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Es gab nicht den einen gewaltigen Einschlag, sondern viele kleine

Es gab nicht den einen gewaltigen Einschlag, sondern viele kleine
Vor 12.800 Jahren ist nicht ein einzelner großer Meteorit eingeschlagen und hat die Megafauna und die Clovis-Indianer ausgelöscht, sondern es waren mehrere Himmelskörper.
Symbolbild
DER TOD KAM AUS DEM ALL Vor 12.800 Jahren starben nicht nur fast alle großen Säugetiere aus, sondern auch menschliche Zivilisationen wie die nordamerikanische Clovis-Kultur verschwanden von der Bildfläche. Und seit zehn Jahren wird kontrovers darüber diskutiert, ob der Einschlag eines großen Meteoriten oder Kometen dafür verantwortlich gewesen sein könnte.
Diese Theorie, die man als "Jüngere Dryas Einschlag Hypothese" bezeichnet, wird nicht von allen Forschern unterstützt. Der simple Grund dafür ist: Bislang hat man auf der Erde keinen Einschlagkrater finden können, der zu einem Impact dieser Größenordnung passen würde.
Ein internationales Forscherteam hat nun Hinweise darauf gefunden, dass es sich nicht um einen einzelnen großen Einschlag gehandelt hat, sondern um eine Art Flächenbombardement mittelgroßer Himmelskörper, die nicht nur die nördliche Hemisphäre, sondern auch Südamerika getroffen haben.

Schwarze Schicht und danach kein Leben

Wie Dr. Mario Pino von der Universidad Austral de Chile und seine Kollegen in Fachmagazin Scientific Reports berichten, sind sie in der archäologischen Fundstätte Pilauco in Chile auf eine dicke schwarze Sedimentschicht gestoßen, die 12.800 Jahre alt ist und auf gewaltige Feuersbrünste hinweist, die es damals gegeben haben muss.
In dieser "Biomasseschicht" fanden die Forscher nicht nur jede Menge verbranntes biologisches Material, sondern auch kleine Kugeln aus Mineralien, die sich nur bei großer Hitze bilden. Außerdem sind sie auf eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Platin-, Gold- und Eisenpartikeln gestoßen, die in der Natur sehr selten vorkommen.
Bemerkenswert an der "schwarzen Matte" ist nach Ansicht der Forscher, dass es in den darunter liegenden Sedimenten noch jede Menge Überreste von großen Säugetieren und menschliche Hinterlassenschaften gibt. Zum Beispiel Knochen von Mammuts, Säbelzahnkatzen und Ur-Elefanten sowie Werkzeugartefakte. Doch in den jüngeren Sedimenten findet sich nichts mehr davon. Keine Überreste von Menschen oder großen Säugetieren.

Feuersbrünste auf mehreren Kontinenten

Weil man auf anderen Kontinenten ähnliche Funde gemacht hat und weil andere Forscher erst kürzlich in Grönland einen Einschlagkrater entdeckt haben, der aus der gleichen Zeit stammt, kommen Mario Pino und sein Team zu dem Ergebnis, dass es kein einzelner großer Himmelskörper war, der die damalige Katastrophe ausgelöst hat, sondern ein auseinander gebrochener Eisenmeteorit oder Komet, dessen Trümmer gleichzeitig in Nord- und Südamerika, Europa und Westasien eingeschlagen sind.
Die Folge waren gewaltige Feuersbrünste, die große Teile der nördlichen und südlichen Hemisphäre verwüstet und zum Aussterben der quartären Megafauna und der Clovis-Indianer geführt haben.
Allerdings hatten die Einschläge für die Nordhalbkugel und die Südhalbkugel unterschiedliche Auswirkungen. Während es auf der Nordhalbkugel deutlich abkühlte und sich noch einmal neue Gletscher bildeten, gab es auf der Südhalbkugel einen Temperaturanstieg. Die Forscher bezeichnen das als "Wippeffekt". Die unterschiedlichen Luftströme auf der Nord- und Südhalbkugel haben sich gegenseitig beeinflusst.

Die neue Theorie erklärt das Fehlen eines großen Kraters

"Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass es in der jüngeren Dryas ein extremes globales Ereignis gab, das große Auswirkungen auf die Tierwelt und das menschliche Leben hatte", sagt der Geologe James P. Kennett von der University of California, der an der Studie beteiligt war. "Und das, was wir in Pilauco gefunden haben, stimmt damit überein."
Das Interessante an der neuen Theorie ist, dass sie erklärt, warum man nirgends auf der Erde einen "richtig großen" Einschlagkrater gefunden hat, der diese globale Katastrophe erklären würde. Wahrscheinlich ist ein Meteorit oder Komet zerbrochen und zahlreiche Trümmerteile sind weit verstreut auf der Erde eingeschlagen. Und das hatte für Mensch und Tier verheerende Folgen.
Während alle großen Säugetiere und die Clovis-Indianer in Nordamerika diesen Einschlag nicht überlebt haben, kämpften die Menschen in Europa und Vorderasien mit extremer Kälte und Trockenheit, was zu Nahrungsknappheit und Hunger führte. Möglicherweise machten sie aus der Not eine Tugend. Sie erfanden kurze Zeit später die Landwirtschaft, um ihr Überleben zu sichern.
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