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Früh übt sich, was ein richtiger Neandertaler werden will

Früh übt sich, was ein richtiger Neandertaler werden will
Ein Schädel aus der spanischen Höhle Sima de los Huesos. Er ist wahrscheinlich 448.000 Jahre alt und weist bereits Neandertaler-Merkmale auf.
Foto: © Dorieo, CC BY-SA 4.0 Lizenz
UNGEWÖHNLICHE URMENSCHEN In der nordspanischen Höhle Sima de los Huesos hat man tausende fossile Knochen gefunden, die von 28 Individuen stammen. Die Fossilien sind mindestens 430.000 Jahre alt und wurden deshalb dem Homo heidelbergensis zugeordnet. Allerdings weisen alle Skelette bereits Merkmale auf, die typisch für den 300.000 Jahre später lebenden "klassischen" Neandertaler sind.
Das ist bemerkenswert, denn andere europäische Fossilien aus dieser Zeit - zum Beispiel aus Frankreich - besitzen diese Neandertaler-Merkmale nicht. Und so gibt es inzwischen Forscher, die die spanischen Funde nicht mehr dem Homo heidelbergensis zuordnen möchten, sondern sie als Proto-Neandertaler bezeichen - also als frühe Neandertaler.

Die Fossilien sind sogar etwas älter

Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass es vor etwa 450.000 Jahren in Europa nicht nur einen Urmenschen namens Homo heidelbergensis gab, sondern mehrere Entwicklungslinien. Doch nur eine davon kann sich zum Neandertaler entwickelt haben. Und es häufen sich die Hinweise, dass das in Spanien geschah.
Für diese Theorie spricht auch eine neue Studie, die Forscher der australischen Universität Adelaide im Fachmagazin Journal of Human Evolution veröffentlicht haben. Martina Demuro und ihre Kollegen haben die Sedimentschichten in der Höhle Sima de los Huesos noch einmal neu datiert. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Fossilfunde etwa 448.000 Jahre alt sind - also etwas älter als bislang gedacht.

Neandertaler-Merkmale durch anderes Klima

Was aber noch deutlich schwerer wiegt: Die Forscher glauben, das die Sedimente, in denen man die Sima de los Huesos-Fossilien gefunden hat, der Sauerstoff-Isotopenstufe 12 zuzurechnen sind. Und das würde bedeuten, dass sie aus einer Kaltzeit stammen.
Die anderen europäischen Homo heidelbergensis-Fossilien wurden aber überwiegend in Sedimenten gefunden, die man der Sauerstoff-Isotopenstufe 11 zuordnet. Sie stammen also aus einer Warmzeit.
Oder anders formuliert: Auf der Iberischen Halbinsel herrschte damals ein anderes Klima als im Rest Europas. Dort war es deutlich kühler. Und wie es aussieht, haben sich in diesem Kaltzeit-Klima die ersten Neandertaler-Merkmale herausgebildet.
"Unsere chronologischen Befunde legen nahe, dass das Auftreten dieser ersten Neandertaler-Merkmale mit den ökologischen Veränderungen auf der iberischen Halbinsel in dieser Zeit in Verbindung gebracht werden kann", schreiben Martina Demuro und ihre Kollegen.

Die Wiege der Neandertaler stand in Spanien

Die Blütezeit der Neandertaler war vor 130.000 bis 70.000 Jahren. Damals lebten sie in einem riesigen Gebiet, das von England im Nordwesten bis in den Irak im Osten reichte. Allerdings ist bis heute unklar, wo sich die ersten Neandertaler entwickelt haben.
Die Fossilien aus der Sima de los Huesos in Nordspanien sind die mit Abstand ältesten, die bereits anatomische Neandertaler-Merkmale aufweisen (Gesichtsschädel, Kiefer, Zähne, Kiefergelenke). Diese damals neue Schädelanatomie unterscheidet die spanischen Funde von den anderen Homo heidelbergensis-Fossilien in Europa.
Stand die Wiege der Neandertaler also in Spanien? Hat sich dort vor etwa 450.000 Jahren eine neue Evolutionslinie gebildet, die im Laufe der Jahrtausende zum klassischen Neandertaler führte? Die Forscher sind sich da noch nicht einig. Aber es mehren sich die Hinweise, dass die ersten Neandertaler im sonnigen Südwesten Europas entstanden sind - als es dort unangenehm kalt war.
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