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Forscher entdecken auf der Insel Luzon einen zweiten Zwergmenschen

Forscher entdecken auf der Insel Luzon einen zweiten Zwergmenschen
Professor Philip Piper von der Australischen National Universität gehörte zum Forscherteam, das die Fossilien der neuen Menschenart auf der Insel Luzon entdeckt hat.
Foto: © Lannon Harley, ANU
FRÜHE GLOBETROTTER Der Stammbaum des Menschen bekommt einen neuen Ast. Ein internationales Forscherteam hat in einer Höhle auf der philippinischen Insel Luzon die Fossilien einer neuen Menschenart entdeckt. Die Funde sind über 50.000 Jahre alt und stammen von zwei Erwachsenen und einem Teenager.
Wie Dr. Armand Mijares von der Universität der Philippinen und sein Kollege Prof. Philip Piper von der Australischen National Universität zusammen mit französischen Kollegen im Fachmagazin Nature berichten, handelt es sich wahrscheinlich um kleinwüchsige Menschen, die sich viele Merkmale mit dem 2003 entdeckten Zwergmenschen Homo floresiensis teilen. Sie haben die neue Art "Homo luzonensis" getauft.

Wahrscheinlich Zwergmenschen wie der Homo floresiensis

"Die Fossilien bestehen aus Finger- und Zehenknochen sowie Zähnen", sagt Professor Piper. "Außerdem haben wir den Oberschenkelknochen eines Kindes gefunden. Und diese Fossilien besitzen einige sehr interessante Merkmale - zum Beispiel sind die Zähne allesamt sehr klein."
Piper weiter: "Da die Größe der Zähne Rückschlüsse auf die Körpergroße erlaubt, gehen wir davon aus, dass diese Menschen ziemlich klein waren. Aber ganz genau wissen wir das noch nicht. Um das präzise zu sagen, bräuchten wir noch ein paar weitere Elemente des Skeletts."

Merkmale eines afrikanischen Australopithecus

Besonders auffällig an den neuen Funden ist, dass die Hand- und Fingerknochen denen eines Australopithecus ähneln. Also einem Hominiden, der vor 4 bis 2 Millionen Jahren ausschließlich in Afrika lebte und definitiv noch kein Mensch war. Ganz ähnliche Füße hat man auch beim indonesischen Homo floresiensis gefunden.
"Da stellt sich natürlich die Frage, ob sich diese Merkmale als Anpassung an das Leben auf einer Insel entwickelt haben oder ob der Homo luzonensis diese anatomischen Besonderheiten von einem afrikanischen Vorfahren geerbt und 2 Millionen Jahre lang bewahrt hat", sagt Professor Piper.

Zwei unterschiedliche Arten Zwergmensch

Wie gesagt, die Fossilien sind mindestens 50.000 Jahre alt. Einige Teammitglieder glauben sogar, dass sie bis zu 70.000 Jahre alt sein könnten. Damit hat der philippinische Zwergmensch Homo luzonensis zur gleichen Zeit gelebt wie der indonesische Zwergmensch Homo floresiensis.
"Das macht die gesamte Region sehr bedeutungsvoll", sagt Professor Piper. "Gut möglich, dass man dort in Zukunft noch weitere Arten solcher kleinen Homininen finden wird. Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit."
Piper und seine Kollegen schließen übrigens aus, dass es sich beim neuentdeckten Homo luzonensis und dem indonesischen Homo floresiensis um Vertreter der gleichen Art handelt. Dafür unterscheiden sich die Knochenfunde im Detail zu sehr.

Waren das die ersten Seefahrer?

Sollten die Forscher richtig liegen, dann lebten vor 50.000 bis 70.000 Jahren auf vielen großen südostasiatischen Inseln zwergwüchsige Menschen, die weder Homo erectus noch Homo sapiens waren. Zwei Arten hat man bislang entdeckt, weitere könnten folgen. Dafür sprechen zum Beispiel 200.000 Jahre alte Werkzeugfunde auf der nahegelegenen Insel Sulawesi.
Unklar ist noch, wann der Homo luzonensis die Insel Luzon besiedelt hat. Steinwerkzeuge und fossile Überreste von Beutetieren lassen vermuten, dass das bereits vor 700.000 Jahren geschah. Aber zweifelsfrei erwiesen ist das noch nicht.
Das Toprätsel des gesamten Puzzles aber lautet: Wie sind Homo luzonensis und Homo floresiensis auf ihre Inseln gelangt? Denn zu beiden Inseln gibt es seit Urzeiten keine Landverbindung. Waren diese kleinen Menschen schon Seefahrer, als der Homo erectus und später der Homo sapiens noch per pedes und auf nackten Fußsohlen die Welt erkundeten?
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EVOLUTION & MEINUNG

Je unwahrscheinlicher, aus statistischer Sicht, ein Vorgang ist, desto weniger können wir annehmen, dass er durch blinden Zufall geschah.
Richard Dawkins

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