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Homo rudolfensis und Paranthropus haben das Gleiche gegessen

Homo rudolfensis und Paranthropus haben das Gleiche gegessen
Homo rudolfensis (Bild) und Paranthropus haben sich lange gleich ernährt, sagen deutsche Forscher. Doch dann änderte sich das Klima und der Paranthropus stieg auf Gräser um.
Foto: © Dorieo, CC BY-SA 3.0 Lizenz
AUF DEN ZAHN GEFÜHLT Der Frühmensch Homo rudolfensis und der Vormensch Paranthropus boisei haben vor 2,4 Millionen Jahren in der gleichen Region gelebt, nämlich am Malawi See in Ostafrika. Das belegen mehrere Fossilfunde. Doch wie haben sie sich ernährt? Und haben sie den gleichen Lebensraum bewohnt oder sind sie sich aus dem Weg gegangen?
Um das herauszufinden, hat ein deutsches Forscherteam unter der Leitung von Tina Lüdecke Zahnfossilien beider Hominiden-Arten analysiert. Zusätzlich haben die Forscher Bodenproben aus der Region untersucht, um zu bestimmen, welches Klima damals herrschte.

Die Nahrung war praktisch identisch

Die Ergebnisse der Studie, die im Fachmagazin PNAS veröffentlicht wurde, sind nicht spektakulär, aber durchaus interessant. So haben die Forscher festgestellt, dass sowohl Homo rudolfensis als auch Paranthropus boisei vor 2,4 Millionen Jahren in einer bewaldeten Savanne lebten, die relativ kühl und feucht war.
Beide Spezies haben sich auch ähnlich ernährt, sagen die Forscher. Sie verspeisten sogenannte C3 Pflanzen, deren Photosynthese an ein gemäßigtes Klima angepasst ist. Zu den C3 Pflanzen gehören fast alle Pflanzen, die man auch in unseren Breiten findet.
Sowohl Homo rudolfensis als auch der Paranthropus waren wahrscheinlich Nahrungs-Generalisten, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Sie ernährten sich von einer breiten Palette von Pflanzen und wiesen keinerlei Spezialisierungen auf bestimmte Arten auf.

Spezialisierung auf Gräser

Etwas anders sah es damals nordöstlich des Malawi Sees aus. Dort war es bereits heißer und trockener. Und die Vertreter von Paranthropus boisei, die dort lebten, scheinen sich diesem Klima angepasst zu haben. In ihren Zähnen fanden die Forscher nicht nur Isotope von C3 Pflanzen, sondern auch solche von C4 Pflanzen - wozu vor allem Gräser gehören.
Dieser Trend verstärkte sich noch einmal vor 2,0 Millionen Jahren, sagen Tina Lüdecke und ihre Kollegen. Dies deutet darauf hin, dass Ostafrika immer heißer und trockener wurde und dass sich das Nahrungsangebot veränderte. Der Paranthropus boisei passte sich diesem Klimawandel an, indem er sich auf Gräser spezialisierte.
Dies unterscheidet den ostafrikanischen Paranthropus von seinen südafrikanischen Vettern, sagen die Forscher. Denn deren Ernährung basierte weiterhin auf C3 Pflanzen, was vermuten lässt, dass dort noch längere Zeit ein gemäßigtes Klima herrschte.

Und was wurde aus Homo rudolfensis?

Der Frühmensch Homo rudolfensis und der Vormensch Paranthropus boisei haben in der gleichen Region gelebt und das Gleiche gegessen. Doch als es heißer und trockener wurde, scheint der Paranthropus seine Ernährung umgestellt zu haben. Er wurde zum Grasfresser. Was möglicherweise erklärt, warum sich der Paranthropus nicht weiterentwickelte, in einer evolutionären Sackgasse endete und ausstarb.
Ungeklärt ist das Schicksal des Homo rudolfensis. Einige Forscher glauben, dass er damit begann, auch Aas zu fressen und sich zum Urmenschen Homo erectus weiterentwickelte. Allerdings ist diese Theorie umstritten. Es gibt viele Paläoanthropologen, die das in Frage stellen. Sie glauben, dass es sich beim "Homo" rudolfensis, der bei seiner Entdeckung der Gattung Homo zugeordnet wurde, noch um einen Australopithecus handelte. Und sollte das stimmen, dann könnte er ausgestorben sein, weil er partout kein Gras fressen wollte.
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Mark Twain

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