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Raubvögel legen Feuer. Hat sich der frühe Mensch das abgeschaut?
Symbolbild

Raubvögel legen Feuer. Hat sich der frühe Mensch das abgeschaut?

Seit 1,5 Millionen Jahren nutzt der Mensch das Feuer. Doch wie kam er eigentlich darauf? Was inspirierte ihn dazu? In einem Beitrag für das Nature-Magazin "Ecology & Evolution" hat Dr. Gao Jianguo von der Universität Peking eine ungewöhnliche Theorie aufgestellt. Er sagt: Der Mensch hat sich die Feuernutzung bei einigen Raubvögeln abgeschaut.
Dr. Jianguo verweist in seinem Artikel auf eine Studie aus dem Jahr 2017 (Bonta et al.). Darin berichten Wissenschaftler der Pennsylvania State University von Schwarzmilanen, Habichten und Falken, die in Australien bei Buschfeuern nach brennenden oder noch glühenden Ästen greifen, davonfliegen und neue Feuer legen. Scheinbar wissen sie, dass durch die Feuer viele Tiere sterben, die sie anschließend genüsslich verspeisen können.

Erste Feuernutzung für die Jagd

Die erste Nutzung des Feuers durch den Menschen bestand darin, Brände zu legen, um Treibjagden zu veranstalten, glaubt Dr. Jianguo. Die Beutetiere gerieten in Panik, konnten zusammengetrieben und erlegt werden. Außerdem starben durch die Feuer viele Kleintiere, die anschließend - wahrscheinlich von Frauen und Kindern - aufgesammelt wurden. Und die Idee dazu hat sich der Mensch bei den Vögeln abgeschaut.
Dass frühe Menschen solche Feuerjagden veranstaltet haben, ist durch mehrere archäologische Funde in Amerika und Australien nachgewiesen. Indianer und Aborigines legten (bis zur Ankunft der ersten Europäer) häufig solche kontrollierten Brände, um die Fluchtwege ihrer Beutetiere zu steuern. Meist trieb man sie in Richtung steiler Abhänge, wo einige Tiere abstürzten und danach nur noch geschlachtet werden mussten.

Äste mit Beutetieren verwechselt?

"Berücksichtigt man, dass die Vögel eine viel ältere Spezies sind als der Mensch und sollten die Vögel tatsächlich Feuer legen, um damit zu jagen, dann müssen wir den Zeitpunkt, an dem erstmals das Feuer kontrolliert eingesetzt wurde, neu überdenken", schreibt Dr. Jiangao in seinem Artikel.
Hat sich der Mensch die Nutzung des Feuers also bei den Vögeln abgeschaut? Die Theorie ist gewagt und umstritten. Schon Prof. Mark Bonta und seine Kollegen von der Pennsylvania State University wiesen im Jahr 2017 darauf hin, dass nicht klar ist, ob die Milane, Habichte und Falken bewusst nach brennendem Gehölz greifen, um damit neue Feuer zu legen, oder ob sie versehentlich nach solchen Ästen schnappen, weil sie sie für Beute halten.
Das wissenschaftliche Eis, auf dem sich Gao Jianguo bewegt, ist also dünn. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass der Mensch damit begann, das Feuer zu nutzen, um Nahrung zu garen (einfachere Verdauung) und zu räuchern (Konservierung). Außerdem diente es wahrscheinlich als Schutz vor Raubtieren und spendete in kalten Nächten angenehme Wärme.
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Die darwinistische Erklärung dafür, warum Lebewesen das, was sie tun, so gut können, ist sehr einfach. Sie sind gut durch die angehäufte Klugheit ihrer Vorfahren.
Richard Dawkins

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