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Forscherteam findet in der Shanidar Höhle zwei weitere Neandertaler

Forscherteam findet in der Shanidar Höhle zwei weitere Neandertaler
Zehn Neandertaler hat man schon in der nordirakischen Shanidar Höhle gefunden. Nun haben Forscher die fossilen Überreste von zwei weiteren Individuen entdeckt.
Symbolfoto: © Ramuck
Seit dem Jahr 2015 graben Paläoanthropologen wieder in der berühmten Shanidar Höhle im Nordirak. Also an jenem Ort, wo man in den 60er Jahren die Überreste von neun Neandertalern freigelegt hat (ein Zehnter kam im Jahr 2006 hinzu). Und wie es aussieht, ist das neue Forscherteam ebenfalls fündig geworden. Man ist auf die Fossilien von zwei weiteren Neandertalern gestoßen. Das berichtet Kurdistan24, das Newsportal der kurdischen Regionalregierung.

Der Schädel ist fast vollständig, aber stark fragmentiert

Laut Emma Pomeroy von der John Moores Universität in Liverpool stammt einer der neuen Funde von einem erwachsenen Neandertaler, dessen Schädel beinahe vollständig erhalten ist, aber durch schwere Gesteinsschichten zerdrückt wurde. Ihn zu rekonstruieren, dürfte eine Weile dauern.
Direkt unter diesem Neandertaler-Schädel haben die Forscher die Überreste eines zweiten Neandertalers gefunden. Und da beide mit einem großen Stein bedeckt waren, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass diese beiden Personen gemeinsam bestattet wurden.
"Wir sind begeistert, zwei weitere Neandertaler entdeckt zu haben", freut sich Professor Christopher Hunt. "Und natürlich ganz besonders über den neuen Schädel."
Wie alt die neuen Fossilien sind, ist noch unklar. Allerdings scheinen sie jünger zu sein als alle bislang in der Shanidar Höhle entdeckten Neandertaler - möglicherweise jünger als 40.000 Jahre.

Dicke Schlagzeilen in den 60er Jahren

Die Neandertaler aus der Shanidar Höhle sorgten in den 60er Jahren weltweit für Schlagzeilen. Zum einen, weil man nicht damit gerechnet hatte, so weit im Osten auf Neandertaler-Fossilien zu stoßen, zum anderen weil zwei der Funde, Shanidar 1 und Shanidar 4, erstaunliche Geschichten zu erzählen hatten
Shanidar 1 stammte von einem ungewöhnlich alten Mann, der zahlreiche schwere Verletzungen aufwies, aber trotzdem sehr lange gelebt hatte. Daraus schloss man, dass die Neandertaler mitfühlende Menschen waren, die ihre Alten und Kranken gut versorgt haben. Für die damalige Zeit eine Sensation.
Noch dickere Schlagzeilen bekam Ralph Solecki von der Columbia Universität, als er Blütenpollen, die er beim Fossil Shanidar 4 gefunden hatte, im Geiste der Hippie-Ära als "Ältestes Blumengrab der Welt" deutete. Heute sieht man die Sache etwas nüchterner. Wahrscheinlich wurden die Pollen von Insekten gesammelt.
Unerwarteten Zuwachs bekam die neunköpfige Neandertaler-Community aus dem Nordirak im Jahr 2006, als Melinda Zeder vom Smithonian Institut noch einmal die fossilen Tierknochen aus der Shanidar Höhle durchforstete und dabei einen Beinknochen und mehrere Fußknochen fand, die von einem zehnten Neandertaler stammten.

Nun sind es zwölf Neandertaler

Nun scheint die Neandertaler-Gruppe, die vor etwa 65.000 bis 40.000 Jahren in der Shanidar Höhle gelebt hat, auf zwölf Individuen angewachsen zu sein.
Ausgewertet sind die Fossilien noch nicht, aber Professor Christopher Hunt von der John Moores Universität in Liverpool hofft, nun mehr darüber herauszufinden, wie diese Menschen gelebt haben und wie sie ihre Toten bestatteten. Denn vieles deutet darauf hin, dass die Shanidar Höhle auch als Friedhof genutzt wurde.
- - - Kurze Anmerkung zum Foto oben: Ein Bild der neuen Neandertaler-Fossilien können wir ihnen leider nicht präsentieren. Unser Foto zeigt eine Rekonstruktion von Shanidar 1.
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Es ist absurd und absolut unsinnig zu glauben, dass eine lebendige Zelle von selbst entsteht. Aber dennoch glaube ich es, denn ich kann es mir nicht anders vorstellen.
Ernest Kahane

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