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Frauen werden heute so alt, weil Omas für mehr Nachwuchs sorgen

Frauen werden heute so alt, weil Omas für mehr Nachwuchs sorgen
Großmütter haben Einfluss darauf, wieviele Kinder ihre Töchter haben. Zu diesem Ergebnis kommen zwei neue Studien aus Kanada und Finnland.
Foto: Public Domain, CC0
GROSSMUTTER HYPOTHESE Wenn Schimpansen-, Gorilla- oder Orang-Utan-Weibchen keinen Nachwuchs mehr gebären können, dann sterben sie. Ihre biologische Aufgabe ist erfüllt, sie werden nicht mehr gebraucht. Nur beim Menschen ist das anders. Menschenfrauen können auch nach Eintritt der Menopause noch lange leben - was evolutionsbiologisch eigentlich keinen Sinn macht.
Um dieses Phänomen zu erklären, ist die sogenannte Großmutter-Hypothese entstanden. Sie besagt, dass Menschenfrauen so lange leben, weil sie ihre Töchter bei der Aufzucht des Nachwuchses unterstützen und dafür sorgen, dass mehr ihrer Enkelkinder überleben - was definitiv ein evolutionsbiologischer Vorteil wäre.

Mehr Kinder, wenn die Oma in der Nähe lebt

Im Fachmagazin Current Biology sind zwei neue Studien erschienen, die der Großmutter-Hypothese auf den Grund gegangen sind. Haben Frauen wirklich mehr Kinder, wenn sie von der Großmutter unterstützt werden? Verbreiten sich die Gene dieser langlebigen Großmütter dadurch stärker?
Beide Forscherteams haben einen ähnlichen Ansatz gewählt, um diesen Fragen nachzugehen. Sie haben alte Kirchenchroniken, Einwohnerverzeichnisse und Geburtsregister ausgewertet, um herauszufinden, ob Töchter, die in der Nähe ihrer Mutter gelebt haben, mehr Nachwuchs hatten als ihre Schwestern, die nach der Heirat fortgezogen sind.

Mehr Kinder, wenn die Oma in der Nähe lebte

Eine kanadische Studie hat sich Siedlerfamilien gewidmet, die im 17. Jahrundert in der Nähe von Quebec gelebt haben. Damals hatten Frauen im Schnitt acht Kinder. Doch die Kindersterblichkeit war hoch. Viele Kinder starben jung. Allerdings fanden die Forscher heraus, dass Frauen, die in der Nähe ihrer Mütter blieben, deutlich mehr ihrer Kinder durchbrachten als ihre Schwestern, die nach der Heirat an einen anderen Ort fortgezogen waren.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Forscher, die sich die Stammbäume von Familien angeschaut haben, die im 18. und 19. Jahrhundert in Finnland lebten. Auch hier hatten Frauen mehr Kinder, wenn die Oma in Reichweite war. Ihre Schwestern, die den Heimatort verließen, brachten deutlich weniger Nachwuchs durch.

Einfluss der Großmutter nimmt mit dem Alter ab

Beide Studien kommen zu dem Ergebnis, dass an der Großmutter-Hypothese etwas dran sein könnte. Werden Mütter beim Großziehen des Nachwuchses von der Oma unterstützt, dann haben sie mehr Nachwuchs. Und das könnte über viele Generationen dazu geführt haben, dass sich die Gene dieser langlebigen Omas verbreitet haben und die Frauen immer älter wurden.
Allerdings haben die finnischen Forscher eine interessante Beobachtung gemacht. Der positive Einfluss der Großmutter auf die Zahl der Enkelkinder scheint altersabhängig zu sein. War die Oma zum Beispiel 40 Jahre alt, dann hatten ihre in der Nähe lebenden Töchter mehr Kinder als bei 60-jährigen oder noch älteren Großmüttern.
Die Wissenschaftler vermuten, dass Großmütter damals ab einem gewissen Alter so viele Enkelkinder hatten, dass sie sich nicht mehr um alle kümmern konnten. Dadurch nahm ihr Einfluss auf die Kinderzahl der Töchter mit zunehmendem Alter ab und ist heute statistisch nicht mehr nachweisbar.
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