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Erste Kritik an der neuen asiatischen Menschenart Homo luzonensis

Erste Kritik an der neuen Menschenart Homo luzonensis
Der australische Paläoanthropologe Darren Curnoe hält die Ausrufung der neuen Menschenart Homo luzonensis für voreilig. Vor allem die Datierung scheint ihm unzuverlässig.
Quelle: Darren Curnoe
PALÄO BAUCHSCHMERZEN Kaum ist der neue philippinische Zwergmensch Homo luzonensis auf dem Markt, da will man ihm schon an den Kragen. Nicht alle Forscher sind glücklich mit der Ausrufung der neuen Menschenart. Die Fossilien sind ihnen zu spärlich, der Erhaltungszustand zu schlecht.
Der australische Paläoanthropologie-Professor Darren Curnoe von der Universität New South Wales hat im Debattenportal The Conversation eine ausführliche Kritik veröffentlicht. Vor allem die Datierung der Fossilien liegt ihm schwer im Magen.

Fossilien sind in einem sehr schlechten Zustand

Was stört Curnoe? Zum einen, dass es sehr wenige Funde sind, die sich in einem sehr schlechten Zustand befinden. Die Zähne von ein oder zwei Individuen sind laut Curnoe extrem stark abgenutzt und zum Teil zerbrochen. "Da gibt es nicht mehr viel Anatomie, die man untersuchen könnte."
Auch die evolutionäre Verbindung, die von den Entdeckern des Homo luzonensis zum afrikanischen Australopithecus hergestellt wird (ähnliche Hände und Füße), gefällt Curnoe nicht. Er hält es für sehr unwahrscheinlich, dass etwas, das dem Australopithecus ähnelt, fast zwei Millionen Jahre und die lange Reise von Ostafrika nach Südostasien überstanden hat, ohne sich dabei zu verändern.

Nur eine Datierungsmethode genutzt?

Richtige Bauchschmerzen hat Curnoe aber wegen der Datierung der Fossilien. In der Beschreibung der neuen Menschenart wird nämlich nur eine Uran-Thorium-Altersbestimmung erwähnt. Und die ist laut Curnoe bei Zähnen und Knochen extrem unzuverlässig. "Offen gesagt, einige meiner Kollegen akzeptieren diese Methode gar nicht."
Normalerweise ist es üblich, das Alter von Fossilien mehrmals und mit unterschiedlichen Techniken zu bestimmen und die Daten auf ein plausibles Alter abzugleichen. Entweder ist das nicht passiert, so Curnoe, oder wenn es gemacht wurde, dann hat man die Ergebnisse nicht veröffentlicht.
Darren Curnoe: "Diese Fossilien könnten 55.000 oder 550.000 Jahre alt sein. Und das würde einen großen Unterschied hinsichtlich ihrer Bedeutung und ihres Platzes in der menschlichen Evolution ausmachen."

Packt das erst mal in eine Kiste

Professor Curnoe empfiehlt mehr Zurückhaltung, wenn es darum geht, eine neue Menschenart auszurufen, und bemüht an dieser Stelle Paläoanthropologie-Altmeister Louis Leakey, der seinen tatendurstigen jungen Kollegen einmal geraten hat, alle unklaren Funde erst mal in eine Kiste zu packen und zu warten, ob etwas Neues auftaucht, das Licht in die Angelegenheit bringt.
Eigentlich ein guter Rat, möchte man meinen. Doch Curnoe's Kritik an seinen Kollegen entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Schließlich hat er mit dem Homo gautengensis und den Rotwildhöhlen-Menschen selbst schon zwei neue Menschenarten vorgeschlagen, die von seinen Kollegen abgelehnt und ins anthropologische Jenseits befördert wurden.
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Die Überreste unserer Vorfahren beweisen eindeutig, dass wir von Affen abstammen. Jeder einzelne dieser Knochen ist ein stichhaltiger Beleg für die Evolution und reicht allein schon aus, um die Behauptungen der Kreationisten zu entkräften.
Steve Jones

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