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Ackerbau und Viehzucht waren in Amerika eine "Notgeburt"

Ackerbau und Viehzucht waren in Amerika eine Notgeburt
Warum gaben die Menschen vor etwa 11.000 Jahren ihre traditionelle Lebensweise als Jäger und Sammler auf und wurden zu Ackerbauern und Viehzüchtern?
Symbolbild
WARUM DIESE PLACKEREI? Bis heute ist unklar, warum die Menschen der Jungsteinzeit ihr recht komfortables Leben als Jäger und Sammler aufgaben und zu Ackerbauern und Viehzüchtern wurden. Jäger und Sammler müssen weniger hart arbeiten, erfreuen sich einer besseren Gesundheit und haben eine ausgewogenere Ernährung.
"Es gibt viele Hinweise, dass Domestizierung und Landwirtschaft damals eigentlich wenig Sinn machten", sagt Elic Weitzel von der US-amerikanischen Universität Connecticut. "Warum also sollte jemand seinen Lebensstil grundlegend verändern und mit der Landwirtschaft beginnen?"
Mindestens ebenso rätselhaft ist die Tatsache, dass Völker, die viele tausende Kilometer voneinander entfernt lebten und keinen Kontakt zueinander hatten, beinahe gleichzeitig damit begannen, sich als Landwirte abzuplackern. Was trieb sie an, ihren im Grunde komfortablen Lebensstil so grundlegend zu verändern?

Es herrschte Nahrungsmangel

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, hat sich Elic Weitzel die Entwicklung der ersten Bauernkulturen in Amerika angeschaut. In Nord-Alabama und im Tennessee River Valley, einem der frühen Hotspots der Landwirtschaft in Nordamerika, hat Weitzel Tierfossilien aus den letzten 13.000 Jahren analysiert, archäologische Überreste von menschlichen Siedlungen untersucht und Pollendaten aus Seen und Feuchtgebieten ausgewertet.
Seine Ergebnisse hat er nun im Fachmagazin American Antiquity veröffentlicht. Und Weitzel kommt zu dem Ergebnis, dass Ackerbau und Viehzucht nicht aus dem Überfluss heraus entstanden sind, wie einige Forscher glauben (viel Nahrung, viele Menschen, viel Zeit, um neue Ideen zu entwickeln), sondern dass es damals immer mehr Menschen gab und die Nahrungsressourcen knapp wurden.
Weitzel hat festgestellt, dass die Menschen der Jungsteinzeit dazu übergingen, immer kleinere Schalentiere zu essen anstatt Wasservögel und große Fische, wie sie es zuvor getan hatten. Außerdem taucht Rotwild, das jahrtausendelang eine sehr ergiebige Nahrungsquelle war, im Fossilbestand immer seltener auf.

Landwirtschaft sicherte das Überleben

Weitzel kommt zu dem Ergebnis, dass die Nahrung damals knapp wurde und nicht ausreichte, um immer größere Populationen zu ernähren. Also suchten die Menschen nach Wegen, ihren Speiseplan zu ergänzen. Und das taten sie, indem sie Getreide anbauten und Vieh domestizierten.
"Es gab Umweltveränderungen und einen Bevölkerungsanstieg", schreibt Elic Weitzel in seiner Studie. "Die Landwirtschaft war trotz harter Arbeit eine notwendige Option, um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen." Nur indem sie Landwirtschaft betrieben, waren die frühen amerikanischen Gesellschaften überlebensfähig.
Weitzel glaubt, dass Ackerbau und Viehzucht entstanden sind, weil immer größere menschlichen Populationen durch Klimawandel die Nahrung ausging. Um nicht zu verhungern, fingen die Menschen an, Getreide anzubauen und Vieh zu züchten.
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