, dass die Denisovas vor etwa 50.000 Jahren, also noch vor den Neandertalern, ausgestorben sind. Doch moderne Menschen aus Papua-Neuguinea haben sich noch vor 30.000 Jahren mit Denisova-Menschen vermischt, die gemeinsam mit ihnen auf der Insel gelebt haben, so die Forscher.
Mark Stoneking: "Die archaische Vielfalt scheint auf den südostasiatischen Inseln und in Neuguinea viel länger Bestand gehabt zu haben als anderswo auf der Welt."

Unser letzter lebender Verwandter

Sollte das stimmen, dann war nicht der Neandertaler unser letzter lebender Verwandter, sondern der Denisova-Mensch. Allerdings hat man von dieser mysteriösen Menschenart in Südostasien bislang keinerlei Fossilien gefunden. Und das ist für eine menschliche Population, die so lange existiert hat und so weit verbreitet war, sehr ungewöhnlich. Zum Vergleich: Im vergleichsweise kleinen Europa hat man Fossilien von über 300 Neandertalern ausgegraben.
Da wundert es nicht, dass es Genetiker gibt, die nicht an die Existenz des Denisova-Menschen glauben. Sie halten die DNA-Fragmente, aus denen man die Existenz des Denisova-Menschen ableitet, für archaische DNA-Schnipsel, die ein früher Vorfahre des Homo sapiens im Erbgut heutiger Menschen hinterlassen hat.
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EVOLUTION & MEINUNG

Die darwinistische Erklärung dafür, warum Lebewesen das, was sie tun, so gut können, ist sehr einfach. Sie sind gut durch die angehäufte Klugheit ihrer Vorfahren.
Richard Dawkins

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