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Gab es sie vielleicht doch, die letzten Neandertaler auf Gibraltar?

Gab es sie vielleicht doch, die letzten Neandertaler auf Gibraltar?
Stammt dieser verwaschene Fußabdruck aus Gibraltar von einem Neandertaler? Er soll 29.000 Jahre alt sein und die Theorie vom "Letzten Außenposten" untermauern.
Foto: © Universdad de Sevilla
WISSENSCHAFT ODER LEGENDE? Obwohl alle Studien der letzten Jahre dagegen sprechen, Forscher des Nationalmuseums Gibraltar bleiben dabei: In Südspanien haben die Neandertaler deutlich länger überlebt als im Rest Europas. Und ihr letzter Zufluchtsort soll der kleine Felsen an der Südspitze Spaniens gewesen sein.
Um ihre Meinung zu untermauern, haben die britischen Forscher nun ein weiteres "Beweisstück" vorgelegt. In einer Sanddüne in der Nähe des kleinen Urlaubsortes Catalan Bay wollen sie einen 29.000 Jahre alten Fußabdruck entdeckt haben, der von einem Neandertaler stammt.

Fußabdruck eines kleinen Menschen

Wie die Gibraltar-Forscher zusammen mit spanischen, portugiesischen und japanischen Kollegen im Fachmagazin Quaternary Science Reviews berichten, sind sie in der Sanddüne auf zahlreiche Fußabdrücke von Rotwild, Auerochsen, Leoparden und Elefanten gestoßen. Und zwischen diesen tierischen Hinterlassenschaften haben sie auch den Fußabdruck eines Menschen entdeckt.
Der Fund soll 29.000 Jahre alt sein und von einem jungen Menschen stammen, der zwischen 1,06 Meter und 1,36 Meter groß war. Und weil die Datierung mit den jüngsten Neandertaler-Hinterlassenschaften in der nahegelegenen Gorham-Höhle zusammenfällt, glauben die Forscher, dass es sich um einen Neandertaler gehandelt haben muss.
Sollte das stimmen, so die Archäologen, dann wäre es nach der Vatop-Höhle in Rumänien erst der zweite Fußabdruck, den man von einem Neandertaler entdeckt hat.

Gab es die 15-köpfige Sippe wirklich?

Die meisten Funde auf Gibraltar stammen aus der Gorham Höhle. Es handelt sich um Steinwerkzeuge, Knochen von Beutetieren, Muschelschalen, Feuerstellen und Ritzzeichnungen auf den Höhlenwänden. Einige wurden auf ein Alter von nur 23.000 Jahren datiert.
Die Forscher des Gibraltar National Museums und ihr Leiter Clive Finlayson sind davon überzeugt, dass sie von den letzten überlebenden Neandertalern stammen. Es soll sich um eine 15-köpfige Sippe gehandelt haben, die in der Höhle eine letzte Zuflucht fand, bevor sie ausstarb.

Oder waren das moderne Menschen?

Die Theorie von den "letzten Neandertalern" auf Gibraltar ist in der Fachwelt umstritten. Alle Studien der letzten Jahre kommen zu dem Ergebnis, dass die Neandertaler auch in Südspanien schon vor über 40.000 Jahren ausgestorben sind. Und so gehen die meisten Paläoanthropologen davon aus, dass die Gibraltar-Funde von frühen modernen Menschen, also vom Homo sapiens, stammen.
Es gibt sogar Stimmen, die den Gibraltar-Forschern unterstellen, ihre Entdeckungen sehr Neandertaler-freundlich zu interpretieren, um den Tourismus anzukurbeln. Das britische Überseegebiet (ehemalige Kronkolonie Großbritanniens) an der Südspitze Spaniens lockt jedes Jahr unzählige Besucher an und die Gorham Höhle ist seit dem Jahr 2016 Weltkulturerbe.
Überzeugende Beweise, dass vor 30.000 Jahren oder sogar noch später Neandertaler auf Gibraltar gelebt haben, konnten Clive Finlayson und sein Team bislang nicht vorlegen. Aber es gelingt ihnen vorzüglich, die Legende vom "Letzten Außenposten der Neandertaler" (Chris Stringer) am Leben zu erhalten.
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EVOLUTION & MEINUNG

Die Theorie ist eine Vermutung mit Hochschulbildung.
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