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Retraction Watch. Die Datenbank für Studien, die es nicht geben dürfte

Retraction Watch. Die Datenbank für Studien, die es nicht geben dürfte
Die Webseite Retraction Watch hat 18.000 wissenschaftliche Studien gesammelt, die nach wie vor zitiert werden, obwohl sie schon vor Jahren offiziell zurückgezogen wurden.
Symbolbild
BÖSE DATEN Das Internet vergisst nichts. Das gilt leider auch für wissenschaftliche Studien, deren Ergebnisse längst widerlegt sind und die offiziell zurückgezogen wurden. Trotzdem werden diese Studien immer wieder zitiert und verfälschen so Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Artikel.
Warum werden Studien zurückgezogen? Das kann mehrere Gründe haben. Manchmal irren sich Forscher oder sie ziehen falsche Schlüsse. Manchmal lassen sich die wissenschaftlichen Versuchsreihen nicht replizieren. Und manchmal stellt sich heraus, dass wissenschaftliche Daten manipuliert oder komplett gefälscht wurden.

Studien, die nicht totzukriegen sind

Die Online-Datenbank retractionwatch.com will das nun ändern. Wissenschaftsjournalisten haben dort 18.000 Studien gesammelt, die "retracted" wurden, wie es im Wissenschafts-Englisch heißt. Jeder Forscher oder Journalist kann dort nachschauen, ob die Studie, die er zitieren möchte, noch State of the Art ist oder ob er besser die Finger davon lässt.
Die Retraction Watch Database basiert auf einem Blog, der im Jahr 2010 von den Medizin-Journalisten Ivan Oransky und Adam Marcus ins Leben gerufen wurde. Ihnen war damals aufgefallen, dass sich unter den meistzitierten wissenschaftlichen Arbeiten mehrere Studien befanden, die längst aus dem Verkehr gezogen worden waren.

Eine Liste mit auffälligen Forschern

Auf retractionwatch.com findet man auch eine Rangliste von Forschern, die besonders viele Studien veröffentlicht haben, die später zurückgezogen werden mussten. Einsamer Spitzenreiter ist der japanische Mediziner Yoshitaka Fujii, der zwischen 1993 und 2011 mehr als 200 Studien veröffentlicht hat, von denen 183 "retracted" wurden. Im Jahr 2012 wurde er von seinem Arbeitgeber, der Toho Universität, gefeuert.
Immer diese Japaner, werden sie nun sagen. Doch bereits auf den Plätzen zwei, drei und vier folgen ein deutscher, ein niederländischer und ein US-amerikanischer Professor, die ebenfalls ein stattliches Arsenal zurückgezogener wissenschaftlicher Arbeiten vorzuweisen haben. Allen drei wurde vorgeworfen, Daten manipuliert oder frei erfunden zu haben. Auch sie wurden gefeuert.

Schlechte Studien können böse Folgen haben

Einzelfälle? Wahrscheinlich nicht. Immer wieder manipulieren oder fälschen Forscher Datensätze, um zu sensationellen Ergebnissen zu gelangen, die ihnen dicke Schlagzeilen und Ruhm einbringen sollen. So wie der Japaner Yoshihiro Sato, der seine medizinischen Daten über Jahre systematisch gefälscht haben soll. Als ihm britische und neuseeländische Forscher auf die Schliche kamen, nahm er sich das Leben.
Eine Datenbank wie Retraction Watch war also längst überfällig. Denn "böse" Studien sind nicht nur Worte auf Papier, sondern haben zum Beispiel Einfluss auf medizinische Behandlungsmethoden. Und wenn die Studien falsch oder gefälscht sind, dann kann das für die Patienten verhängnisvolle Folgen haben.

Das Archiv der lebenden Toten

Ganz ausmerzen lassen sich solche Science-Zombies wahrscheinlich nicht. So ist den Betreibern von Retraction Watch aufgefallen, dass einige Studien sogar häufiger in nachfolgenden Arbeiten zitiert wurden, nachdem sie offiziell als unhaltbar gebrandmarkt und aus dem Verkehr gezogen worden waren. Aber irgendwo in den Untiefen des Internets scheint es sie immer noch zu geben.
In einer dieser Studien behauptet zum Beispiel ein Forscher, er habe ein Protein entwickelt, das die gleiche Wirkung wie Insulin hat. Doch Diabetiker sollten ihren Arzt besser nicht danach fragen. Die Studie wurde schon vor Jahren als wissenschaftlicher Nonsens "retracted".
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Wir sind, um es einmal so zu formulieren, eigentlich nur die Neandertaler von morgen.
Hoimar von Ditfurth

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