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Ron Clarke veröffentlicht erste Studien über Fossil Little Foot

Ron Clarke veröffentlicht erste Studien über Fossil Little Foot
Nach 20 Jahren sind erste Studien über Fossil Little Foot erschienen. Allerdings wurden die Forschungsberichte nicht von unabhängigen Gutachtern geprüft.
Foto: © Crompton et al.
LANGZEITSTUDIE Hurra, es ist passiert. Nach zwanzig Jahren hat Ron Clarke erste wissenschaftliche Arbeiten über Fossil StW 573 - besser bekannt als Little Foot - veröffentlicht. Allerdings handelt es sich lediglich um vier Papiere, die im freien Online-Archiv "bioRxiv" erschienen sind, und nicht um peer-reviewte Studien in einem renommierten Fachmagazin wie Nature oder Science.
Warum die plötzliche Eile? Weil Clarke's südafrikanische University of Witwatersrand die Notbremse gezogen und ihm eine letzte Frist gesetzt hat, endlich etwas zu veröffentlichen. Und weil ein zweites Forscherteam unter der Leitung von Lee Berger (endlich) die Erlaubnis bekam, die Fossilien von Little Foot ebenfalls zu untersuchen. Clarke will offenbar verhindern, dass Berger in wenigen Monaten schafft, was ihm in zwanzig Jahren nicht gelungen ist.

Die Fossilien stammen von einer Australopithecus-Frau

Was verraten uns die jetzt veröffentlichten Untersuchungen über Little Foot, dessen Fossilien im Jahr 1998 in einer südafrikanischen Höhle entdeckt wurden? Nun ja, zunächst mal dies: Little Foot war kein Mann, sondern eine nicht mehr ganz junge Australopithecus-Frau, die vor 3,6 Millionen Jahren gelebt hat.
Wir sprechen hier also über Mrs. Little Foot. Und ihre Fossilien unterscheiden sich deutlich vom Australopithecus africanus, weshalb Ron Clarke und sein Team die neue Art "Australopithecus prometheus" aus der Taufe heben möchte.
Mrs. Little Foot war etwa 1,30 Meter groß und ihre Vorderarme waren kürzer als ihre Hinterbeine, was darauf schließen lässt, dass sie nicht mehr besonders gut klettern konnte. Aber so richtig gut aufrecht gehen konnte sie auch noch nicht. Wenn überhaupt, dann schaffte sie allenfalls hundert Meter - und das in gemächlichem Tempo. Außerdem war sie überzeugte Veganerin, das verraten ihre Zähne.

Neue Art und gebrochener Arm

Mrs. Little Foot und damit der Australopithecus prometheus stehen den frühen ostafrikanischen Australopithus-Arten wie A. anamensis und A. afarensis deutlich näher als dem südafrikanischen Australopithecus africanus, schreibt Ron Clarke. Deshalb schlägt er vor, noch einmal alle Funde von Australopithecus africanus genauer unter die Lupe zu nehmen. Er glaubt, dass mehrere Fossilien, die man bislang Australopithecus africanus zugeordnet hat, von Australopithecus prometheus stammen könnten.
Unter dem Strich kommen Ron Clarke und seine US-amerikanischen und britischen Kollegen zu dem Ergebnis, dass es in Südafrika nicht nur den Australopithecus africanus gab, sondern eine zweite Art, die sie als Australopithecus prometheus bezeichnen. Und die könnte das evolutionäre Bindeglied zwischen Australopithecus und Paranthropus sein. Was bedeuten würde, dass Little Foot zu einem ausgestorbenen Seitenarm der menschlichen Evolution gehörte.
Nichts Neues unter der Sonne Südafrikas, möchte man meinen. Immerhin haben Clarke und sein Team ein interessantes Detail entdeckt. Mrs. Little Foot besaß einen verkrüppelten linken Unterarm. Sie fanden einen verheilten Bruch, den sich die Australopithecus-Dame in jungen Jahren zugezogen haben muss. Wahrscheinlich fiel sie von einem Baum. Und diese Verwachsung muss ihr Zeit ihres Lebens Probleme bereitet haben.

Die neuen Papiere wurden noch nicht begutachtet

Wie gesagt, die vier Papiere, die im Online-Archiv "bioRxiv" (steht für Bio-Archiv) erschienen sind, wurden nicht peer-reviewed - also nicht von unabhängigen Gutachtern analysiert und bewertet, wie es bei renommierten Fachmagazinen üblich ist. Es wurden auch keine detaillierten Daten veröffentlicht, die den Erkenntnissen zugrunde liegen und die andere Forscher überprüfen können.
Die Ausrufung der neuen Art "Australopithecus prometheus" steht also auf dünnem Eis. Trotzdem schreiben internationale Medien wie die britische Daily Mail bereits "New human ancestor discovered" - was deninitiv übertrieben ist, denn Little Foot war allenfalls ein entfernter Verwandter der Gattung Homo.

Prometheus ist keine so gute Idee

Angeblich soll bald (oder irgendwann) eine ausführliche, peer-reviewte Studie im Fachmagazin Journal of Human Evolution erscheinen. Und natürlich erwarten wir mit Spannung die "Alternativ-Studie" von Lee Berger, die für das Frühjahr 2019 angekündigt ist.
Ob Fast and Furios-Paläoanthropologe Lee Berger, der Australopithecus sediba und Homo naledi in Rekordzeit untersucht und beschrieben hat, nach nur wenigen Monaten Arbeit zu den gleichen Ergebnissen kommt wie Ron Clarke nach zwanzig Jahren? Immerhin ließ Berger in einem Interview schon mal durchblicken, dass er den neuen Artnamen - Australopithecus prometheus - für unglücklich gewählt hält und wohl nicht unterstützen wird.
Little Foot ist ein ungewöhnlich vollständiges und exzellent restauriertes Fossil - Danke, Mr. Clarke - aber ob der Wirbel, der seit Jahren um den Fund gemacht wird, wissenschaftlich angemessen ist ... man darf da so seine Zweifel haben.
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Die größte Tragödie in der Wissenschaft überhaupt ist der Tod einer wunderschönen Hypothese durch die Hand einer hässlichen Tatsache.
Thomas Henry Huxley

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