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Darfs ein bisschen Denisova mehr sein? Es gab drei Populationen

Darfs ein bisschen Denisova mehr sein? Es gab drei Populationen
Sogar in 430.000 Jahre alten Fossilien aus Spanien hat man Denisova-Gene gefunden. Und wie es aussieht, gab es in Sibirien und Asien drei genetisch unterschiedliche Populationen.
Archivfoto: © Kennis & Kennis / Madrid Scientific Films
DENISOVAS HOCH DREI Es gab nicht nur einen Denisova-Menschen, sondern mindestens drei. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Gen-Studie, die neuseeländische und indonesische Forscher im Fachmagazin Science veröffentlicht haben. Die Gen-Varianten dieser drei "Unterarten" unterscheiden sich erheblich, sagen Murray Cox von der Massey University in Palmerston, Herawati Sudoyo vom Eijkman Institute for Molecular Biology in Jakarta und ihre Kollegen.
Außerdem kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass es noch vor 10.000 bis 15.000 Jahren auf der Insel Neuguinea Denisovas gegeben haben muss, die sich mit modernen Menschen vermischt haben.

Es gab drei genetisch unterschiedliche Denisova-Menschen

Murray Cox, Herawati Sudoyo und ihr Team haben die Gene von 161 Menschen analysiert, die aus 14 verschiedenen Volksgruppen stammen, die heute auf Neuguinea und in Indonesien leben. Und bei 60 dieser Testpersonen fanden sie Denisova-Gene. Doch diese Gene gleichen nicht der Denisova-DNA, die man in Sibirien gefunden hat, und weisen auch untereinander große Unterschiede auf.
Die Forscher haben die Denisovas deshalb in drei Populationen aufgeteilt. Die sibirische Population bezeichnen sie als D0. Die beiden ostasiatischen Populationen als D1 und D2.

Neuer Name für die D2-Denisovas

Die Unterschiede zwischen den sibirischen D0-Denisovas und den ostasiatischen D2-Denisovas sind so groß, dass die letzten gemeinsamen Vorfahren dieser beiden Populationen vor 363.000 Jahren gelebt haben müssen, schreiben die Forscher in ihrer Studie.
Aber auch zwischen den D1- und D2-Populationen auf der Insel Neuguinea und in Indonesien gibt es erhebliche Abweichungen. Wie es aussieht, gehen diese beiden Gruppen - trotz der territorialen Nähe - schon seit 283.000 Jahren getrennte Wege.
Die genetischen Abweichungen zwischen den drei Denisova-Gruppen sind so groß wie die genetischen Unterschiede zwischen Denisova-Mensch und Neandertaler, sagt Murray Cox. "Die Denisovas waren keine in sich geschlossene Gruppe." Er schlägt deshalb vor, zumindest die D2-Denisovas umzubenennen. "Wir brauchen einen neuen Namen."

Letzte Vermischung vor 10.000 oder 15.000 Jahren

Cox, Sudoyo und Co. haben noch eine weitere bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Die DNA der D1-Denisovas findet man nur bei Menschen aus Neuguinea. Und sie befindet sich auf großen stabilen Chromosomen-Abschnitten, die sich noch nicht durch die Vermischung mit anderen modernen Menschen verändert haben.
Die Forscher vermuten deshalb, dass diese Denisova-Gene erst vor 10.000 bis 15.000 Jahren ins Erbgut des modernen Menschen gelangt sind. Heißt konkret: Vor 10.000 bis 15.000 Jahren müssen noch Denisovas gelebt haben. Bislang dachte man, dass die asiatischen Vettern des Neandertalers schon vor 50.000 Jahren ausgestorben sind. "In den Bergen Neuguineas scheinen sie länger überlebt zu haben", sagt Murray Cox.

Oder gab es gar keine Denisovas?

Wie immer, wenn es um die Denisovas geht, muss man hinzufügen, dass es renommierte Forscher gibt, die nicht an die Existenz des Denisova-Menschen glauben. Sie halten ihn für ein DNA-Phantom.
Schon im Jahr 2012 haben Genetiker wie Melinda Yang von der Universität Berkeley und Anders Erikson von der Universität Cambridge darauf hingewiesen, dass die Gene, die man als Vermischung von Homo sapiens und Neandertaler oder als Denisovas interpretiert hat, vom einem gemeinsamen Vorfahren stammen könnten.
Sie sagen: Als der Homo sapiens Afrika vor 60.000 Jahren verließ und sich nach Asien und Europa ausbreitete, waren wahrscheinlich einige moderne Menschen darunter, die noch eng mit dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Homo sapiens und Neandertaler verwandt waren. Und Überbleibsel dieser Uralt-Gene findet man heute noch beim modernen Menschen. Sie sind nicht durch die Vermischung mit dem Neandertaler entstanden und es gab auch keine Denisovas.
Welche der beiden kontroversen Lehrmeinungen sich am Ende durchsetzt, muss man abwarten. Was bislang definitiv fehlt, ist ein überzeugendes Fossil, das die Existenz des Denisova-Menschen belegt. Bislang hat man lediglich in Sibirien ein paar Knöchelchen und Zähne gefunden - die auch von einem Neandertaler stammen könnten.
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