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Neuer Lifestyle: In Anatolien wurden Jäger und Sammler zu Bauern

Neuer Lifestyle: In Anatolien wurden Jäger und Sammler zu Bauern
Das Skelett eines anatolischen Jägers und Sammlers, der vor 15.000 Jahren lebte. Seine Gene findet man auch bei späteren Bauernkulturen.
Foto: © Prof. Douglas Baird
WISSENSTRANSFER Schon lange diskutieren die Experten darüber, wie sich die neolithische Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht verbreitet hat. Verdrängten die Bauernvölker die alten Jäger und Sammler-Kulturen? Oder übernahmen die Jäger und Sammler den Lifestyle der Bauern?
Ein internationales Forscherteam, dem neben britischen, türkischen und israelischen Experten auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena angehörten, hat nun genetische Hinweise darauf gefunden, dass sich die landwirtschaftliche Lebensweise ausgebreitet hat, indem ortsansässige Jäger und Sammler zu Bauern wurden.

Wie entstand die Bauernkultur in Anatolien?

Die Landwirtschaft wurde vor rund 11.000 Jahren im Fruchtbaren Halbmond entwickelt, einer Region, die den heutigen Irak, Syrien, Israel, den Libanon, Ägypten und Jordanien sowie die Randgebiete von Südanatolien und des westlichen Iran umfasst.
Um etwa 8.300 v. Chr. hatte sich die Bauernkultur auch in Zentralanatolien in der heutigen Türkei durchgesetzt. Doch wie ist sie dorthin gelangt? Indem Bauern aus dem fruchtbaren Halbmond eingewandert sind? Oder haben die anatolischen Jäger und Sammler die Lebensweise ihrer Nachbarn übernommen?

Jäger und Sammler wurden zu Bauern

Dem Forscherteam, das von MPI-Direktor Johannes Krause als Senior-Autor geleitet wurde, ist es gelungen, das Erbgut eines Jägers und Sammlers zu entschlüsseln, der vor 15.000 Jahren in Anatolien gelebt hat. Und der Vergleich mit der DNA von frühen anatolischen Bauern hat ergeben, dass rund 90 Prozent dieser Bauern von Vorfahren abstammen, die mit diesem Jäger und Sammler verwandt waren.
Die Forscher glauben deshalb, dass sich die Landwirtschaft nicht verbreitet hat, indem die Bauern aus dem fruchtbaren Halbmond nach Anatolien eingewandert sind, sondern dass die dortigen Jäger und Sammler zu Bauern wurden.
Choongwon Jeong, ein Mitautor der Studie, sagt: "Anatolien war ein Ort, an dem lokale Jäger und Sammler die Ideen, Pflanzen und Technologien annahmen, die zu einem landwirtschaftlichen Lebensunterhalt führten."

Wie kam die Landwirtschaft nach Mitteleuropa?

Umstritten ist nach wie vor, wie Ackerbau und Viehzucht vor etwa 6.000 Jahren nach Mitteleuropa gelangt sind. Eine Studie aus dem Jahr 2016 kam zu dem Ergebnis, dass Bauernvölker über die Türkei und Nordgriechenland eingewandert sind und die alteingesessenen Jäger und Sammler verdrängt haben.
"Die migrierenden Bauern brachten nicht nur eine völlig fremde Kultur mit, sondern sahen sicherlich auch anders aus und sprachen eine unterschiedliche Sprache", kommentierte damals Christina Papageorgopoulou die Forschungsergebnisse.
Es gibt aber auch Forscher, die diese massenhafte Einwanderung von anatolischen Bauern in Frage stellen. Sie glauben, dass sich die Landwirtschaft auch in Mitteleuropa durch Wissenstransfer verbreitet hat. Für diese Theorie spricht, dass die heutigen Europäer genetisch enger mit den frühen europäischen Jägern und Sammlern verwandt sind als mit Bauern aus dem vorderen Orient.
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