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Archäologen-Team entdeckt erste figürliche Kunst auf dem Balkan

Archäologen-Team entdeckt erste figürliche Kunst auf dem Balkan
Diese Höhlenmalerei haben Forscher in Kroatien gefunden. Obwohl die Datierung unklar ist, scheint es sich um die älteste Felsmalerei auf der Balkan-Halbinsel zu handeln.
Foto: © Aitor Ruiz-Redondo
Dass der moderne Mensch, der während der Eiszeit in Europa lebte, ganz gerne Höhlen bemalt und figürliche Darstellungen von Tieren hinterlassen hat, ist bekannt. Doch auf dem Balkan hat man bislang keine Höhlenkunst finden können. Das hat sich nun geändert.
Wie britische, kroatische, französische, kanadische und spanische Archäologen berichten, haben sie in der Romualdo-Höhle auf der kroatischen Halbinsel Istrien eine Wandmalerei freigelegt, die mehrere Tiere und Fabelwesen in Menschengestalt zeigt.

Bison, Steinbock und Fabelwesen

Erste Spuren der Felsmalerei entdeckte Darko Komso, Direktor des Archäologischen Museums von Istrien, bereits im Jahr 2010. Ihm fielen rote Farbpigmente im hinteren Teil der Höhle auf. Allerdings war nicht klar, woher sie stammten und wie alt sie waren.
In jahrelanger mühsamer Kleinarbeit hat ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Aitor Ruiz-Redondo von der britischen Universität Southampton die Felswände analysiert und nach und nach immer mehr figürliche Darstellungen freigelegt. Sie zeigen u.a. ein Bison, einen Steinbock und zwei wahrscheinlich anthropomorphe Figuren - also Mischwesen aus Mensch und Tier.

Feuersteinklingen und Ockerstifte

Im Erdreich unter den Höhlenmalereien haben die Forscher außerdem einige Feuerstein-Klingen, einen "Malstift" aus Ocker und Kohle-Fragmente gefunden, die belegen, dass die Wandbilder tatsächlich aus der Eiszeit stammen und nicht später aufgetragen wurden.
Unklar ist das Alter der Höhlenbilder. Eine Radiokarbon-Datierung kommt auf ein Alter von nur 17.000 Jahren. Mehrere indirekte Datierungen lassen allerdings vermuten, dass sie aus der Zeit vor 31.000 bis 34.000 Jahren stammen. Sollte sich letzteres bestätigen, dann stammen die kroatischen Höhlenbilder aus der gleichen Zeit wie berühmte Wandbilder aus Frankreich und Spanien.

Die Untersuchungen werden fortgesetzt

Dr. Aitor Ruiz-Redondo: "Die Bedeutung dieses Fundes ist bemerkenswert und wirft ein neues Licht auf unser Verständnis der paläolithischen Kunst auf dem Balkan und seiner Beziehungen zum Rest Europas."
Oder anders formuliert: Die frühen modernen Menschen, die während der Eiszeit in Kroatien gelebt haben, waren kulturell ähnlich drauf wie ihre Kollegen in Frankreich, Spanien und Italien. In Mitteleuropa dagegen hat man bislang keine Höhlenkunst finden können. Dies lässt vermuten, dass es kulturelle Beziehungen entlang der Mittelmeerküste gab.
Dr. Ruiz-Redondo hat angekündigt, dass es ein weiteres Forschungsprojekt geben wird, um die Höhlenkunst auf dem Balkan zu untersuchen. Er ist bereits dabei, ein neues Forscherteam zusammenzustellen. Das Projekt wird von der British Academy finanziert, die so etwas wie die Akademie der Wissenschaften des Vereinigten Königreiches ist.
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