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Ein moderner Mensch aus China mit den Zähnen eines Homo erectus

Ein moderner Mensch aus China mit den Zähnen eines Homo erectus
Die außergewöhnlich archaischen Zähne eines Homo sapiens, der vor etwa 15.000 Jahren in Südchina lebte. Viele Merkmale ähneln noch denen des Urmenschen Homo erectus.
Foto: © Wei Liao
ARCHAISCHE BEISSERCHEN Die Evolution des Menschen in Asien verlief anders als in Afrika und Europa. Das wissen die Forscher schon lange. Es gibt viele außergewöhnliche Fossilien, die in kein Entwicklungsschema passen. Zu diesem Ergebnis kommen auch Experten des spanischen Forschungszentrums CENIEH, die das Gebiss und die Zähne eines Homo sapiens aus Südchina untersucht haben.
Die Zahn-Fossilien, die Maria Martinon Torres, Jose Maria Bermudez de Castro und ihre Kollegen analysiert haben (Dushan 1), stammen zweifelsfrei von einem modernen Menschen. Allerdings sind die Forscher auf Merkmale gestoßen, die man beim heutigen Menschen nicht mehr findet und die typisch für den Homo erectus aus dem mittleren Pleistozän sind, also für die Zeit vor 700.000 - 125.000 Jahren.

Isolierte Population oder Vermischung

Die Forscher bieten für diesen ungewöhnlichen anatomischen Mix aus modernen und abgeleiteten Merkmalen zwei mögliche Erklärungen an.
Erklärung 1 lautet: Der Dushan-Mensch gehörte zu einer Gruppe moderner Menschen, die Afrika schon früh verlassen, sich in Asien ausgebreitet und in abgelegenen Regionen völlig isoliert gelebt hat. Dadurch sind anatomische Merkmale ihres Vorfahren, des Homo erectus, erhalten geblieben, die man bei anderen modernen Menschen dieser Zeit nicht mehr findet.
Jose Maria Bermudez de Castro: "Vielleicht haben wir hier den Fall einer längeren Isolation einer einzelnen Gruppe, in der primitive Merkmale der ersten Vertreter des Homo sapiens erhalten geblieben sind."
Erklärung 2 sieht so aus: Als sich die Vorfahren des Dushan-Menschen in Südasien ausbreiteten, lebten dort noch ursprünglichere Vertreter der Gattung Homo - möglicherweise Homo erectus. Und so wie sich der moderne Mensch in Europa mit dem Neandertaler vermischt hat, fand auch in Asien eine Hybridisierung mit dieser anderen, deutlich älteren Menschenart statt.

Moderne "Alte" und alte "Moderne"

In ihrer Studie, die im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht wurde, schreiben die spanischen Forscher: "Unsere Studie zeigt die extreme Variabilität endpleistozäner Populationen in China. Die zahnmedizinische Morphologie von Dushan 1 legt nahe, dass es sich um ein Homo sapiens-Individuum mit ungewöhnlicher Beibehaltung vieler Ahnenmerkmale handelt."
Die neuen Forschungsergebnisse decken sich mit dem aus Asien bekannten Fossilbestand. Man hat 200.000 Jahre alte Überreste von Menschen gefunden, die zum Teil bereits erstaunlich modern aussahen (Jinniushan, Dali), während Menschen, die dort in den letzten 20.000 gelebt haben, eine überraschend primitive Anatomie aufweisen (Longlin, Maludong, Dushan).

Genfluss des Neandertalers nach Asien?

Wie das alles zusammen passt, ist den Forschern bislang ein Rätsel. Die Funde ergeben kein einheitliches Schema, das eine Entwicklung von A nach B erkennen lässt. Die völlig unterschiedlichen Fossilien lassen sich weder mit der Out of Africa-Theorie noch mit dem multiregionalen Modell erklären.
Einige Forscher spekulieren, dass die Neandertaler eine Rolle gespielt haben könnten. So vermutete der chinesische Paläoanthropologe Liu Wu schon vor zehn Jahren, dass es einen Genfluss von den europäischen Neandertalern zum asiatischen Homo sapiens gegeben haben könnte. Allerdings ist diese Theorie umstritten, weil man in Ost- und Südasien bislang keine Neandertaler-Fossilien entdeckt hat.
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EVOLUTION & MEINUNG

Die meisten Arten zeigen keine gerichteten Veränderungen während ihrer Existenz auf Erden. Von ihrer Erscheinungsform im Fossilbericht her sehen sie fast genauso aus wie zum Zeitpunkt ihres Verschwindens.
Stephen Jay Gould

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